• Tetebatu: Dschungelkronen und Dorfleben 🌿

    Oct 2–5 in Indonesia ⋅ ☁️ 27 °C

    Ian fährt mich von Senaru über Sembalun nach Tetebatu. Die Strasse schlängelt sich in engen Kurven durch den Dschungel. Am Rand sitzen immer wieder graue Affen, und Ian hält extra an, damit ich den Rinjani und die Erdbeerfelder fotografieren kann. 🐒🍓

    Noch vor Mittag erreichen wir Kembang Kuning – «gelbe Blume» –, ein Dorf gleich neben Tetebatu. Yan und zwei Mitglieder der Gastgeberfamilie empfangen mich herzlich. Das Family Guesthouse hat gerade erst eröffnet; Eltern und Kinder führen es gemeinsam und packen mit Herzblut an. Ich fühle mich sofort willkommen. 💛

    Nach einem Nickerchen werde ich zum Sonnenuntergang auf das Dach eines Wasserreservoirs eingeladen. Dort plaudere ich mit der Gastgeberfamilie, als zwei weitere Gäste dazukommen: Laura und Stephan aus Bayern. Wir verstehen uns auf Anhieb. Aus dem Sonnenuntergang wird ein Bier, dann ein gemeinsames Abendessen – und plötzlich ist es Mitternacht. Für morgen verabreden wir uns zur Wasserfall- und Monkey-Forest-Tour. 🌅🍻

    Nach dem Frühstück führt Yan uns durch Reisfelder und Hintergärten. Hier wächst gefühlt alles: Papayas, Mangos, Ananas, Jackfruits, Passionsfrüchte, Rambutans und noch viel mehr. Yan lässt uns immer wieder probieren. Einiges esse ich zum ersten Mal – und alles schmeckt wunderbar. 😋

    Am Strassenrand entdecken wir Hähne unter geflochtenen Körben. Was machen die denn da? Yan erklärt: Sie wurden gewaschen und werden nun in der Sonne getrocknet. Ein kleines Hühner-Spa sozusagen. 😂🐓 Diese Tiere werden als Haustiere gehalten und landen laut Yan auch nicht im Kochtopf. Das Poulet fürs Essen kauft man auf dem Markt, wo es von Hühnerfarmen stammt. Wieder etwas gelernt!

    Über wacklige Holzbrücken und durch flache Flussbetten gelangen wir zum Sarang Walet Waterfall. Das Wasser fliesst durch eine kleine Grotte in ein natürliches Becken. Ein erfrischendes Bad muss sein! 💦

    Danach geht es weiter Richtung Monkey Forest. Yan trabt in seinen Crocs mühelos voraus, während wir in unseren Turnschuhen stellenweise hinterherstolpern. 😊

    Er verschwindet immer wieder zwischen den Bäumen und taucht mit etwas Neuem auf. Einmal bringt er uns Menteng-Früchte – klein, süss-sauer und richtig lecker. Ein anderes Mal flechtet er aus Farnblättern eine Krone für Stephan. Laura und ich sollen unsere später ebenfalls bekommen. 👑

    Bei einer kleinen Hütte schauen wir uns Bambusarbeiten und Musikinstrumente an. Wir probieren Flöten und ein Xylophon aus. Ich bin allerdings bald abgelenkt: Um die Ecke versteckt sich eine Katzenmutter mit drei Kitten. Das grau getigerte Langhaarkätzchen würde ich am liebsten einpacken. Hach! 🐱🥹

    Zum Mittagessen kehren wir an einem kleinen Stand ein. Maispuffer, Kokoscrêpes und Früchte – alles köstlich, und wir bezahlen pro Person knapp 50 Rappen. Danach wollen wir ins Gewürz- und Kaffeehaus. An der Tür steht jedoch: «Tutup» – geschlossen. Tja, Yan, dann verschieben wir die Gewürzkunde auf den Wochenmarkt. 😉

    Im Monkey Forest entdecken wir zuerst eine Gruppe grauer Affen. Wir hoffen aber vor allem auf die scheuen schwarzen Affen, die sich hoch in den Baumkronen aufhalten. Dafür müssen wir ein Stück steil in den Wald hinein. Und tatsächlich: Über 20 Meter über uns ruht, frisst und laust sich eine ganze Familie! 🐒

    «Attention. You don’t want to get a golden shower», warnt Yan. Wir treten zur Seite – kurz darauf regnet es aus dem Blätterdach. Glück gehabt! 😂 Während wir die Affen beobachten, flechtet Yan auch Laura und mir Kronen. Damit ist die königliche Dschungelfamilie komplett. 👑🌿

    Nach der Wanderung sind wir froh über die Autofahrt zurück. Hitze und Luftfeuchtigkeit haben uns ganz schön geschafft. Eine lange Pause gibt es aber nicht: Im Guesthouse wartet bereits der nächste Programmpunkt – wir stellen Kokosöl her.

