• Der Nil

    September 18 in Uganda ⋅ ☁️ 26 °C

    In Jinja angekommen, haben wir uns gleich eine weitere kleine Bootstour gegönnt, diesmal direkt auf dem Nil beziehungsweise an der Stelle, wo er aus dem Viktoriasee heraustritt. Zuerst ging es gemütlich an bewaldeten Ufern entlang, mit unglaublich viel Vogelleben – wir haben wohl gefühlt tausend Fotos gemacht, so schön war das Licht am späten Nachmittag, mit imposanten Wolkentürmen, die sich im spiegelglatten Wasser verdoppelten. Dann kam plötzlich Strömung ins Spiel, das Boot wurde unruhiger, und um eine Flussbiegung herum stand da ein Schild: "The Source of River Nile". Genau hier verlässt der Nil den Viktoriasee.

    Ich muss zugeben, mir war das vorher gar nicht so bewusst: Ich dachte immer, ein Fluss braucht eine klassische Quelle, einen einzelnen Ursprungspunkt irgendwo in den Bergen. Beim Nil ist das anders. Da der Viktoriasee selbst keinen einzigen großen Zufluss hat, sondern hauptsächlich durch Regen und viele kleine Flüsse gespeist wird, gilt genau diese Stelle bei Jinja, wo das Wasser den See wieder verlässt, offiziell als Beginn des Nils. Entdeckt und identifiziert wurde sie 1862 vom britischen Forscher John Hanning Speke, der jahrelang nach dem Ursprung des Flusses gesucht hatte – einem der großen Rätsel der viktorianischen Entdeckungsreisen. Von hier aus tritt der Nil seine gewaltige Reise an: über rund 6.650 Kilometer durch zehn Länder bis ins Mittelmeer, was ihn zum längsten Fluss der Erde macht (auch wenn manche Geografen inzwischen dem Amazonas diesen Titel streitig machen). Als Victoria-Nil fließt er zunächst durch Uganda, unter anderem über die berühmten Murchison Falls, wo sich die gesamte Wassermasse durch eine gerade einmal sieben Meter breite Felsspalte zwängt, bevor er weiter in den Sudan und schließlich nach Ägypten strömt.

    Kurz nach der Quelle sind wir dann in unserer Lodge angekommen, direkt am Fluss gelegen, mit Blick auf tosende Stromschnellen fast schon Wasserfall-Charakter – ein Vorgeschmack auf die berühmten Bujagali-Stromschnellen etwas weiter flussabwärts, die heute zu den beliebtesten Wildwasser-Spots Ostafrikas zählen. Jetzt sitzen wir auf der Terrasse, vor uns der rauschende Nil, ein kühles Nile Special in der Hand (passenderweise "True Reward from the Source" auf dem Etikett) – ehrlich gesagt ein ziemlich perfekter Moment, um diesen Tag ausklingen zu lassen.
    Read more