• Fahrt in den Norden

    September 15 in Rwanda ⋅ ⛅ 25 °C

    Heute ging's früh los. Nach dem Frühstück hat uns Godwin kurz nach acht abgeholt, und dann sind wir Richtung Norden gerollt – Ziel war der Vulkane-Nationalpark. Und was für eine Fahrt das wurde!

    Rwanda nennt man nicht umsonst das "Land der tausend Hügel". Kaum ist man aus Kigali raus, wird's grün und hügelig, überall Felder, kleine Dörfer, ab und zu ein etwas größerer Ort. Das Land ist wahnsinnig dicht besiedelt – auf jedem Stück Erde, das nicht zu steil ist, wird irgendetwas angebaut. Man sieht Bananenstauden, Zuckerrohr, Mais, Bohnen, alles fein säuberlich in Terrassen die Hänge hoch.

    Was mich am meisten beeindruckt hat: die Fahrräder. Hier ist das Fahrrad nicht Sport, sondern Lastesel. Wir haben Männer gesehen, die ihr Rad mit Zuckerrohrstangen beladen haben, so hoch und breit, dass man das Rad selbst kaum noch erkennt – und dann schieben sie das Ding die Berge hoch, Meter für Meter. Oben angekommen, setzen sie sich drauf und sausen mit einer Geschwindigkeit wieder runter, bei der mir fast schwindlig wurde. Ein Stück weiter dasselbe Bild, nur mit riesigen Büscheln grüner Kochbananen beladen – zwei im Team, da sie von hinten schieben und gar nicht lenken können. Das Fahrrad ist hier oft die einzige Transportmöglichkeit, mit der man Erträge vom Feld zum Markt bringt, wenn man sich kein Auto leisten kann. Für viele Männer ist das sogar ein richtiger Beruf – als Lastenradfahrer ("abemera" nennt man sie hier) verdienen sie sich damit ihren Lebensunterhalt.

    Auch zu Fuß ist ordentlich was los am Straßenrand: Frauen mit Säcken auf dem Kopf balanciert, dazu noch Taschen in beiden Händen, unterwegs zum nächsten Markt oder Feld. Kopflasten tragen ist hier tief verwurzelt – man lernt das quasi von klein auf, und es ist erstaunlich, wie mühelos das aussieht, obwohl da locker 20, 30 Kilo oben drauf liegen können.

    Irgendwann kamen wir an einem Markt vorbei, mitten auf freiem Feld, mit bunten Kleidern und Tüchern, die an Schnüren zum Trocknen bzw. zur Schau hingen. Solche Wochenmärkte sind das Herz jeder Gemeinde hier – hier wird verkauft, gehandelt, getratscht, und man bekommt fast alles, von Second-Hand-Kleidung bis Kanistern für Wasser oder Benzin. Die gelben Kanister übrigens sieht man überall in Ostafrika, meist zum Wasserholen.

    Zwischendurch dann wieder Stille: sanfte, grüne Hügel, einzelne Bauernhöfe verstreut in der Landschaft, im Hintergrund schon die ersten vulkanischen Berge, die Richtung Norden immer markanter werden – wir nähern uns der Vulkankette, zu der auch die Virunga-Berge gehören, unser eigentliches Ziel.

    Eine tolle, kurzweilige Fahrt – man sieht auf so einer Strecke mehr vom echten Rwanda als in jedem Museum.
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