• Beinbruch - aber es geht weiter

    May 29 in Germany ⋅ ☁️ 29 °C

    29.05.26:
    Von Herchen nach Eitorf

    Der Campingplatz Happach ist super. Das hatte ich schon geschrieben. Er hat aber einen Nachteil: Er wird durch eine Eisenbahnlinie zweigeteilt. Und auf einer Eisenbahnlinie fahren nun mal Züge. Auch nachts. Und 50 m Abstand sind nicht so viel. Es wird daher manchmal sehr laut. Aber sonst ist es toll hier. Vor allem, weil mein Zelt nachmittags schön im Schatten steht.

    Ich frühstücke und ziehe mir einen Kaffee aus dem Automaten. Ist ganz okay. Der Bus zum Bahnhof hat etwas Verspätung und ist vollgepackt mit Schülern. Aber die müssen mich aushalten. Dann geht's mit dem Zug zurück nach Herchen.

    Ich möchte denselben Weg zum Trail gehen, den ich gestern gekommen bin. Da werde ich aber von einer Dame , die gerade mit dem Auto losfahren will, zurückgepfiffen. Dies sei ein Privatweg, wie man sehen könnte. Ich müsste wieder runter und an anderer Stelle wieder rauf. Schade um die Höhenmeter.

    Aber: Ich bin ja mit leichtem Gepäck unterwegs, weil der größte Teil meiner Ausrüstung auf dem Zeltplatz steht. 😊 Es ist sehr angenehm, so zu wandern. Ich wusste gar nicht mehr, wie sich das anfühlt.

    Diesen Vorteil weiß ich umso mehr zu schätzen, als heute wieder Temperaturen über 30° herrschen und der Weg auch viele Sonnenseiten hat.

    In einem Hofladen, der ziemlich abgelegen ist, in dem aber der Bär los ist, kaufe ich mir zwei Äpfel und eine überteuerte Packung Kekse, weil ich Bock drauf hatte.

    Ich komme am Thingplatz von Herchen vorbei, ein theaterähnlicher Versammlungsort, den die Nazis zur Verbreitung ihrer Propaganda gebaut haben. "Als Deutscher geboren, als Kämpfer gelebt, als Held gestorben, als Volk auferstanden". So die Inschrift.

    Wenig später das Desaster: Als ich in gebückter Haltung Wasser aus einem Bach filtere und aufstehe, höre ich das Knacken von Carbon. Bin ich doch auf meinen Trekkingstock getreten. Ich habe sozusagen einen Beinbruch erlitten. Wäre ich nicht gerade in einer Lebensphase voller Gelassenheit, wäre das ein Schockmoment. Denn heute habe ich nur leichtes Gepäck. Und der Rheinsteig kommt erst noch. Aber ich esse erst einmal einen Apfel und sehe mir das Ganze anschließend an. Die Bruchstelle ist dort, wo zwei Stockteile zusammengesteckt werden. Der Stock lässt sich wieder richten. Mit Leukosilk verbinde ich ihn notdürftig, so dass er wieder einsatzfähig ist. Allerdings sind hohe Belastungen zu vermeiden.

    Ich erreiche den NST-Halfwaypoint, eine schöne Schutzhütte mit einem Bettgestell davor. Das Kopfteil hat die Aufschrift: Gute Nacht
    9 Stunden später hätte ich mein Nachtlager hier aufgeschlagen. Aber nicht jetzt bei der Mittagshitze.

    200 Meter weiter kommt mir eine Wanderin mit leichtem Gepäck entgegen. Wir grüßen, gehen aneinander vorbei und dann höre ich einen Ruf: " Halt! ". Es ist Woma. Sie hat mich anhand meines NST-Hangtags identifiziert. Sie war vor vier Tagen am Haldenwanger Eck und hatte den NST in fünf Jahren fast vervollständigt. Es fehlte ihr aus bestimmten Gründen aber noch ein teilstück von 1,5 km. Das holt sie gerade nach. Und so kurz vor dem Ziel begegnen wir uns.

    In Eitorf mache ich einen Abstecher und schicke ein paar Sachen, die ich nicht mehr brauche, zurück nach Hause. Ich gönne mir noch eine
    Eisschokolade und gehe noch was einkaufen.

    Auf dem Campingplatz gibt's kalte Küche und ein Bier. Dann zieht ein Gewitter auf und ich schaffe es gerade noch, mein Mahl zu beenden und das Zelt regenfest zu machen. Ich krieche ins Zelt und dann geht der Regen los. Ich finde das ja sehr gemütlich. In einer Regenpause kann ich mir dann im 100m entfernten Waschhaus die Zähne putzen. Auf dem Rückweg fängt es an zu tröpfeln und ich schaffe es gerade noch, ins Zelt zu kommen bevor der Regen noch mal richtig trommelt. Gemütlich. 🌛
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