• Genesungstour

    7. juni, Tyskland ⋅ ☁️ 20 °C

    07.06.26
    Von Rengsdorf nach Sayn

    Bin gestern Abend todmüde ins Bett gefallen. Gut geschlafen, aber beim Aufwachen habe ich einen tierischen Durst. Und schlimmer: Ich verspüre ganz leichte Halsschmerzen. Das kann doch nicht sein. Auf einem Trail wird man nicht krank. Vielleicht waren die letzten beiden Tage zu viel. Vorgestern 33 und gestern 30 km. Und das bei – bei Garmin – jeweils um die 1000 Höhenmeter. Wobei das sicherlich etwas übertrieben ist. Besser ist es wohl, etwas kürzer zu treten. Ich checke mal die Strecke ab und buche mir ein Zimmer im Gästehaus der Abtei Sayn. Ca. 15 km entfernt. Das kann ich entspannt angehen. Wobei ich heute erst spät los komme. Ich chille noch eine Weile und mach mir mein Frühstück mit dem Wasserkocher auf dem Zimmer.
    Es fühlt sich an, als sei ein bisschen die Luft raus. Ich habe irgendwie gar keine Lust, jetzt wandern zu gehen. Oder womöglich noch mal im Zelt zu schlafen. Oder in einer Hütte. Oder auf einer Bank. Dabei konnte ich mir gestern morgen keine schönere Unterkunft als mein Zelt vorstellen. Ich glaube es ist gut, etwas kürzer zu treten. Ich bin ja bald in Koblenz. Da könnte ich mal wieder einen Zero-Day einlegen.
    Ich breche erst um 10 Uhr auf, und stelle fest, dass die Pension nur 130 m vom Trail entfernt liegt. Ab und zu sollte man eben ein bisschen mehr Forschungsarbeit betreiben, bevor man sich auf Google verlässt. Der Weg führt erstmal eine ganze Zeit seicht bergab. Das kommt mir in meinem Zustand ganz entgegen. Und die Höhenmeter habe ich mir gestern ja auch schwer erkämpft. Ich gehe sehr langsam und bei den Anstiegen lege ich immer wieder Guckpausen ein. Ich hätte Lust auf ein Stück Obst. Gestern hatte ich mich im Supermarkt zu entscheiden ob ein Bier oder eine Banane in den Rucksack kommt. Falsch entschieden!
    Der Weg führt ohne nennenswerte Anstiege seicht bergab durch den Wald. Die Sonne scheint durch das Blätterdach. Die Temperatur ist angenehm. In einem Biergarten trinke ich eine Apfelschorle. Nach 7 km habe ich 200 Höhenmeter verloren. Ich bin dankbar für diesen Abschnitt. Aber jetzt ist Schluss damit. Es geht links hoch, aber nicht sonderlich steil, alles moderat.
    In Heimbach gibt es eine Streckensperrung wegen drohendem Astbruch und querliegenden Bäumen. So kürze ich notgedrungen etwas ab, aber nützt ja nix.
    Ich steige hoch zur Burg Sayn und freue mich auf das Café, das sonntags auch geöffnet hat. Ein voller Parkplatz und Partymusik lassen mich Böses erahnen. Und richtig. Auf der Burg feiert eine geschlossene Gesellschaft. 😕
    Mein Zimmer im Gästehaus der Abtei ist in Ordnung. Es gibt eine kleine Küche, wo Kaffee und Tee zu freien Verfügung stehen. Dort treffe ich ein Paar aus Buxtehude, das den Rheinsteig von Koblenz nach Bonn wandert.
    Ich esse lecker im 300 m entfernten Restaurant und werde heute früh meine Koje aufsuchen. Die Halsschmerzen sind nicht stärker geworden, aber sie sind noch da. Schlaf soll ja helfen. 😴
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