• Schwein gehabt!

    5. juni, Tyskland ⋅ ☁️ 18 °C

    05.06.26
    Von ca. Erpel bis Leutesdorf

    Heute morgen um 5 Uhr aufgestanden und sofort das Zelt in der Hütte abgebaut. Gefrühstückt wird nicht. Ich muss erstmal warm werden.
    In einem Waldstück sehe ich auf einmal ein paar kleine Wildschweine, die weglaufen. Meine ich zunächst. Aber sie laufen nicht weg. Sie laufen nur ein bisschen weiter und suchen dann weiter Futter. Und dann sehe ich mindestens 20 Frischlinge. Sie spielen miteinander, jagen sich gegenseitig, wühlen im Waldboden und kommen mir schon wieder näher. Sie lassen sich durch meine Anwesenheit gar nicht stören. Sie bemerken das "Kunstwerk" 😉 gar nicht. Es ist eine unglaublich faszinierende Situation. Ich schaue erst nur zu und kann dann noch Fotos zwei Videos aufnehmen. Irgendwann gibt doch irgendeines von den Kleinen das Signal für Gefahr. Und alle stürmen davon. Zuletzt auch eine Bache, nachdem sie sich überzeugt hat, dass alle in Sicherheit sind. Dieses Erlebnis verfolgt mich den Rest des Tages.
    In Linz suche ich eine Bäckerei und frage eine Frau, die mit ihrem Kind unterwegs ist. Sie sagt gleich, dass sie sich nicht auskenne. Ich frage also Herrn Google und finde ein Kaffeehaus mit Bäckerei. Und da sitzt diese eben Frau mit ihrem Kind. War das Absicht? Eigentlich war sie ganz nett.
    Entgegen dem Vorsatz: "Vor dem Stuhlgang, nach dem Essen, Händewaschen nicht vergessen. " suche ich erstmal den Sanitärbereich, um mir die Hände zu waschen. Ich wundere mich über die Konsistenz der Seife aus dem Spender. Beim Waschen fühlt sich das Ganze auch ein bisschen komisch an. Ich stelle dann fest, dass es sich bei dem Spenderinhalt um Körpermilch handelt. Sachen gibt's!
    Beim Frühstück beschäftige ich mich mit der heutigen Tour. Ich frage beim Campingplatz in Leutesdorf an und erhalte die Auskunft, dass man noch bis 22 Uhr einchecken könnte. Dann brauche ich mich ja nicht zu beeilen. Aber: Der Platz hat ein Restaurant, wo es Fassbier und Wein gibt. Die Küche schließt aber um 19:30 Uhr. Das heißt: Ich bin so ein bisschen unter Druck. Zeitdruck. Am besten gefallen mir ja die Touren, bei denen ich nachmittags noch nicht weiß, wo ich abends schlafen werde. Wenn ich mir erstmal irgendwas gebucht habe, entsteht Druck. Jetzt habe ich noch nichts gebucht, aber ich möchte unbedingt in diesem Restaurant essen und einen schönen Wein oder ein Bier vom Fass trinken. Oder vielleicht auch zwei. Es besteht ein gewisser Druck. Und es sind über 30 km bis dorthin.
    Der Weg führt viel am Rhein entlang. Schöne Ausblicke und nur mäßige Anstiege. Das Ganze bei bestem Wetter. Bis irgendwann doch dunkle Wolken aufziehen. Und irgendwann fängt es dann auch an zu regnen. Als die ersten Tropfen fallen, hoffe ich noch ein nahes Waldstück zu erreichen. Doch die Tropfen werden mehr und dicker. So begnüge ich mich erstmal mit einem Baum. Der Regen wird stärker. Und der Baum hat oben Löcher. Ich suche nach meiner Regenjacke und es kommt Wind auf. Und zwar richtiger Wind, der mir das Anziehen der Jacke und der Rocks erschwert. Bis ich sie anhabe, bin ich innen und außen nass.
    Trotz des Zeitdrucks muss ich am Schloss Arenfels einen Kaffee und natürlich einen Kuchen essen. So viel Zeit muss sein. Es ist gerade Brückentag. Demnächst ist wieder Montag. Und dann hat nichts mehr auf.
    Der Regen hört auf. Die Sonne scheint. Es wird warm. Marscherleichterung. Weg mit Jacke und Rock.
    Ich mache jetzt gar keine Sitzpausen mehr. Ich möchte heute Abend was Vernünftiges essen und was trinken. Während die Strecke bislang nur leichte Anstiege aufwies, wird es beim Aufstieg zur Rheinbrohler Ley noch einmal heftig. Auch hier verzichte ich auf eine Sitzpazuse und schaue einfach nur mal. Der Weg runter führt durch manchmal schulterhohes Gras und durch sehr schöne Waldstücke. Doch es fängt wieder an zu regnen. Ich rüste wieder auf an Regenklamotten. Und schauere mich unter einem Baum. Doch das kann noch dauern. Also ziehe ich trotzdem los. Und der Regen hört auf. Und die Sonne scheint. Und es wird warm.
    Als ich unten in Hammerstein bin, denke ich, es könne ja nicht mehr viel passieren. Aber dann führt der Weg wieder in den Wald. Und es geht steil nach oben. Und immer weiter nach oben. Und immer wenn man denkt, jetzt hat man den Höhepunkt erreicht, geht es doch noch weiter nach oben. In dieser Phase habe ich die Macher des Rheinsteigs verflucht und übelst beschimpft. Dafür möchte ich mich jetzt entschuldigen. Aber es war einfach ätzend. Ich wollte rechtzeitig ins Restaurant.
    Und irgendwann war ich dann auf dem Campingplatz. Die Zeltwiese war schon sehr eingegrenzt. Zum ersten Mal musste ich mir einen Platz zwischen mehreren Einzelzelten suchen. Aber ich habe einen gefunden und ganz schnell geduscht und ganz schnell das Restaurant aufgesucht. Schnitzel, schweizerische Art, mit Speck Zwiebeln und Käse überbacken. Dazu Grauburgunder. Mir geht's gut.
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