• Schuhschnabel-Safari

    September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 22 °C

    Nach der ersten Bootstour über die Bucht des Viktoriasees stand ein zweites Highlight an: eine Schuhschnabel-Safari. Zuerst ging es mit dem Motorboot über die Bucht, dann direkt an den Rand der Papyrus-Sümpfe – vermutlich Ausläufer der berühmten Mabamba-Sümpfe am Viktoriasee, einem der bekanntesten Vogelparadiese Ostafrikas. Schon auf der Fahrt dorthin gab es kaum eine ruhige Minute für die Kamera: ein Malachiteisvogel in leuchtendem Blau-Orange, der auf einem Papyrushalm saß, ein Graufischer mit seinem markanten schwarz-weißen Gefieder, ein kleiner Bienenfresser mit grünem Rücken und gelber Kehle, ein knallgelber Webervogel und sogar ein Langzehenkiebitz mit auffällig roten Augen und pinkfarbenen Beinen, der zwischen den Seerosenblättern balancierte.

    In einem kleinen Dorf am Sumpfrand haben wir dann das Boot gewechselt – gegen ein flacheres Kanu, mit dem man tiefer in die Sümpfe vordringen kann, dazu einen neuen, ortskundigen Guide, der uns mit einer Stange lautlos durchs dichte Papyrusgras stakte. Und dann, nach einer Weile konzentrierter Suche, stand er plötzlich da: ein Schuhschnabel, nur sieben, acht Meter entfernt, völlig regungslos. Dieser Vogel ist wirklich ein Ausnahmetier – bis zu 1,20 Meter groß, mit einem riesigen, schuhförmigen Schnabel, mit dem er blitzschnell nach Fischen, Schlangen oder sogar kleinen Krokodilen schnappt. Genetisch steht er übrigens den Pelikanen näher als den Störchen, auch wenn er auf den ersten Blick wie ein Verwandter von ihnen wirkt. Weltweit gibt es schätzungsweise nur noch 5.000 bis 8.000 Exemplare, als "gefährdet" eingestuft – umso beeindruckender, einem so nah gegenüberzustehen. Nach einigen Minuten des stillen Beobachtens und vielen Fotos ist er dann einfach abgehoben, was bei so einem wuchtigen Körper fast unwirklich aussah.

    Kurz danach sind wir noch zu einem Nest mit einem Küken gefahren – und das war fast das Erstaunlichste an dem ganzen Ausflug. Schuhschnäbel legen nur zwei, manchmal drei Eier, von denen meist nur ein einziges Küken überlebt, weil die Elterntiere sich stark auf den kräftigsten Nachwuchs konzentrieren. Dafür wachsen die Jungen unglaublich schnell: Nach nur wenigen Wochen war dieses Küken schon fast so groß wie ein ausgewachsener Vogel, konnte aber noch nicht richtig stehen und wurde von den Eltern fleißig mit Fisch gefüttert. Ein flauschiges, fast prähistorisch wirkendes Etwas mit erstaunlichem Gefieder.

    Die Guides waren dabei angenehm zurückhaltend, nie aufdringlich, haben aber alles genau erklärt, wenn man nachgefragt hat – und die Ruhe in den Sümpfen, nur unterbrochen vom gelegentlichen Vogelruf, war selbst schon die Fahrt wert. Über den Viktoriasee ging es dann zurück, ich habe Elias wieder eingesammelt, und gemeinsam sind wir weiter Richtung Jinja gefahren. Ein wirklich wunderschöner Vormittag.
    Read more