• Château de Langoiran

    Yesterday in France ⋅ ☀️ 33 °C

    Von Bayonne ging es weiter Richtung Norden, einmal quer durch das Département Landes. Und hier fährt man wirklich lange durch eine Landschaft, die fast nur aus Wald zu bestehen scheint: endlose, schnurgerade Reihen von Kiefern, dazwischen Seen, Feuchtgebiete und immer wieder große landwirtschaftlich genutzte Flächen.

    Dabei ist diese Landschaft keineswegs komplett natürlich entstanden. Große Teile der Landes waren früher Heide-, Moor- und Sumpfgebiete. Vor allem im 19. Jahrhundert wurden sie systematisch entwässert und großflächig mit Seekiefern bepflanzt. So entstand die riesige Forêt des Landes, heute eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete Westeuropas. Die Kiefern lieferten zunächst vor allem Harz, heute ist die Holz-, Papier- und Zellstoffindustrie von großer Bedeutung. Auf den freien Flächen wird intensiv Landwirtschaft betrieben, besonders Mais sieht man hier immer wieder.

    Die Kiefern verschwanden, die Landschaft wurde hügeliger – und auf einmal standen überall Weinreben. Ein ziemlich abrupter und schöner Übergang: Wir waren im Weinland von Bordeaux angekommen.

    Kurz darauf ging es über die Garonne. Die Garonne kommt aus den spanischen Pyrenäen, fließt unter anderem durch Toulouse und Bordeaux und vereinigt sich nördlich von Bordeaux mit der Dordogne. Ab dort bilden beide gemeinsam die gewaltige Gironde-Mündung, die schließlich in den Atlantik führt.

    Auf dem Weg hatten wir eine alte Burgruine gesehen, Die haben wir uns noch angesehen: Château de Langoiran.

    Das Château de Langoiran ist tatsächlich viel bedeutender, als wir bei unserem spontanen Abstecher gedacht hatten. Die Festung wurde Ende des 13. Jahrhunderts von der Familie Escoussan errichtet und gehörte zu den mächtigsten Herrschaften des damaligen Herzogtums Aquitanien.

    Ihre Lage war perfekt gewählt: hoch über dem Tal der Garonne. Von hier konnte man die Landschaft und vor allem den wichtigen Verkehrsweg entlang des Flusses kontrollieren.

    Im Mittelalter gehörte Aquitanien über lange Zeit zur englischen Krone. Entsprechend geriet Langoiran während des Hundertjährigen Krieges immer wieder mitten in den jahrhundertelangen Machtkampf zwischen den Königen von England und Frankreich. Später gelangte die Burg unter anderem an die bedeutenden Familien Albret und Montferrand.

    Nach dem Ende des Hundertjährigen Krieges wurde Langoiran unter Karl VII. und Ludwig XI. sogar königliche Festung. Später gehörten die Herren von Langoiran zur politischen Elite der Region – darunter Kammerherren des Königs und Präsidenten des Parlaments von Bordeaux.

    Das markanteste Bauwerk ist der gewaltige runde Donjon. Mit rund 16 Metern Durchmesser gehört er zu den beeindruckendsten mittelalterlichen Rundtürmen Frankreichs. Dazu kommen Wehrgänge, Türme, ein Torbau und eine Kapelle.

    Das Ende der großen Zeit kam Mitte des 17. Jahrhunderts. Während der sogenannten Fronde, einer Reihe von Aufständen gegen die französische Krone, wurde das Château um 1650 angegriffen und schwer zerstört. Danach verfiel die Anlage über Jahrhunderte.

    Erst 1972 kaufte die Familie Bibonne die Ruine. Gemeinsam mit dem Verein Les Amis du Château de Langoiran begann sie mit der Restaurierung und Wiederbelebung der mittelalterlichen Anlage. Heute kann man große Teile wieder besichtigen.

    Denn unser Timing war natürlich wieder hervorragend: Wir kamen genau während der französischen Mittagspause an. Bis 14 Uhr geschlossen.

    Und bei inzwischen fast schon unerträglichen 36 Grad war die Motivation überschaubar, länger in der Sonne auf die Öffnung zu warten oder größere Wanderungen zu unternehmen.

    Also noch einmal hinunter zur Garonne, ein bisschen ans Wasser, die Landschaft genießen – und dann doch lieber zurück ins klimatisierte Auto.

    Von hier ging es weiter Richtung Saint-Émilion. Und jetzt war endgültig Schluss mit Kiefernwald: Weinberge, kleine Weingüter und Châteaux bestimmten die Landschaft.
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