Landwirtschaft um die Vulkane
September 16 in Rwanda ⋅ ☁️ 17 °C
Der Norden Ruandas, rund um Musanze und die Vulkane, ist eine der fruchtbarsten Ecken des Landes. Vulkanische Erde, viel Regen, kühle Höhenlagen zwischen 1.800 und 2.500 Metern – hier wächst fast alles, was gebraucht wird. Und weil kaum jemand einen Traktor besitzt, läuft fast die gesamte Landwirtschaft noch in reiner Handarbeit ab: gepflanzt, geerntet und transportiert wird mit Hacke, Kopf und Fahrrad.
Das mit Abstand wichtigste Grundnahrungsmittel hier sind Kartoffeln – "Irish Potatoes", wie sie in Ostafrika heißen. Die Distrikte Musanze, Burera, Nyabihu und Rubavu liefern zusammen einen Großteil der Kartoffelernte des ganzen Landes. Früher wurde vieles davon einfach lokal auf kleinen Märkten verkauft, doch inzwischen gibt es gezielte Programme, die den Handel professioneller organisieren – mit dem Ziel, aus der reinen Subsistenzware ein echtes Exportprodukt zu machen, das auch in Nachbarländer wie Uganda oder die DR Kongo geht.
Noch spannender ist eine zweite Pflanze, die man hier überall auf den Feldern sieht: Pyrethrum, kleine weiße Blüten, die wie Gänseblümchen aussehen, botanisch aber zur Chrysanthemen-Familie gehören. In ihnen steckt Pyrethrin, ein natürliches Insektengift, das seit den 1930er-Jahren rund um die Virunga-Berge angebaut wird – die kühlen Vulkanhänge sind weltweit einer der wenigen Orte, an denen die Pflanze wirklich gut gedeiht, neben Kenia, Tansania und dem australischen Tasmanien. Nach dem Genozid 1994 lag der Anbau fast komplett brach; heute wird er von der Firma Horizon Sopyrwa wieder organisiert, die den Bauern feste Abnahmepreise zahlt und sogar Kühe als Prämie verteilt, weil deren Mist wieder als Dünger für bessere Ernten sorgt.
Geerntet wird von Hand, Blüte für Blüte, dann wird alles auf Planen am Straßenrand oder vor dem Haus in der Sonne getrocknet – genau solche Trocken-Teppiche sieht man hier ständig. Anschließend geht die getrocknete Ware in die Verarbeitungsanlage in Musanze, wo das Pyrethrin extrahiert wird. Von dort aus wird das Konzentrat exportiert – vor allem in die USA, nach Europa und Asien, wo es zu biologisch abbaubaren Insektiziden verarbeitet wird: Mückensprays, Fliegenschutz, auch Mittel für Haustiere. Ein kleinerer Teil bleibt im Land und wird direkt zu lokalen Insektensprays verarbeitet. Der Clou an Pyrethrin: Es wirkt zuverlässig gegen Insekten, ist aber für Menschen und Säugetiere kaum giftig und zerfällt durch Sonnenlicht schnell wieder – deshalb ist die Nachfrage aus dem "Bio"-Segment stetig gewachsen.
Und wie kommt das alles von den Feldern weg? Genau hier kommt das Fahrrad ins Spiel – für viele Kleinbauern das einzige Transportmittel, das sie besitzen. Beladen mit riesigen Säcken voller Kartoffeln, Getreide oder getrockneten Blüten, oft zu zweit oder dritt geschoben, geht es über staubige Pisten zu den nächsten Sammelstellen oder kleinen Dorfmärkten. Von dort übernehmen dann Kleinbusse und Lkw den Weitertransport in die größeren Städte – meist Richtung Kigali, wo die Waren entweder auf den großen Märkten landen oder für den Export weiter zum Flughafen oder über die Straße Richtung Hafen von Mombasa in Kenia gebracht werden. Ein einfaches, aber beeindruckend gut eingespieltes System: von der Vulkanerde über das Fahrrad bis auf den Weltmarkt.Read more





































Traveler
..so transportiert man also Pflastersteine
TravelerAlles sehr spannend. Tolle Einblicke und wunderbare Fotos.