• Workaway 1: Das Drumherum

    10. maj 2024, Spanien ⋅ ⛅ 21 °C

    Das Drumherum um Miguels Eco-Village kann wohl kaum besser geeignet sein, um sich eine Auszeit von hektischem Treiben, Nachrichtenfluten oder Alltagsproblemen zu nehmen (das ist natürlich der Regelfallauf meiner Reise, aber so ist der Ort ganz gut beschrieben). Hier gibt es nur Ruinen, Wald und Berge. Die nächste Trinkwasserquelle auf dem kostenlosen Camperparkplatz ist gut einen Kilometer entfernt, das nächste Dorf, welches auch nur aus einem Restaurant, einer Bar und einigen Häusern besteht, gut anderthalb Kilometer, und der nächste Supermarkt vielleicht 8 km. Und für Internetempfang muss man von der Ruine den nächsten Hügel hinauf laufen. Fließendes Wasser gibt es zwar über alte Kanalsysteme aus den Bergen, wenn die Fließrichtung nicht gerade von einem Nachbarn für den Eigengebrauch umgelenkt wurde, jenes eignet sich allerdings auch nur für die Freiluftdusche, zum Betonmischen oder zur Bewässerung. Klingt nicht nur alles ganz romantisch, ist es auch.

    Und auch wenn es hier eigentlich einsam ist, langweilig wird es nicht. In den Bergen und Wäldern lässt es sich wunderbar wandern. Dabei stößt man auf andere alte Ruinen, manche sanierten Gebäude oder Wasserfälle mit Infinity-Pool. Mit Sirek, einem Workawayer aus den Niederlanden, unternehme ich eine Radtour, um die lokalen Tapas zu testen. An einem anderen Nachmittag kommen plötzlich zwei Nachbarn mit einer Tüte Lauch und einer Tüte Speckschwarten vorbei, entfachten in der Outdoorküche ein riesiges Feuer und grillten Lauch und Fleisch in traditioneller Weise direkt auf den Flammen. Gegessen werden musste dann natürlich auch auf traditionelle Weise. Dazu wird die verkohlte äußere Schicht einfach abgezogen, in eine Paprikasauce getaucht und dann so verzehrt, wie es intuitiv wohl nur ein Schwertschlucker tun würde. Der Speck hingegen wird mit Brot gegessen. Ganz wichtig dabei: Ein Stück vom Brot muss abgeschnitten werden und dient zum Halten der Speckschwarte. Damit man sich die Finger nicht dreckig macht? Nach dem Lauch wäre das auf jeden Fall irrelevant.
    Ein paar Mal sind wir abends bei Nachbarn Hossein und seiner Frau zum typischen Tortillaessen eingeladen. Die beiden wohnen etwas tiefer und einsamer im Wald und haben vor Jahrzehnten ebenfalls eines der alten Häuser restauriert. Nun steht Hossein Miguel mit Rat, etlichen Werkzeugen und jeder Menge Bier, wenn wir bei ihm eingeladen sind, zur Seite.

    Insgesamt bleibe ich ein paar Tage länger als geplant bei Miguel, da die spanische Post es mit meinem Tretlager, das ich in die nächste Stadt bestellt habe, nicht so eilig hat.
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