Mont-Saint-Michel
August 11 in France ⋅ ☀️ 16 °C
Ausschlafen ist auf dieser Reise irgendwie nicht vorgesehen. Um 5:30 Uhr klingelte mal wieder der Wecker. Kurz fertig gemacht und gegen sechs Uhr ging es von unserem Hotel in Saint-Malo los. Direkt am Meer entlang führte die Strecke zunächst aus der Stadt hinaus und dann immer weiter Richtung Osten. Knapp eine Stunde Fahrt lag vor uns.
Je näher wir Mont-Saint-Michel kamen, desto flacher wurde die Landschaft. Die Bucht ist riesig, und irgendwann tauchte er dann schon von Weitem am Horizont auf: dieser einzelne Felsen mitten in der Ebene, oben drauf die gewaltige Abtei. Genau dieses Bild kennt man von unzähligen Fotos – in echt wirkt es trotzdem noch einmal ganz anders.
Am großen Parkplatz war trotz der frühen Uhrzeit schon einiges los. Von dort ging es zu Fuß weiter. Wir wollten natürlich nicht einfach den Shuttlebus nehmen, sondern den Weg zum Mont-Saint-Michel richtig erleben. Über den langen Damm und später die Brücke kommt der Berg Schritt für Schritt näher. Mit Fotostopps und immer neuen Perspektiven waren wir fast eine Stunde unterwegs. Aber genau das war eigentlich schon ein Teil des Erlebnisses – und es entstanden richtig schöne Bilder.
Mont-Saint-Michel liegt auf einer kleinen Felseninsel in einer der gezeitenreichsten Buchten Europas. Der Tidenhub kann hier bei besonders starken Gezeiten rund 14 Meter erreichen. Früher konnte das Wasser den Mont bei Flut tatsächlich vollständig vom Festland abschneiden. Heute sorgt die auf Stelzen gebaute Brücke dafür, dass das Wasser wieder weitgehend frei um den Felsen strömen kann und sich weniger Sand und Sedimente ablagern.
Die Geschichte des Ortes reicht mehr als 1.300 Jahre zurück. Der Überlieferung nach erschien im Jahr 708 der Erzengel Michael dem Bischof Aubert von Avranches und forderte ihn auf, auf dem Felsen eine Kirche zu errichten. Daraus entwickelte sich über die Jahrhunderte eines der wichtigsten Pilgerziele Frankreichs. Ab dem 10. Jahrhundert siedelten sich Benediktinermönche hier an und bauten den Felsen immer weiter aus.
Besonders beeindruckend ist, wie man überhaupt auf die Idee kam, auf diesem schmalen Granitfelsen ein solches Bauwerk zu errichten. Da kaum ebene Fläche vorhanden war, wurden Gebäude teilweise übereinander gesetzt und der Felsen mit gewaltigen Unterkonstruktionen erweitert. Ganz oben thront die Abteikirche, darunter liegen Klostergebäude, Säle und Gewölbe, und ganz unten drängen sich die Häuser des kleinen Ortes zusammen.
Durch das große Tor ging es schließlich hinein und sofort in die engen Gässchen. Kopfsteinpflaster, alte Steinhäuser, kleine Läden und Restaurants – und natürlich Treppen. Viele Treppen. Wir schlängelten uns langsam nach oben und erkundeten den Mont Stück für Stück.
Im Mittelalter hatte Mont-Saint-Michel neben seiner religiösen auch eine enorme strategische Bedeutung. Während des Hundertjährigen Krieges hielt die stark befestigte Insel den englischen Angriffen stand und wurde dadurch zu einem Symbol französischen Widerstands. Später verlor das Kloster an Bedeutung und wurde nach der Französischen Revolution sogar als Gefängnis genutzt. Erst im 19. Jahrhundert begann man, den historischen Wert des Ortes wieder richtig zu erkennen und die Anlage umfassend zu restaurieren.
Heute gehört Mont-Saint-Michel gemeinsam mit seiner Bucht zum UNESCO-Welterbe und ist mit mehreren Millionen Besuchern pro Jahr eine der bekanntesten Sehenswürdigkeiten Frankreichs.
Das frühe Aufstehen hatte sich jedenfalls gelohnt. Schon der lange Fußweg durch die Bucht mit dem Mont-Saint-Michel vor uns war mindestens genauso schön wie das eigentliche Ankommen.
Zurück ging es mit dem Shuttle-Bus. Zum Glück waren wir so früh dran. Jetzt war es so voll, es gab schon eine Riesenschlange für die Busse …Read more


























