• Ruanda

    September 17 in Rwanda ⋅ ☁️ 28 °C

    Angekommen in Kigali, war die erste Überraschung, wie modern und aufgeräumt die Stadt wirkt: breite Straßen, die sich über die berühmten tausend Hügel Ruandas ziehen, überall Taxi-Mopeds im Verkehr, dazwischen ganz normale Autos. Eine saubere, dichte Stadt. Fahrräder sind innerorts als Transportmittel verboten – das fällt einem erst auf, wenn man merkt, wie anders es draußen wird.

    Kaum verlässt man die Stadtgrenze, ändert sich die Welt komplett. Der Transport verlagert sich fast vollständig auf menschliche Kraft: Frauen tragen Wasserkanister, Feuerholz und riesige Säcke auf dem Kopf, Männer bewegen mit dem Fahrrad Lasten, die kaum zu glauben sind. Auf den Feldern wird mit den einfachsten Mitteln gearbeitet – kein einziges landwirtschaftliches Gerät habe ich in der ganzen Zeit gesehen, nur Hacke und Hände. Dabei wirkt der Boden erstaunlich fruchtbar, mehrere Ernten im Jahr scheinen hier möglich zu sein. Die Landwirtschaft trägt tatsächlich rund ein Drittel zur ruandischen Wirtschaftsleistung bei und beschäftigt etwa 70 Prozent der Bevölkerung.

    Was mir auf der Fahrt besonders aufgefallen ist: die schiere Menge an Kindern. Morgens waren sie zu Hunderten auf dem Weg zur Schule zu sehen, tagsüber aber auch immer wieder auf den Feldern bei der Arbeit. Das passt zu den Zahlen: Ruanda hat eine der jüngsten Bevölkerungen der Welt, mit einem Medianalter von rund 20 Jahren und einer Fruchtbarkeitsrate von etwa 3,6 Kindern pro Frau. Fast 37 bis 39 Prozent der Bevölkerung sind unter 15 Jahre alt – die Alterspyramide ist entsprechend extrem breit an der Basis. Zwar werden fast alle Kinder eingeschult, aber weniger als die Hälfte schließt die Grundschule tatsächlich ab; Armut und Kinderarbeit auf den Feldern der Familien gehören zu den Hauptgründen dafür.

    Überrascht hat mich, wie wenig Englisch die Kinder sprachen – meist nur einzelne Wörter. Dabei ist Englisch seit 2008/2009 offiziell die Unterrichtssprache an ruandischen Schulen, nachdem zuvor Französisch dominierte. In der Praxis hapert es aber gewaltig an der Umsetzung: Nur ein Bruchteil der Grundschullehrer beherrscht Englisch selbst gut genug, um darin zu unterrichten, und im Alltag sprechen ohnehin fast alle Ruander Kinyarwanda – laut Regierungsangaben sprechen nur rund 4 Prozent der Bevölkerung Englisch und 8 Prozent Französisch als Zweitsprache. Für die Kinder auf dem Land, die außerhalb der Schule kaum Kontakt zu Englisch haben, bleibt es entsprechend eine Fremdsprache, die sie bestenfalls bruchstückhaft beherrschen.

    Der Transport spiegelt letztlich die ganze Gesellschaft: wie einfach die Menschen hier leben, aber auch, wie jung, wie ländlich und wie sehr im Umbruch begriffen dieses Land noch ist. Mit wachsendem Wohlstand wird sich vieles ändern – Lastwagen werden kommen, Maschinen werden Handarbeit ersetzen, Schulen werden sich weiterentwickeln müssen. Ruanda war für mich trotzdem ein absolut positives, wunderschönes Reiseland – aber eines, das noch einen langen Weg der Entwicklung vor sich hat.
    Read more