Metz
August 13 in France ⋅ ☀️ 28 °C
Einen Stopp haben wir dann doch noch eingelegt. Auf dem Weg von Reims Richtung Heimat sind wir nach Metz reingefahren.
Schon während der Fahrt hatten wir uns ausführlich mit der Geschichte dieser ganzen Region beschäftigt. Lothringen ist wirklich eine dieser Gegenden Europas, in denen Grenzen nie etwas Selbstverständliches waren. Frankreich, deutsche Staaten, das Deutsche Reich und wieder Frankreich – über Jahrhunderte wechselten Herrschaften, Sprachen und Zugehörigkeiten. Dazu die großen Kriege zwischen beiden Ländern, 1870/71, der Erste und der Zweite Weltkrieg. Wenn man heute so friedlich durch diese Landschaft fährt, ist kaum vorstellbar, wie oft genau hier um Grenzen und nationale Zugehörigkeit gekämpft wurde.
Metz erzählt diese Geschichte besonders eindrucksvoll. Die Stadt hat heute rund 120.000 Einwohner und liegt an der Mosel, unweit der deutschen und luxemburgischen Grenze. Schon die Römer machten das damalige Divodurum zu einer bedeutenden Stadt. Im Mittelalter entwickelte sich Metz zu einer wohlhabenden freien Reichsstadt und gehörte lange zum Heiligen Römischen Reich. Im 16. Jahrhundert geriet die Stadt unter französische Kontrolle und wurde schließlich auch offiziell Teil Frankreichs.
Besonders spannend wurde es nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Metz kam zusammen mit großen Teilen Elsass-Lothringens zum neu gegründeten Deutschen Reich. Die Stadt wurde zu einem wichtigen deutschen Militärstandort und stark ausgebaut. Nach dem Ersten Weltkrieg kam Metz 1918 wieder zu Frankreich, wurde im Zweiten Weltkrieg erneut von Deutschland annektiert und ist seit 1944 endgültig französisch.
Und genau diese Geschichte sieht man bis heute im Stadtbild. Auf der einen Seite gibt es das ältere, sehr französisch wirkende Metz mit engen Straßen, Plätzen und hellen Natursteinfassaden. Darüber thront die gewaltige gotische Kathedrale Saint-Étienne, eine der höchsten gotischen Kirchen Frankreichs. Berühmt ist sie vor allem für ihre riesigen Glasflächen – insgesamt rund 6.500 Quadratmeter. Einige der modernen Fenster stammen sogar von Marc Chagall, dessen Glasfenster wir am Morgen schon in der Kathedrale von Reims bewundert hatten.
Dann gibt es aber noch ein ganz anderes Metz. Rund um den Hauptbahnhof entstand während der deutschen Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts die sogenannte Neustadt, das heutige Quartier Impérial. Plötzlich wirkt die Architektur viel massiver und irgendwie deutscher: große Verwaltungsgebäude, breite Straßen, Sandstein, neoromanische und historistische Fassaden. Besonders der monumentale Hauptbahnhof stammt aus dieser Zeit. Kaiser Wilhelm II. wollte hier ganz bewusst zeigen, dass Metz nun eine bedeutende Stadt des Deutschen Reiches war.
Dadurch wirkt Metz tatsächlich fast wie zwei Städte nebeneinander. Hier das ältere französische Metz, dort das wilhelminische Metz aus der deutschen Epoche. Gerade wenn man vorher die Geschichte der Region gehört hat, bekommt dieser Unterschied plötzlich eine ganz andere Bedeutung. Architektur wird hier praktisch zum Geschichtsbuch.
Auch landschaftlich liegt Metz an einer alten europäischen Schnittstelle. Die Mosel fließt von den Vogesen über Metz und Luxemburg weiter nach Deutschland, vorbei an Trier und schließlich zum Rhein bei Koblenz. Heute fährt man völlig selbstverständlich über diese Grenzen. Vor gut hundert Jahren wären viele dieser wenigen Kilometer politisch und militärisch eine ganz andere Welt gewesen.
So wurde Metz noch einmal ein überraschend passender letzter Stopp unserer Reise. Keine lange Besichtigung mehr, sondern ein kurzer Blick auf eine Stadt, in der man die komplizierte gemeinsame Geschichte von Deutschland und Frankreich ungewöhnlich deutlich sehen kann.
Und danach ging es wirklich weiter Richtung Heimat. Nach all den Tagen zwischen Baskenland, Atlantik, Bordeaux, Loire, Bretagne, Normandie, Reims und schließlich Lothringen hatten wir Frankreich einmal ziemlich gründlich von Südwesten bis zur deutschen Grenze durchquert. Metz war dafür irgendwie der richtige Schlusspunkt.Read more










TravelerWir haben vor einiger Zeit in Metz eine Tour durch Nordfrankreich gestartet, ein guter Ort für solch einen Punkt. Kommt gut nach Hause 👍
TravelerDanke!!
TravelerMetz mechet i a. Obwohl hatten wir ja erst. Tolles Flair, gell…Tolle Kathedrale.