• In der Geisterstadt

    20. november 2024, Italien ⋅ 🌧 14 °C

    Zunächst ging es heute genauso weiter wie gestern: Herbstliche Weinberge gemischt mit Olivenhainen. Eigentlich sehr schön, wäre da nicht der Gegenwind gewesen, der unaufhörlich pustete. Die Wetter-App sagte etwas von 30–40 km/h und so fühlte es sich auch an. Dazu drohende Wolken am Himmel.

    Als es zur Mittagszeit in der Ferne zu regnen beginnt, mache ich schnell kehrt und biege in ein Industriegebiet ein, wo ich, noch bevor ich vollständig durchnässt bin, ein Restaurant erreiche. Hier ist ordentlich was los und auch ich überbrücke die Zeit mit einer Pizza.
    Nach dem Essen ist der Regen vorüber und ich kann auf den zwei Kilometern, die mich zu meiner Route zurückbringen, Rückenwind genießen: 35 km/h lassen sich entspannt treten. Und dann heißt es wieder, gegen den Wind anzutreten.

    Unter Oliven und Wein haben sich inzwischen andere Feldfrüchte, verschiedenes Gemüse und Äpfel gemischt. Die Felder scheinen aber alle Großbetrieben zu gehören, viele kleine Bauernhäuser, aber auch größere Gutshäuser sind verlassen und verfallen.
    Die Verpflegung bzw. Wasserversorgung für mich ist heute übrigens gar nicht so einfach, da alles landwirtschaftlich geprägt ist und Städte ansonsten nur abseits der Wege auf den Bergen existieren – das ist immer mit Höhenmetern verbunden.

    Auch am Abend hält der Wind noch an und wird sogar noch stärker. Meine erste Anfrage nach einer Zeltmöglichkeit an einer Tankstelle bleibt erfolglos (es ganb tatsächlich nur Steinboden und keine geschützte oder ruhige Ecke). Ich steuere daher - wieder mal in einer Nachtfahrt - Accadia an. Hier gibt es auch Wasser und einen Supermarkt. Allerdings besteht die Stadt wirklich komplett aus Stein und scheint denkbar ungeeignet zum Zelten. Auf Nachfrage werde ich auf die Altstadt verwiesen, wo niemand wohnen und ich mein Zelt aufschlagen könnte.

    Ich steuere also die Altstadt an. Inzwischen stürmt es heftig und auch etwas Regen ist dazugekommen. Das alte Accadia ist wirklich verlassen, einige Häuser sind am Verfallen, Fensterläden und Türen klappern und knallen im Wind. Dosen fliegen umher und die Gassen sind in das gelbe Licht der Laternen gehüllt. Eine faszinierende Stimmung mit einer Prise Unheimlichkeit. Zelten bei Sturm ist hier vermutlich wenig ratsam, da erstens wieder fast alles aus Stein besteht und zweitens alles Mögliche von den Dächern fliegen kann.
    Dafür sehe ich allerdings einige offene Türen und erkunde ein paar Häuser. Ein paar sehen ganz gut aus und so beschließe ich, für heute Nacht ein Geisterhaus zu besetzen. So bleibt wenigstens alles trocken und ich bin ein bisschen windgeschützt.
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