Spontantag
6. juni, Tyskland ⋅ ☁️ 20 °C
06.06.26
Von Leutesdorf nach Rengsdorf
Morgens um 6 Uhr bin ich der Erste auf der Zeltwiese, der mit seinen Reißverschlüssen seine Nachbarn aus dem Schlaf holt . Wahrscheinlich . Ein paar Bikepacker folgen. Ich verstaue das nasse Zelt in einer Mülltüte im Rucksack und ziehe ohne Frühstück los . Wie zu erwarten war, führte Weg nach einer Weile steil nach oben . Es ist noch neblig . Die Ausblicke auf den Rhein müssen sich gedulden . An einer Hütte im Nebel hole ich dann mein Frühstück nach. Es wird dann etwas seichter und ich komme an dem Gedenkkreuz für Radusel vorbei , einen Thru-Hiker, der 2021 mit 34 Jahren auf dem NST an dieser Stelle gestorben ist. Obwohl ich ihn nicht gekannt habe und auch die näheren Umstände bei seines Todes nicht kenne , berührt mich das noch eine Weile.
Dann muss ich mich entscheiden. An einem Abzweig kann ich wählen zwischen einer Kletterpassage und einer alternativen, einfachen Route. Normalerweise würde ich nicht darüber nachdenken. Aber mein Rucksackgewicht gibt mir zu denken. Aber irgendwann kommen schwierige Abschnitte, wo es keine Alternativen gibt. Also wähle ich das Klettern. Ich muss nach unten klettern. Ein Drahtseil gibt Hilfe. Es ist eigentlich gar nicht der Rede wert. Aber ich tue mich ziemlich schwer. So ein Problem hatte ich gestern auch schon, als ich unter einem querliegenden Baum fast kriechen musste. Nun gut! Das war zumindest ein Vorgeschmack.
An der Edmund-Hütte genieße ich den Ausblick auf Leutesdorf und Andernach. Die Häuser sehen aus wie Spielzeug. Und durch die Eisenbahn wirkt das Ganze wie im Miniatur-Wunderland.
Als ich später an einem anderen Aussichtspunkt mein Zelt trockne, muss ich jedes Mal nach unten schauen, wenn ein Zug durch die Stadt fährt. Wohnen möchte ich da nicht. Aber von oben wirkt es toll.
In Wollendorf mache ich einen Abstecher zu einem Dönerlokal und kaufe mir auf dem Rückweg noch ein leckeres Eis.
Unterwegs stoße ich auf ein Paar aus Stuttgart, die ebenfalls den Rheinsteig wandern. Allerdings Wochenende für Wochenende zwei Etappen. Wir gehen 2 km zusammen bis ich nach einem Anstieg wieder mal eine Pause brauche.
Heute ist wieder Spontantag. Das heißt, ich weiß am Nachmittag noch nicht, wo ich schlafen werde. In jedem Fall muss ich noch zum Rewe in Rengsdorf, weil morgen Sonntag ist. Ist noch eine Weile hin. Bei Wanderfreund entdecke ich im Stadtplan von Rengsdorf eine Pension "Wolke 7 ". Ich rufe dort ohne Erfolg an und schreibe eine Mail über das Kontaktformular. Aber nichts passiert. Ich sondiere die Hütten, die demnächst auf meinem Weg liegen. Da könnte was bei sein. Aber auch nicht so richtig. Es ist Wochenende und so manche Hütte könnte auch von der Dorfjugend besetzt sein.
Ich kaufe beim Rewe ein und begebe mich zurück auf den Trail. Gegen 20 Uhr meldet sich dann doch jemand von der Pension. Sie machen es trotz der Kurzfristigkeit noch möglich und machen mir ein Zimmer fertig. Die Navigation über Google war dann ein Desaster. Irgendwie wusste Google auch nicht wie es mich leiten sollte. Es führte mich zurück in den Wald, wo Google sich überhaupt nicht auskennt. Und natürlich ging es immer bergauf. Aber irgendwann bin ich doch angekommen. Und ich bin doch ein bisschen froh, nicht in einer Hütte übernachten zu müssen.Læs mere






