Wildkraut energy sniff
13 dicembre 2024, Austria ⋅ ☁️ 5 °C
In der Nacht werde ich einige Male wach. Endlich ist es 7:30 Uhr, Sonnenaufgang. Die Ecken des Innenzelts und das Außenzelt sind mit Raureif bedeckt, das Thermometer zeigt ca. -5 Grad im und -10 Grad außerhalb des Zelts. Ich drehe mich noch ein- oder zweimal im Schlafsack, doch es wird nicht wärmer. Schließlich raffe ich mich auf und koche Wasser. Es gibt Tee und Haferflocken mit heißem Wasser und Kekskrümeln zum Frühstück.
Beim Zusammenpacken werde ich von einem Hund überrascht. Er gehört Ludwig, der mich direkt anspricht und fragt, wohin ich denn fahre. Er findet es gut, was ich mache, und erzählt mir, dass er gerade Bücher von Radreisenden liest. Als ich ihn später überhole, lasse ich mir seine E-Mail geben, um ihm mein FindPenguis zu schicken.
Dann radle ich weiter durch das verschneite Inntal bis nach Landeck. Die Kälte lohnt sich auf jeden Fall, da die Landschaft wunderschön mit in der Sonne funkelndem Raureif überzogen ist und leichte Nebelschwaden über dem Inn hängen – einfach atemberaubend.
Hier mache ich Kaffeepause in einer Bäckerei, die balkanischen Ursprungs zu sein scheint. Zumindest gibt es hier auch Burek. Ich nutze die Zeit, um mich mental schon einmal auf die 1100 Höhenmeter bis zum Pass vorzubereiten.
Der Arlbergpass ist wirklich schön, allerdings muss ich mir die Straße mit ein paar Autos teilen und komme gerade auf dem letzten Kilometer doch ganz gut ins Schwitzen. Zehn Prozent Steigung sind eben auch bei minus 8 Grad anstrengend. Dennoch komme ich im Hellen oben am Pass neben den Skifahrern an und werde direkt Fotomodell, als ein LKW-Fahrer mich fotografiert. Scheinbar fahren im Winter nicht so viele hier oben mit dem Fahrrad herum.
Die Abfahrt wird dann wirklich frostig kalt. 1000 Höhenmeter in gut 20 Minuten sind eben doch etwas frisch, und ich freue mich über den nächstbesten Supermarkt zum Aufwärmen. Leider nimmt der Kaffee- und Kakaoautomat in diesem nur Münzgeld an.
Halb aufgewärmt rolle ich weiter ins nächste Dorf, wo ich gefühlt schon wieder wie ein Eisklotz bin.
Von einem kleinen Bauernhof ruft ein junger Mann und fragt, ob es nicht zu kalt zum Fahrradfahren sei. Daraufhin drehe ich mich um, greife den Gesprächsfaden auf und frage nach Wasser. Dabei kommen wir ins Gespräch, und auch der bereits pensionierte Vater erscheint. Mir wird angeboten, dass ich auch auf dem Grundstück zelten könnte.
Ich baue mein Zelt auf und finde mich kurze Zeit später in einem Container mit zwei teegefüllten Thermoskannen, einem Bier und einem Teller mit selbstgemachten Würsten, Brot, Senf und Rettich wieder. Neben mir sitzen Josef (Vater), Flo (Sohn) und ein paar von Flos Freunden. Die beiden sind nebenberuflich Landwirte – definitiv ein Vollzeithobby. Gegen vier Uhr stehen sie auf, versorgen die Tiere und fahren dann zur regulären Arbeit. Abends kümmern sie sich wieder um die Tiere. Viel Zeit für andere Dinge bleibt da nicht, und auch längerer Urlaub ist quasi nicht möglich. Lediglich in den Sommermonaten, in denen die Tiere auf der Alm sind, gibt es ein bisschen weniger zu tun. Schön, dass es Menschen gibt, die einfach aus Liebe zu dieser Arbeit und zu den Tieren, trotz des Aufwands, so einen kleinen Betrieb (10 Milchkühe und ein paar Rinder) führen.
Neben Bier wird hier übrigens Wildkraut Energy Sniff konsumiert. Der heiße Scheiß aus den Alpen, der aussieht wie Koks, ebenfalls durch die Nase gezogen wird und wach machen soll. Das aus dem "Meisterwurz" der Almwiesen hergestellte Zeug scheint auf jeden Fall ein gutes Geschäftsmodell zu sein.
Aus einem Bier werden vier, und wir sitzen noch eine Weile schwatzend zusammen im Container. Dabei muss ich mich ganz schön konzentrieren, um den österreichischen Dialekt zu verstehen. Sollte ich meine Übersetzungs-App heraus holen? Naja, ungefähr 50 % verstehe ich.
Schließlich ist Schicht im Schacht. Josef sagt mir noch, dass ich auch im beheizten Container übernachten könne, und so kramen ich noch die wichtigsten Sachen aus dem Zelt, schiebe zwei Bänke im Container zusammen, um es mir bequem zu machen, und krieche etwas angetrunken in meinen Schlafsack. Ich bin wirklich dankbar, dass ich nach dieser doch recht kalten Abfahrt noch diese Gastfreundschaft erfahren habe und freue mich, dass ich diese Erfahrung auch im deutschsprachigen Raum gemacht habe.Leggi altro















Viaggiatore
Meine Güte 😮
Viaggiatore
Dann kauf' Dir doch ein rundes Zelt 😄