    «Wir» ist dabei grosszügig formuliert. Schon beim Schälen der Kokosnuss brauchen wir Hilfe. 😉 Wir raspeln das Fruchtfleisch, pressen Kokosmilch heraus und schauen zu, wie daraus unter ständigem Rühren Öl entsteht. Nebenbei helfen wir beim Vorbereiten von Maniokblättern und Wingbeans. Die süsslichen Krümel, die beim Erhitzen entstehen, dürfen wir lauwarm probieren – köstlich! Am Ende bekommt jeder von uns eine kleine Flasche Öl. Nachdem wir die Arbeit dahinter gesehen haben, hüten wir sie wie einen Schatz. 🥥

    Abends gibt es Essen und Live-Musik. Immer mehr Leute kommen, darunter eine französische Gruppe mit ungefähr so vielen Weinflaschen wie Personen. Das könnte heiter werden. 🍷

    Mitten im Trubel höre ich plötzlich meinen Namen durchs Mikrofon. Eine Mitarbeiterin möchte unbedingt, dass ich singe. Na gut! Ich suche ein Lied aus und gehe nach vorne. Zu meiner eigenen Überraschung bin ich überhaupt nicht nervös, und das Publikum macht begeistert mit. Danach singen einige Franzosen, es wird getanzt und gelacht. Ein herrlich ausgelassener Abend – mit entsprechend spätem Zubettgehen. 🎤💃

    Gegen 06:30 Uhr wache ich auf, weil ich glaube, jemand rüttle an meinem Bett. War das ein Erdbeben? Beim Frühstück verneinen alle. Dann war es wohl doch das Bier vom Vorabend, denke ich mir. 😅

    Mit Laura, Stephan und Yan geht es zum Wochenmarkt. Der Geruch von Fleisch und Fisch trifft uns sofort. Wir sind gefühlt die einzigen Touristen dort, und besonders Laura fällt mit ihren blonden Haaren und ihrer hellen Haut auf. Einige Frauen berühren neugierig ihren Arm. Eine ältere Frau murmelt etwas und – zack – klopft Laura auf den Oberschenkel. Wir schauen uns verdutzt an. «Ist das gerade wirklich passiert?» Die absurde Szene bringt uns noch Stunden später zum Lachen.

    Danach besuchen wir Frauen, die aus Bambus Taschen, Körbe und Schmuck flechten. Wir dürfen selbst Hand anlegen und bekommen am Ende je ein kleines Körbchen und einen Ring. Sooo süss! 🧺

    Als Nächstes steht Töpfern auf dem Plan. In einer kleinen Werkstatt stehen viele schöne Stücke, aber für grössere Einkäufe fehlt uns allen der Platz. Stattdessen töpfern wir je eine kleine Schildkröte zum Mitnehmen. 🐢 Bei den Fusskettchen, die dort ebenfalls verkauft werden, kann ich dann doch nicht widerstehen. Schmuck geht immer. 😊

    Zum Abschluss sehen wir, wie traditionell Stoffe gewebt werden. Die Fäden werden mit pflanzlichen Zutaten gefärbt, auf Spulen gewickelt und von Hand zu Sarongs verarbeitet. Wir sehen unter anderem Farben aus Früchten und Baumrinde. An einem Sarong wird mehrere Wochen gearbeitet – umgerechnet etwa 50 Franken kostet ein fertiges Stück. Für diesen Aufwand erscheint mir das unglaublich wenig.

    Für einen Sarong ist in meinem Rucksack kein Platz. Das Fusskettchen und die kleine Schildkröte dürfen mit – und viele weitere schöne Momente kommen in meinen Herzrucksack. 💚

    Zurück im Guesthouse müssen Laura und Stephan aufbrechen. Der Abschied fällt kurz aus: Morgen folge ich ihnen nach Kuta. Ich freue mich schon auf das Wiedersehen – in einer völlig anderen Umgebung. 🌴

    Kurz nachdem sie losgefahren sind, schreibt mir Laura aus dem Auto: «Du hattest recht. Da war ein Erdbeben!» 😳

    Ha! Es war also doch nicht das Bier. 🍻
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