Nilbrücke
September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 27 °C
Auf dem Weg nach Jinja sind wir gleich zweimal über die neue Nilbrücke gefahren, einmal hin und einmal wieder zurück, und beide Male im Abendlicht, mit orangefarbenem Himmel über den Hügeln. Die Brücke ist wirklich beeindruckend: eine Schrägseilbrücke mit zwei markanten, y-förmigen Pylonen, die sich über 500 Meter über den Nil spannt, ausgestattet mit dutzenden weißen Seilen, die abends sogar beleuchtet werden. Offiziell heißt sie "Source of the Nile Bridge", weil sie ganz in der Nähe der Stelle liegt, an der der Nil aus dem Viktoriasee entspringt.
Die Geschichte dahinter fanden wir richtig spannend. Die erste Brücke über den Nil bei Jinja gab es schon 1931 – davor musste man mit einer Fähre übersetzen. Gebaut wurde sie, weil die Eisenbahnlinie von Kenia nach Uganda weiter nach Kampala verlängert werden sollte und dafür eine feste Nilquerung nötig war. 1954 kam dann der nächste große Einschnitt: Die Briten errichteten bei Jinja den Owen-Falls-Staudamm (heute Nalubaale-Damm), eingeweiht von Königin Elisabeth II. persönlich. Der Damm ließ die berühmten Ripon-Fälle im Fluss verschwinden, lieferte aber fortan Strom für weite Teile Ugandas und sogar Kenias – und diente gleichzeitig als Straßenbrücke über den Nil, jahrzehntelang die einzige feste Verbindung an dieser Stelle.
Diese alte Damm-Brücke wurde aber mit der Zeit zum echten Nadelöhr: Sie war die einzige direkte Straßenverbindung zwischen der kenianischen Grenze und Kampala, also die zentrale Handelsroute des Landes – und nach über 60 Jahren Nutzung zunehmend marode. Deshalb wurde ab 2014 die neue Brücke gebaut, komplett von Japan finanziert, mit umgerechnet etwa 82 Millionen Dollar, und 2018 eröffnet. Über 800 Menschen haben daran gearbeitet, die allermeisten davon Ugander. Die alte Brücke auf dem Staudamm gibt es übrigens immer noch, sie wird heute nur noch von Fußgängern, Motorrädern und Fahrrädern genutzt.
Für uns war die Fahrt über die neue Brücke jedenfalls ein echtes Postkartenmotiv: die schnurgerade, fast leere Straße, die imposanten Pylonen im Gegenlicht der untergehenden Sonne, und im Hintergrund die grünen Hügel rund um Jinja. Gleichzeitig war spürbar, wie wichtig diese Verbindung für das Land ist – hier läuft praktisch der gesamte Warenverkehr zwischen Uganda und Kenia durch.Read more














