Wo sind die Schluchten?
19 июня, Германия ⋅ ⛅ 30 °C
19.06.26, Freitag
Von Todtmoos nach St. Blasien
Heute morgen bin ich um 6 Uhr raus aus dem Hotel. Es wird heute wieder heiß und der Weg aus Todtmoos beginnt gleich mit 300 Höhenmetern. Die möchte ich hinter mich bringen solange es noch kühl ist. Ich nehme auch nur wenig Wasser mit, denn nach 3 km und den 300 Höhenmetern komme ich an die Wehra-Quelle. Der Weg dahin ist angenehm, die Steigung moderat und das Gefühl absoluter Zufriedenheit, das ich jeden Tag morgens habe, verstärkt sich noch je früher ich losgehe.
An der Quelle mache ich mir erstmal ein Frühstück und fülle Wasser auf. Danach wird der Weg breiter und ich komme ins Freie. Jetzt steht die Sonne schon höher und ich merke die kommende Hitze. Aber heute habe ich nicht so viel vor. In St. Blasien soll heute Schluss sein.
Als ich eine Kuhweide überquere, überkommt mich doch ein etwas mulmiges Gefühl. Denn die Mutterkühe schützen ihre Kälber. Und tatsächlich beäugen mich zwei von ihnen misstrauisch. Also einfach ruhig weitergehen, nicht hingucken, aber das Holzauge wachsam sein lassen. Komisch. Bei meinem Erlebnis mit den Wildschweinen war ich gelassener.
An einer anderen Kuhweide mache ich eine weitere kleine Rast. Viel zu früh. Viel zu lang. Da kommt der Pausenfreund in mir wieder durch. Aber ich habe heute ja Zeit.
An der Kreuzfelsenhütte ist viel los. Die ganze Zeit bin ich niemanden begegnet und jetzt habe ich die Hütte für mich alleine, aber jede Menge Wanderer kommen vorbei, vorwiegend aus der Gegenrichtung. Keiner möchte in der Hütte Pause machen. Als ich anschließend weitergehe, weiß ich auch wieso. Nach kurzem Weg komme ich zum Klosterweiherhof. Mit Terrasse an einem kleinen See. Und vor allem: Geöffnet. Also Zeit für eine Pause. Nach der ganzen mediterranen und asiatischen Küche der letzten Tage muss jetzt mal etwas regionales auf dem Tisch. Ein Schwarzwälder Schinkenbrett. Ist gut. Und ein Schwarzwälder Kirschwasser ist auch noch dabei. Hatte ich auf der Karte irgendwie übersehen. Ob das gut ist? Bei sengender Hitze? Aber ich will ja neue Erfahrungen sammeln.
Am Lehenkopfturm überlege ich. Will ich da rauf? Der ist doch bestimmt barrierefrei. Ist er nicht. Aber ich steige trotzdem hoch. Hat sich gelohnt.
Der Weg nach St. Blasien ist über weite Teile schattenlos. Hin und wieder mal ein schöner Single Trail, aber ich vermisse die Schluchten. Vermutlich ist es gut, dass ich den Weg entgegen der Hauptroute laufe. So erlebe ich vermutlich das Beste zum Schluss.😊
In St. Blasien gehe ich erst einmal am Dom vorbei. Zunächst gibt's Eis und Kaffee. Dann einchecken, duschen und dann noch mal raus. Zwischenzeitlich hat es anscheinend geregnet. Davon habe ich nichts mitbekommen. Dadurch ist das etwas kühler geworden. Angenehm.
Es geht zuerst in den Dom. Und das ist ergreifend. Obwohl der weiße Marmor und die weiße Bestuhlung das Ganze etwas steril wirken lassen, ist es imponierend. Ich setze mich in die Mitte und lasse alles auf mich wirken. Immer wieder muss ich gerade nach oben auf das Deckengewölbe mitsamt seinem Gemälde schauen. Irgendwann kriege ich eine Genickstarre.
Wieder draußen muss ich mich um ein Problem kümmern. Meine Girocard ist anscheinend nicht mehr funktionsfähig. Am Automaten der Sparkasse bestätigt sich das trotz vorheriger intensiver Reinigung. Dann muss jetzt wohl die Kreditkarte herhalten oder das gute alte Bargeld. Das wird hier ohnehin viel lieber genommen.
Am Rathaus setze ich mich auf ein Lounge-Sofa eines Restaurants, bestelle mir ein Bier und führe ein wenig Tagebuch. Hinter mir plätschert einen Springbrunnen.
I feel good. Auch ohne Schluchten.Читать далее













