• Senaru: Schoggi gegen Murmeln und offene Türen 💙

    Sep 30–Oct 2 in Indonesia ⋅ ☁️ 27 °C

    Gut erholt verabschiede ich mich von Senggigi. Mein nächstes Ziel ist Senaru im Norden Lomboks, am Fuss des Rinjani – bekannt für seine Wasserfälle mitten im Dschungel. 🌿

    Mittags holt mich Ian ab, den mir Nicole und Simon empfohlen haben. Unterwegs erzählt er, wie sich Menschen unterschiedlicher Religionen auf Lombok unterstützen. Während des Ramadan bringen Buddhisten beispielsweise Kokosnüsse zum Fastenbrechen in die Dörfer. Einander leben lassen und füreinander da sein – genau das wünsche ich mir für die ganze Welt. Falls mein Herz noch nicht an Lombok verloren war, passiert es spätestens jetzt. 💙

    Nach knapp zwei Stunden erreichen wir Senaru. Der Rinjani versteckt sich hinter einer grauen Wand. Ian erzählt von Bränden am Berg und abgesagten Wanderungen. Für mich gibt es dafür eine andere Einladung: Ich darf zu ihm nach Hause kommen und Tuak probieren, ein traditionelles Getränk aus Palmensaft, das durch Gärung alkoholisch wird. Sein Sohn Opan wird mich später abholen.

    Im Pondok Senaru erwartet mich eine unglaubliche Aussicht auf Wald und Wasserfall. Es sieht aus, als könnte jeden Moment ein T-Rex aus dem Dschungel brüllen. Jurassic Park lässt grüssen! 🦖

    Kaum sitze ich mit meinem Buch auf der Terrasse, kommen Kinder herbeigerannt und stellen mir neugierig Fragen. Ich verteile Schweizer Schoggi. Danach kommen sie zurück und schenken mir je eine ihrer Murmeln. Ein absoluter Goldmoment. 🥹 Natürlich fragen sie anschliessend nochmals nach Schoggi. Natürlich sage ich nicht nein. 🍫

    Um 16 Uhr kommt Opan mit einem breiten Grinsen angefahren. Er ist erst 17 und freut sich, dass ich seinen Namen weiss. Mit dem Roller brausen wir hinunter zu seiner Familie. 🛵

    Wir sitzen draussen auf Teppichen, die Schuhe bleiben davor. Ich habe Schoggi und Kekse mitgebracht, Ian präsentiert den Tuak. Vom pinken Getränk nippe ich vorsichtig. Es schmeckt … naja. Nicht unbedingt nach etwas, worüber sich mein Magen freuen würde. 😅 Ian erbarmt sich meiner und bietet Tee an. Opan wird kurzerhand zum Teekochen verdonnert.

    Immer mehr Menschen kommen vorbei. «Bule, Bule!» – so werden hier häufig westliche Menschen mit heller Haut genannt. Zeitweise fühle ich mich wie im Zoo, nur bin diesmal ich das begutachtete Tier. 😂 Unwohl fühle ich mich aber keine Sekunde. Im Gegenteil: Ich werde herzlich aufgenommen.

    Es gibt Nudelsuppe mit Chicken und Sambal in scharf und sehr scharf. Ian hält mich davon ab, gleich zum sehr scharfen zu greifen. Zum Glück: Schon das mildere bringt mich ordentlich ins Schwitzen. 🌶️🔥

    Für morgen machen wir einen Deal: Opan begleitet mich zu den Wasserfällen, ich helfe ihm unterwegs mit seinem Englisch. Abgemacht!

    Nach Sonnenuntergang fragt Ian mehrfach, ob ich zurückmöchte. «It’s okay, I can stay a little bit», antworte ich. Ich halte das für höflich. Warum ich damit etwas falsch liege, erfahre ich erst am nächsten Abend …

    Um 05:45 Uhr klingelt mein Wecker. Diesmal zeigt sich der Rinjani tatsächlich! Zwischen Reisfeldern und Vulkan färbt sich der Horizont orange. 🌄 Beim Frühstück entdecke ich zwei raufende Katzen – Moment. Das sind Affen! Eine kleine Gruppe sucht nach etwas Essbarem. Ich bewundere sie aus der Ferne. Näher brauche ich sie nicht. 🐒

    Pünktlich um acht kommt Opan. Wir gehen zuerst zum weiter entfernten Tiu Kelep. Je früher, desto weniger «Bule». 😊 Durch den Dschungel, über Steintreppen und immer wieder durchs Flusswasser führt unser Weg. Unterwegs üben wir Englisch, während Opan mir zeigt, auf welche Steine ich treten kann.

    Schon bevor wir den Wasserfall sehen, hören wir sein Donnern. Dann stehen wir davor und ich kann nur staunen. Gischt spritzt uns ins Gesicht.

    «Let’s go swim in there», sagt Opan.

    Also gut! Mit Abstand zum gewaltigen Hauptstrahl wage ich mich ans Wasser. Die Kraft ist unbeschreiblich. Ich fühle mich in diesem Moment einfach wahnsinnig lebendig. 💦

    Opan nimmt sich viel Zeit; wir bleiben etwa eine Stunde. Auf dem Rückweg besuchen wir Sendang Gile und treffen einige seiner Freunde. Sie fragen interessiert, was Dinge in der Schweiz kosten. Mir wird einmal mehr bewusst, wie privilegiert ich bin. Eine Reise wie meine ist für viele von ihnen kaum vorstellbar.

    Die Jungs laden mich für den Abend an einen «secret spot» zum Sonnenuntergang ein: «No Bule, only you.» 😊

    Nach Dusche und Nickerchen fahren wir um 17 Uhr los. Unter uns liegen die Reisfelder, der Rinjani versteckt sich wieder hartnäckig. Wir teilen meinen mitgebrachten Proviant und schauen gemeinsam zu, wie die Sonne den Himmel färbt. 🌅

    Als Opan fragt, ob wir zurückfahren wollen, antworte ich: «Only smoke one cigarette and then go.»

    Nun erklärt er, dass sie bei sich nach Sonnenuntergang nicht mehr draussen bleiben sollten. Jetzt verstehe ich auch Ians Fragen vom Vorabend. Ich bekomme ein schlechtes Gewissen, doch Opan winkt ab: «Don’t worry and don’t say sorry.»

    Durch die kühle Nachtluft fahren wir zurück. Beim Abschied merke ich, wie sehr ich den Jungen ins Herz geschlossen habe. 🥹

    Wer nach Senaru kommt: Ian und Opan sind tolle Guides. Mit ihnen durfte ich neben den Wasserfällen auch ein kleines Stück ihres Alltags kennenlernen. Genau diese Begegnungen machen meine Reise so besonders. 💙

    Morgen geht es mit Ian weiter nach Tetebatu. Dort hoffe ich auf die scheuen «black monkeys».

    See you there! 🐒🌿
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