Hier ist was los!
3. juni, Tyskland ⋅ ☁️ 19 °C
03.06.26
Von Bonn bis Bad Honnef
Um 6:45 Uhr bin ich der erste beim Frühstück. Anschließend noch mal kurz rauf aufs Zimmer, dann auschecken und noch mal eben einen Bäcker suchen, bevor der Bus kommt. Ich finde aber nur einen türkischen Bäcker, der nicht so richtig was für mich im Angebot hat. Ich kaufe einen Brotkringel, den ich in einer Plastiktüte bekomme. Warum muss man auch immer Papier verwenden?
Ich fahre mit dem Bus an den Stadtrand und mache mich auf zum Foveaux-Häuschen, dem Startpunkt des Rheinsteigs. Allerdings ist der Weg wegen Treppenschäden gesperrt. Es wird eine Umleitung von 500 m beschrieben. Das geht ja gut los. Kurze Zeit später bin ich am Häuschen.
Das Wetter kann sich nicht entscheiden. Immer wieder fängt es leicht an zu regnen, aber auch nicht richtig. Ich vermeide es, die Regenklamotten anzuziehen und habe immer Glück, dass das Blätterdach der Bäume oder eine Hütte mir Schutz bietet. In einer Hütte kommen drei Tageswanderer hinzu. Eine Frau berichtet, dass der Rheinsteig wohl an einer Stelle gesperrt sein, weil er durch einen Erdrutsch o. ä. unpassierbar sei. Das hätte heute in der Zeitung gestanden. Na gut, kann ja auch hinter Bingen passiert sein. Dann interessiert's mich nicht. Ich werde es wohl irgendwann erfahren und dann gucken, was zu tun ist. Eine andere Frau kennt sich auf dem Rheinsteig gut aus und gibt mir Tipps, wie ich schwierige Passagen rund um Schallenberg umgehen könnte, weil die Wege bei Nässe mit schwerem Rucksack gefährlich sein könnten. Aber hallo! Da würde ich ja Abkürzungen gehen. Das geht ja gar nicht. Im Übrigen soll die Originalroute sowieso wilder und schöner sein.
Ein Quartier für die Nacht habe ich noch nicht. Es gibt da aber eine Hütte, die sehr schön sein soll, aber noch im Naturschutzgebiet liegt. Fast das ganze Siebengebirge steht am Rhein entlang unter Naturschutz. Aber die Hütte geht mir nicht aus dem Kopf.
Am Wegesrand liegt eine leere 0,5 Liter Wasserflasche. Einfach weggeworfen. Im Naturschutzgebiet. Ich hebe sie auf und klemme sie hinter meinen Brustgurt. Danach sammle ich auch noch ein paar andere Müllteile ein und stecke sie in die Plastiktüte vom türkischen Bäcker. So erfüllt sie doch noch einen guten Zweck. Ich tue also gerade was Gutes für die Natur. Rechtfertigt das nicht vielleicht...
Im Schloss Drachenburg besichtige ich nur den Eingang. Die Muße für eine längere Besichtigung habe ich nicht. Auf dem Drachenfels meine ich mir etwas verdient zu haben und bestelle mir gleich zwei Stücke Kuchen und einen Kaffee. Wenn ich mich vorher nach den Preisen erkundigt hätte, hätte auch ein halbes Stück Kuchen gereicht. Aber ich kann ihn bei einer unglaublich Aussicht genießen.
Egal, ich habe ja noch was in Bad Honnef zu erledigen. Am Ulanendenkmal verlasse ich den Trail und gehe in die Stadt. Sofort als ich reinkomme, sehe ich ein Weinlokal mit Hotelbetrieb. Das könnte ein Zeichen sein. Aber ich gehe nicht drauf ein. Zunächst fahre ich mit dem Bus weiter in die Stadt und kaufe mir neue Trekkingstöcke. Meinen kaputten Stock kann ich zur Entsorgung im Geschäft lassen. Den anderen schicke ich mit der Post nach Hause. Wer weiß, wozu man ihn noch mal braucht?
Anschließend beschreibt mir eine junge Frau, die ich nach dem Weg zum Netto frage, wahrscheinlich alle Restaurants in Bad Honnef. Ich möchte aber trailnah essen und fahre mit dem Bus wieder zurück. Nach dem kurzen Essen in einem etwas edleren Lokal, wo ich mit meinem Rucksack und meinem Outfit etwas mehr auffalle, geht es um 19:30 Uhr wieder auf den Trail. Ich brauche ja noch ein Dach über dem Kopf. Während ich den Weg so hochstapfe, wundere ich mich, was hier noch los ist. Nicht nur Hundehalter, sondern auch viele Jogger treffe ich. Alles gute Läufer. Ist ja auch logisch. Bei diesem Höhenprofil sind keine Laufanfänger unterwegs. Der Weg geht stetig bergauf und ist teilweise sehr matschig. Es regnet auch wieder. Ich rüste jetzt doch mit Regenjacke und Rock auf. Zumindest sind dann bei dem Wetter nicht mehr so viele Leute unterwegs. Ich sollte mich täuschen.
An der von mir auserkorenen Hütte breite ich meine Sachen aus, stelle dann aber fest, dass die Bank zu schmal für meine Luftmatratze ist. Dann muss ich es mir eben auf dem Boden bequem machen. Da es aber ein Schotterboden ist, baue ich doch lieber mein Innenzelt auf.
Um 22 Uhr ziehe ich mich um und will gerade in mein Zelt kriechen, da höre ich laute Stimmen. Die kommen näher. Und ich nehme Lichtscheine war. "Hier ist noch 'ne Hütte! " "Die nehmen wir! ""Pause! " Vier junge Männer, oder vielleicht sogar noch Jugendliche (es ist schon zu dunkel um die Gesichter zu erkennen) erscheinen und sind über meine Anwesenheit etwas überrascht. Sie fragen, ob sie sich dazu setzen können. Natürlich. Sie sind heute um 19 Uhr aufgebrochen und wollen noch zum Drachenfels. Sie waren mit Wein und Sekt gestartet. Der Wein hat es aber nur bis Rhöndorf geschafft. Ist ja auch schlau. Gewichtsreduzierung erleichtert das Wandern. Es ist eine nette Unterhaltung. Mit meinem Vorhaben habe ich ihre vollste Anerkennung. Ist doch schön, wenn man junge Leute noch beeindrucken kann. Irgendwann ziehen sie weiter und ich krieche in mein Zelt. Nach 10 Minuten sind sie aber noch mal kurz da, um einen Becher zu suchen, den sie verloren haben. Dann verschwinden sie endgültig.
Es fängt noch einmal heftig an zu regnen. Es ist toll!Læs mere










