Türkische Gastfre. und Span. Omelette
21. november 2024, Italien ⋅ ☀️ 13 °C
Morgens ist es komplett windstill und kein Laut ist in der Geisterstadt zu hören. Ich verwandle mein Geisterhaus kurz in eine Fahrradwerkstatt, um noch das mittlere Kettenblatt zu wechseln (mit der neuen Kette lief das alte nicht mehr so geschmeidig). Aufgrund der mich umgebenden Stille habe ich den Eindruck, einen Mordslärm zu machen.
Nach erfolgreichem Kettenblattwechsel nutze ich die Gelegenheit, den Rest der verlassenen Altstadt zu erkunden. Ganz verlassen ist sie irgendwann dann aber doch nicht mehr. Handwerker beginnen ihr Werk, und ich begebe mich zurück und schleiche mich aus dem Häuschen.
Hügelig, aber mit deutlich weniger Wind, geht es weiter. Etliche Windräder sind auf den Hügeln zu sehen. Der gestrige Wind scheint wohl eher die Regel zu sein als der heutige.
Die Schlafplatzsuche birgt dann noch eine Überraschung. In einem recht einsamen Tal halte ich noch nicht an, da ich kein Wasser dabeihabe. In der nächsten Stadt, Avellino, gibt es kein einziges Hostel und auch keinen Zeltplatz. Auf Nachfrage und zwei Telefonate in einem Fahrradladen wird mir ein Airbnb angeboten – für 40 Euro zu teuer. Ich beschließe daher, im Dunkeln noch etwas aus der Stadt herauszufahren und werde nach einigen Kilometern tatsächlich von einem Mann angesprochen, der scheinbar gerade für einen Spaziergang hinausgegangen ist. Kurzerhand lädt er mich zu sich nach Hause ein. Zum Übernachten, zum Essen, zum Wäschewaschen und allem, was ich sonst noch bräuchte. Ich bin gerührt, wie gastfreundlich Gerardo und seine Frau Assunta sich zeigen. Hätte ich dies doch eher in der Türkei erwartet. Assunta ist besonders bekümmert um mein Wohlergehen, dass ich ja genug zu essen bekomme, meine Sachen gewaschen werden und ich bloß nicht friere. Dabei erzählt und redet sie immer eindrücklich auf Italienisch, was ich leider nicht verstehe, aber ich nehme an, es wären Dinge, die meine Oma auch gesagt hätte.
Gerardo muss dabei immer etwas schmunzeln und zeigt mir lieber sein Rennrad, einen Modellhubschrauber, an dem er bastelt, seine Hobbyfunkstation und gibt mir ein paar Tipps, wo es hier schöne Radstrecken gibt. Sehr zum Ärgernis seiner Frau, die uns bestimmt auffordert, zu essen, bevor es kalt wird. Es gibt Pasta mit Tomatensauce und im Anschluss ein Omelett mit Kartoffeln – ähnlich der spanischen Tortilla. Letzteres ist am Boden leicht angebrannt, was Assunta ganz aus der Fassung und zu weiteren italienischen Worten bewegt und Gerardos Schmunzeln noch größer macht. Die beiden sind schon ein liebenswürdiges und etwas ulkiges Pärchen.
Gerardo spricht und versteht übrigens ein paar Worte Deutsch, weil sein inzwischen verstorbener Bruder nach Deutschland gegangen ist. Sein Neffe lebt ebenfalls in Deutschland, doch der Austausch mit ihm sei schwierig, weil er eben nur Deutsch spricht.
Eine wirklich tolle Begegnung mit so lieben Menschen und ich bin auch ganz froh, ein Dach über dem Kopf gefunden zu haben. Die Nacht soll es nämlich wieder ordentlich anfangen zu regnen.Læs mere















RejsendeEs gibt tatsächlich ein Fahrradmagazin namens Kettenblatt 😄