Zurück in Deutschland, Konstanz
14–16 dic 2024, Germania ⋅ 🌧 3 °C
Kurz nach halb acht klopft Josef an der Container-Tür an. Er sagt, dass sie noch etwas im Stall erledigen müssen und es dann in der Stube Kaffee gäbe. Ich räume schon mal meine Sachen zusammen, dann geht es in die Stube, bevor Josefs Frau bereits Frühstück vorbereitet hat. Wurst von den eigenen Schweinen, Käse von den eigenen Kühen und noch etwas mehr, was bei einem typisch deutschen Frühstück eben auf dem Tisch steht.
Ein bisschen fühle ich mich an die Türkei erinnert, wo ich bei Ergün, ebenfalls auf einem Hof, zu Gast war. Eigentlich ist einiges identisch, und doch wieder vieles verschieden. Frühes Aufstehen, viel zu tun auf dem Hof, einige Produkte aus eigener Herstellung; die Männer kümmern sich größtenteils um das, was außerhalb des Hauses passiert, die Frau um das innerhalb des Hauses. Statt Çay gibt es Bier, und wenn es schwarzen Tee gibt, bekommt er einen Schuss Rum dazu (nicht zum Frühstück, aber gestern Abend).
Als ich mich nach dem Frühstück verabschiede, kann ich zumindest zwei Bilder von Pompeji und Rom als Dankeschön da lassen. Ich hatte sie genau für diesen Zweck in Bozen bei dm drucken lassen. Später ärgere ich mich noch ein bisschen, dass ich es verschlafen habe, Bilder vom Stall und der Arbeit im Stall zu machen. Die wären spannend im Vergleich zu dem Hof in der Türkei gewesen, aber dafür hätte es vielleicht ein Bier weniger sein müssen.
Ich radle los und biege kurz hinter dem Dorf auf den Radweg im Wald ein. Hier fragt mich ein Mann mit gelber Daunenjacke, der mit seinem Hund Gassi geht, ob ich etwas benötige. Er scheint früher selbst viel Fahrrad gefahren zu sein, hat sich inzwischen aber eine Verletzung zugezogen und geht es ruhiger an. Als er auf dem Schotterweg, welcher links und rechts von Tannen eingerahmt wird und an dessen Ende sich die schneebedeckten Berge erblicken lassen, weitergeht, entsteht ein wunderbares Fotomotiv. Ich knipse ein paar Bilder, hole ihn dann mit meinem Fahrrad ein und lasse mir seine E-Mail geben, um ihm später die Fotos zu schicken.
Auf einem Markt in – ich glaube, es war Feldkirch – besorge ich mir Brot, Käse und Schmalz für die Brotzeit, die ich bei nächster Gelegenheit am Fluss einnehme. Der Fluss ist übrigens der Rhein, bevor er im Bodensee verschwindet.
Nach der Mittagspause kommt – wie von Bauer Josef anhand des Morgennebels vorhergesagt – Nieselregen auf. Mit Regenklamotten okay, aber natürlich ginge es auch besser. Immerhin motiviert mich ein älterer Herr, der mir beim Überziehen der Regensachen „seine Hochachtung“ ausspricht und die Radreisenden als die wahren Könige (von… ja, was eigentlich?) sieht – lustig und nett.
Am Bodensee gerate ich in die Dunkelheit. Zu sehen gibt es dann quasi nichts, und so verfliegt die Zeit mal wieder mit Podcast im Ohr: „Alles Gesagt? – Zu Gast: Die Lage der Nation“. Sehr zu empfehlen.
Kreuzlingen (Schweiz) und Konstanz fließen ineinander über, das hatte ich zwar auf dem Schirm, überrascht bin ich trotzdem. Es ist ja auch etwas skurril, eine Grenze mitten in der Stadt zu haben – auch wenn das historisch natürlich noch zu toppen ist.
Ich übertrete die Grenze, bin wieder in Deutschland, und eigentlich ist nichts Besonderes – zumal die Grenze ja nicht wirklich existent ist – und nach fast einem Jahr ein sonderbares Gefühl.
Sichtlich stolz bin ich, als ich realisiere, dass morgen Sonntag ist und ich noch schnell in einen Supermarkt flitzen sollte. Der Lidl ist um die Ecke, und so stehe ich schon im Supermarkt und bemerke, dass die Joghurtdrinks hier doppelt so groß sind und ein komisches Symbol auf der Packung haben: Pfand! Zum Glück kann ich mich erinnern, was es damit auf sich hat. Ganz anders als eine Familie vor dem Supermarkt, die ihre Einwegflasche in den Mülleimer wirft. Ich greife hinein. Fünfundzwanzig Cent! Davon könnte ich in der Türkei drei Çays oder ein Brot kaufen!
Dann steuere ich Gretas, eine Freundin aus Dresden, WG an, wo ich heute und morgen unterkomme. Tatsächlich kommt Greta erst morgen nach Konstanz zurück, und obwohl ich nun schon bei vielen Menschen zu Gast war, fühlt es sich immer wieder ein bisschen komisch an, in eine fremde Wohnung zu kommen – insbesondere, wenn niemand da ist oder die Person, die man kennt, nicht da ist. Gleichzeitig ist es auch spannend, insbesondere wenn man Zimmer wie Gretas betritt. Es gleicht vielleicht ein bisschen einem Laden aus der Winkelgasse. Mit Büchern, Pflanzen, Zeichnungen, eins, zwei, drei, ..., sieben Aquarien bzw. Terrarien und ordentlich sortierten Gläsern mit Mehlwürmern, Fischen und Co. Überall ist irgendetwas Interessantes zu sehen. Und so kann ich mir auch den nächsten Tag gut vertreiben, bis Greta zurück ist und wir noch eine Runde durch Konstanz schlendern.Leggi altro





















Viaggiatore
Vielleicht sind die festgefroren?