• Workaway 1: Das Haus und die Arbeit

    10. maj 2024, Spanien ⋅ ⛅ 25 °C

    Besser spät als nie. Ein Nachtrag zum 10. Mai.

    Gute zweieinhalb Wochen war ich in Miguels zukünftiger Ecovillage in der Sierra de Gredos. Miguel ist circa Mitte 30, hat auch irgendwann mal Bauingenieurwesen studiert und vor ein paar Jahren zwei Häuser bzw. Ruinen in einem in den 60er Jahren verlassenen Dorf gekauft. Im Winterhalbjahr verdient er Geld und im Sommerhalbjahr steckt er es in sein Ecovillage-Projekt. Unterstützung gibt es gelegentlich von ein paar Nachbarn und Workawayern wie mir. Zugegebenermaßen habe ich nicht so ganz herausgefunden, wie denn nun eine Ecovillage aussehen soll, was wiederum daran liegt, dass der Begriff nicht ganz so scharf definiert ist. Auch Miguel ist relativ offen dafür, wohin sich das Projekt entwickelt. Je nachdem, wer sich eben noch anschließt und Ideen einbringt. Vielleicht kann man also sagen, dass sich eine Ecovillage in gewisser Weise von selbst oder aus den Menschen, die an ihr mitwirken, entwickelt. Und das Ganze unter den Aspekten Kultur, Soziales, Ökologie und Ökonomie. Zumindest heißt es hier so [1].

    Vielleicht könnte man die Definition einer Ecovillage aber auch in einem Kochbuch nachschlagen. Dort würde dann vermutlich stehen: Die Adjektive fair, nachhaltig, kommunikativ, gesund, naturbezogen, naturverträglich, regenerativ, wertschätzend, partizipierend, teilhabend, gleichberechtigt, gemeinwohlorientiert, beteiligend und weitere in einen Topf geben, eine Handvoll motivierter und kreativer Menschen hinzufügen und mit ein paar Werkzeugen abschmecken. Und dann mal schauen, was herauskommt.

    Bei mir waren es auf jeden Fall eine Menge Spaß und viele (kulturelle) Erfahrungen. Zeitweise zu viert zeitweise zu dritt waren wir vor allem damit beschäftigt Gebäude- und Gartenteile von Unkraut bzw. Brombeeren zu befreien, Betonzuschläge zum Haus zu schleppen, Beton zu mischen, Estrich und eine Schalung für die Dämmung herzustellen, in der nächsten Stadt Holz zu holen, den Recyclinghof nach Brauchbarem zu checken, zu kochen und noch ein paar andere Kleinigkeiten.
    Wenn ich die Dämmung aus PET-Flaschen und Bauschaum unterm Dach sah, fragte ich mich natürlich schon, wie Eco das Ganze ist, ob hier gerade ein neuer Verbundwerkstoff entwickelt wurde und sich schonmal jemand über die Feuerfestigkeit Gedanken gemacht hatte. Hoffentlich bleibt sowas bei den Ecovillagen die Ausnahme.

    [1] https://ecovillage.org/about/about-gen/concept
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