Viktoriasee
September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 20 °C
In Uganda sind wir mitten in der Nacht angekommen, der Flug ist gut gelaufen. Am Flughafen hat uns Keke, unser neuer Guide, schon erwartet und uns direkt ins Hotel gebracht – praktischerweise nur wenige Minuten entfernt. Ab jetzt werden wir mit einem Landrover Oltimer unterwegs sein. Ich würde sagen 30 Jahre ist das Teil schon alt. Anlassen ist eine kleine Kunst und kann wegen der schwachen Batterie schon mal länger dauern.
Am nächsten Morgen dann der erste große Moment: Sonnenaufgang direkt am Viktoriasee, mit hohen Palmen, die fast bis ins Wasser wachsen. Das Hotelgelände ist zum See hin etwas abgesperrt, ein paar Tore mussten wir aufschließen, aber dann standen wir am Ufer und hatten diesen riesigen, ruhigen See vor uns. Abends hätten wir am hoteleigenen Pool zwischen den Palmen genauso gut den Tag ausklingen lassen können.
Für den Vormittag hatten wir eine Bootstour auf dem Viktoriasee geplant. Elias war leider nicht ganz fit, also bin ich alleine losgezogen. Und der See ist wirklich kein Klacks: Mit rund 68.800 Quadratkilometern ist er der größte See Afrikas und nach dem Oberen See in Nordamerika der zweitgrößte Süßwassersee der Erde – ungefähr so groß wie Bayern. Er liegt in einer flachen Senke zwischen den beiden Armen des Ostafrikanischen Grabenbruchs, auf rund 1.100 Metern Höhe, und wird von drei Ländern geteilt: Kenia, Tansania und Uganda. Sein Wasser bekommt er vor allem aus Regen – erstaunlicherweise stammt der größte Teil direkt aus Niederschlag, der auf die Seeoberfläche selbst fällt – und aus Zuflüssen wie dem Kagera-Fluss, der aus Ruanda und Burundi herunterkommt. Der einzige nennenswerte Abfluss ist der Weiße Nil, der bei Jinja in Uganda den See verlässt und von dort aus als Victoria-Nil seine lange Reise Richtung Mittelmeer beginnt, über den Sudan und Ägypten. Die einheimischen Baganda nennen den See übrigens Nalubaale, "Heimat des Geistes".
Für die Menschen ringsum ist der See überlebenswichtig: Über 30 Millionen Menschen leben an seinen Ufern und hängen direkt oder indirekt von ihm ab – als Trinkwasserquelle, für Bewässerung, Wasserkraft und vor allem als Fischgrund. Genau das habe ich auf dem Wasser auch hautnah erlebt: Fischer, die knietief im flachen Wasser standen und geduldig ihre Netze auswarfen und wieder einholten, andere, die mit einfachen, oft kräftig rot und schwarz bemalten Holzkanus unterwegs waren und die Netze im Vorbeifahren auslegten. Diese traditionelle Fischerei prägt bis heute das Bild am See, obwohl er mit über 200 Fischarten – der bekannteste ist der Nilbarsch – längst auch eine riesige kommerzielle Bedeutung hat und die Lebensgrundlage für Millionen Menschen in der Region bildet, wirtschaftlich einer der wichtigsten Sektoren Ostafrikas überhaupt.Read more
















