• Heimatgefühle in Italien

    8–10 dic 2024, Italia ⋅ ☁️ 4 °C

    In der Nacht vermisse ich mein einsames Zelt. Unser Hostelzimmer ist leider komplett gefüllt und klingt eher wie ein Sägewerk. Dafür ist das Frühstück eine Entschädigung, und wir können uns den Magen vollschlagen. Draußen regnet es, was uns genügend Zeit einräumt, um zu überlegen, wie wir den Tag angehen. Statt einer Wanderung entscheiden wir uns, weiter zu radeln, und ich schreibe Julius, ob ich ihn schon einen Tag früher in Bozen besuchen kann.

    Es geht weiter durch das Tal, eingerahmt von verschneiten Berggipfeln, bis nach Trento. Dort schlendern wir kurz über den Weihnachtsmarkt und machen Mittagspause. Mitia begleitet mich noch weiter bis Mezzocorona, wo er in den Zug zurück nach Bergamo steigt. Es waren zwei sehr schöne und vertraute Tage, obwohl wir uns zwei Jahre nicht gesehen hatten.

    Alleine fahre ich weiter nach Bozen. Beim Fotografieren in der Dunkelheit treffe ich Andreas, einen Lkw-Fahrer, der gerade einen Spaziergang macht und Mode nach Mailand fährt. Er erzählt mir, dass er auch ein Fahrrad im Lkw hat und ist sichtlich erstaunt, als ich ihm erzähle, dass ich seit einem Jahr unterwegs bin – auch wenn das aus meiner Sicht inzwischen etwas sehr Normales ist. Erstaunlich, ungewöhnlich und beeindruckend ist eben immer das, was unbekannt oder ungewöhnt ist.

    Abends komme ich dann in Julius' WG in Bozen an. Er ist ein Kumpel aus dem Studium, und auch ihn habe ich seit gut zwei Jahren nicht mehr gesehen. Auch hier gibt es also einiges zu erzählen. Ich bleibe zwei Tage hier, um die Route durch die Alpen und den restlichen Weg nach Hause zu planen, ein Paket mit Winterklamotten in Empfang zu nehmen und mein Fahrrad für glatte Straßen zu rüsten.

    Inzwischen fühlt es sich echt schon wieder sehr nach Hause an; ich treffe Freunde, und auch die Schilder an und in Geschäften oder an der Straße sind zum Teil wieder auf Deutsch verfasst. Dennoch habe ich noch gut 1000 km vor mir, bis ich wirklich zuhause bin.
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