• Mit Mitia in die Alpen

    7 dicembre 2024, Italia ⋅ ☁️ 7 °C

    Der steife Nacken scheint Geschichte zu sein, dafür ist aber das Außenzelt steif gefroren. So wie die Bäume heute Morgen ihre Blätter abwerfen, scheint es hier die erste Nacht mit Frost gewesen zu sein. In meinem Schlafsack habe ich glücklicherweise kein bisschen gefroren und die ganze Nacht durchgeschlafen – vermutlich auch wegen der Windstille, die einen enormen Einfluss auf die Temperatur im Zelt hat.

    Dennoch ist es, als ich auf dem Rad sitze, ziemlich frisch, und so suche ich zum Aufwärmen und für einen kurzen Toilettengang ein Café auf. Die Pause wird nur kurz, da ich in einer guten Stunde in Verona sein muss, wo Mitia mit dem Flixbus ankommt.
    Als ich meinen Cappuccino und mein Cornetto bezahlen will, sagt mir die Kellnerin, dass dies bereits von einem der Männer am Nebentisch übernommen wurde. Einer von denen, mit denen ich zuvor nur ein paar spärliche Worte italienisch austauschte und die mir mehrfach anerkennend „Complimento“ sagten. Als Radreisender in winterlicher Kälte genießt man doch ein paar Boni (mal ganz abgesehen davon, dass es überall viel leerer ist und man ungestört fast überall zelten kann). Ich bedanke mich und mache mich auf nach Verona.

    Hier wartet Mitia, den ich in meinem Erasmussemester in England kennengelernt habe, bereits mit dem Rad auf mich. Ein fröhliches Wiedersehen! Das letzte Mal war es vor gut zweieinhalb Jahren, als ich ihn zuhause in Bergamo besuchte – ebenfalls mit dem Rad. Heute wollen wir gemeinsam bis Rovereto fahren. Tatsächlich kommen wir aber erstmal nicht weit. Als wir die Stadt nach einer kurzen extra Runde gerade erst verlassen haben, bemerke ich einen Platten an meinem Hinterrad. Glücklicherweise sind Glasscherbe und Loch schnell identifiziert und geflickt. Dann geht es mit ordentlich Tempo weiter – Mitia gibt ganz schön Gas und ich komme etwas ins Schwitzen. Dafür schaffen wir aber gut Strecke entlang der Adige.

    Der Radweg ist auch wirklich – und trotz des grauen Wetters – schön, insbesondere als wir ins Tal hineinfahren und sich die Berge um uns herum schließen. Die Alpen. Sie fühlen sich vertraut an, wohl auch, weil ich die Strecke früher schon einmal gefahren bin. Das erste Mal bekomme ich nun das Gefühl, dass es wirklich nicht mehr weit ist bis nach Hause – sonderbar und schön.

    Kurz nach Sonnenuntergang kommen wir schließlich in Rovereto an, checken im Hostel ein und gehen noch Pizza essen, bevor wir müde ins Bett fallen.
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