• Pausenfreund

    8 czerwca, Niemcy ⋅ ☁️ 21 °C

    08.06.26
    Von Sayn nach Koblenz

    Ich bin ein Freund der Pausen. Es gibt ja viele Arten von Pausen. Zum einen Pflichtpausen wie Trinkpausen, Esspausen, Navigationspausen, Pausen um sich einzucremen, Pausen um Anti-Zeckenmittel aufzutragen, Pausen um Wasser zu filtern, Pausen um sich um die Unterkunft zu kümmern, Pausen um das Zelt zu trocknen, Pausen um die Regenjacke anzuziehen, Pausen um die Regenjacke wieder auszuziehen, Pausen um die Stöcke herauszuholen und natürlich wieder einzupacken.

    Zum anderen gibt es auch Kürpausen z. B. um die Aussicht zu genießen, um sich irgendetwas Interessantes anzugucken, um mal länger die Beine hochzulegen, um mit anderen mal zu schnacken, um mal zu gucken, wer was auf WhatsApp geschrieben hat oder um selbst mal etwas auf WhatsApp zu schreiben. Oder einen Tagebucheintrag.

    Ich kann Pausen machen. Kürzere und längere. Auch mal längere kurz nach kürzeren und umgekehrt. Ein Grund dafür, dass ich nicht so richtig schnell vorankomme,  ist nicht nur mein schwerer Rucksack, sondern auch meine Pausenaffinität. Ich kann Pausen machen. Heute besonders. 

    Heute morgen waren die Halsschmerzen noch etwas stärker geworden und ich fühlte mich ziemlich schlapp. Gibt es Grund zur Sorge? Abwarten. Da das Lokal, wo das Frühstück stattfindet, 300 m von der Abtei entfernt näher am Trail liegt, packe ich schon meine Sachen und gehe mit Sack und Pack zum Frühstück. Es gibt kein Frühstückbuffet. Der Tisch ist gedeckt. Aber es fehlt gar nichts. Vier Brötchen liegen bereit. Darunter ein Croissant. Ein echtes, großes. Kein kleines zum Aufbacken. Lachs, Tomate, Mozzarella, Falafel, Obstsalat, Orangensaft, Schinken, Käse, Marmelade, Kuchen und drei Schokoküsse. Dazu ein guter Kaffee. Das reicht für drei. Aus lauter Gewohnheit hatte ich auf Nachfrage noch ein Spiegelei mit Bacon bestellt und bekomme zwei. Hätte gar nicht Not getan. Und das Ganze für acht Euronen. Ich darf mir auch noch ein Brötchen für unterwegs mitnehmen. 

    Ich habe noch ein paar nette Unterhaltungen, unter anderem mit dem Pärchen aus Buxtehude und mit einem anderen Paar, das einen Wochenendtrip unternimmt und die Frau demnächst die Alpen überqueren wird.

    Als ich aufbreche und die ersten Schritte im Wald mache, fühle ich mich nicht nur frisch gestärkt sondern auch allgemein viel besser. Der Weg beginnt gleich mit einer langen Steigung, die ich ruhig und bedächtig angehe und gut meistere. Dabei nutze ich schon jede Sitzgelegenheit, um den Beinen etwas Ruhe zu gönnen. 

    Als es schon wieder abwärts geht, komme ich an einer liebevoll gestalteten Hütte vorbei. Mit Tisch, Sitzkissen, Bildern und etwas Dekoration. Obwohl ich die Pause nicht brauche, möchte ich an diesem schönen Platz doch etwas verweilen. Ich mache einen Eintrag in das Hüttenbuch. Da kommt eine Wanderin, der ich vorhin schon begegnet war und wir kommen ins Gespräch. Und sie fragt mich dann, ob ich nicht Lust hätte, einen Kaffee mit ihr zu trinken. Sie wohne 10 Minuten entfernt.  Sie habe zwar gerade Handwerker im Haus, weil sie eine Wärmepumpe bekäme, aber wenn ich Lust auf einen Kaffee hätte, könnte ich einen bekommen. Das kann ich natürlich nicht ausschlagen. So gehe ich 10 Minuten um von einem Pausenplatz zum nächsten zu gelangen. Wir unterhalten uns eine Weile, auch mit ihrem Mann, der dazukommt. Und dann muss ich leider wieder aufbrechen natürlich die 10 Minuten wieder zurück. Oder etwas mehr, weil es jetzt bergauf geht. 

    Ich bin also wieder auf Tour. So langsam steht aber mal eine Esspause an. Denn zu essen gab es bei der netten Dame nichts. Da läuft mir wieder eine Hütte über den Weg. Mit einem kleinen Korbsessel drin. Da kann ich nicht dran vorbei gehen. Zu gemütlich. Also sitze ich jetzt, um 14 Uhr, immer noch hier. Aber es geht mir immer besser. 

    Ich gehe weiter und höre mir währenddessen die zweite Folge des Podcasts "Zeltgespräche" über die zweiten 500 km auf dem NST an.

    45 Minuten später komme ich wieder an eine schöne Hütte. Die Gaststätte Wüstenhof mit ihrem supertollen Ausblick war ja natürlich zu. Ist ja Montag . Also kann ich zum Ausgleich diese Hütte nutzen . Nur ganz kurz. 10 Minuten werden es dann doch. 

    In Vallendar beginnen nun die Pausen, die ich nicht so gerne mag. Es fängt an zu regnen. Aber nur ganz leicht. Eigentlich zu wenig für die Regenklamotten. Angesichts meines Gesundheitszustandes sollte ich vielleicht aber doch aufrüsten. Während ich mich antüdele, hört es auf zu regnen. Oder doch nicht? Den Regenrock habe ich schon an und der Rucksack ist schon unter der Frischhaltefolie. Die Jacke bleibt erstmal aus. Rucksack auf. Losmarschieren. Jetzt wird der Regen doch etwas stärker. Wieder Pause. Regenjacke an. Weitergehen. Die Jacke bleibt von außen trocken. Nur von innen schwitze ich sie nass. Pause. Ausziehen. Weitergehen.

    Ich wandere nach Koblenz rein und genieße auf dem Gelände der Bundesgartenschau 2010 den Ausblick vom Rhein-Mosel-Blick einem aufwändig konstruierten Aussichtspunkt. Zur Festung Ehrenbreitstein geht es noch mal knackig hoch und auch wieder runter. Der Weg führt den Rhein entlang, wo ich an einem Außenlokal ein alkoholfreies Bier mit Passionsfrucht trinke. Ich wollte auf meiner Reise ja mal neue Erfahrungen sammeln.

    Dann komme ich zu meiner Ferienwohnung, die ich für zwei Tage gemietet habe, um mich morgen ein bisschen erholen zu können. Die Kochnische direkt hinter der Eingangstür ist zwar mit allen Gerätschaften ausgestattet. Nur nicht mit Platz. Auf der Herdplatte steht ein kleines Regal. Das muss da weg. Denn morgen will ich mal kochen. Und zwar gesund. Für heute Abend tut es der Wasserkocher, mit dem ich meine selbstgemachte Trekkingnahrung zubereite.

    Heute Abend gehe ich nicht mehr raus. Ich mache jetzt mal Pause.
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