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  • Day5

    Buenos Aires - Charme der Gegensätze

    April 9, 2017 in Argentina ⋅ ⛅ 22 °C

    In der argentinischen Hauptstadt, die inklusive Umland 13 Mio. Einwohner und damit fast ein Drittel der Einwohner Argentiniens (ca. 45 Mio.) umfasst, sollten wir nach der Umbuchung unseres Fluges nun 3 volle Tage verbringen. Am ersten Tag machten wir einen recht langen Stadt-Spaziergang und deckten dabei das touristische Pflichtprogramm (Casa Rosada, Obelisk, Plaza de Mayo, Puerto Madero etc.) ab. Am nächsten Tag standen die Stadtviertel La Boca (bekannt für seine bunten Häuser und natürlich den Fußballverein Boca Juniors) und La Recoletta (ein wohlhabenderes Viertel, u.a. mit dem imposanten Friedhof, auf dem sich auch das Grab von Evita befindet) auf unserem Plan und Sonntag wollten wir schließlich die Gelegenheit nutzen, dass im Viertel San Telmo traditionell Wochenmarkt ist... Eine besonders zu erwähnende Begegnung war dabei das wiederholte Zusammentreffen mit einer ecuadorianischen Familie. Zunächst waren wir an der Bushaltestelle nach La Boca mit Ihnen ins Gespräch gekommen. Nachdem wir uns wiederholt in La Boca, aber auch am Folgetag in San Telmo mehrfach begegnet waren, tauschten wir Adressen aus und machten zum Abschluss auch noch ein gemeinsames Foto... Die jüngste Tochter der 4-köpfigen Familie rannte bei jeder Begegnung auf uns zu und umarmte uns ganz aufgeregt und voller Freude. Zudem bleibt uns sicherlich die Zivilcourage der Argentinier positiv in Erinnerung... Anlass hierzu war die besagte Busfahrt nach La Boca. Nachdem wir fälschlicherweise angenommen hatten vor Fahrtantritt im Bus zahlen zu können und demnach nicht die SUBE-Karte zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs erworben hatten, wollte uns der pflichtbewusste argentinische Busfahrer zunächst nicht mitnehmen. Erst durch den minutenlangen "Aufschrei der Masse", dass man doch die europäischen Besucher jetzt nicht stehen lassen könnte, konnte der Busfahrer schließlich überzeugt werden. Die Situation mag hier vielleicht nebensächlich klingen, sie erinnerte im Moment des Geschehnisses allerdings durchaus an revolutionsähnliche Zustände und man hatte Bedenken, dass jemand dem Busfahrer gewaltsam entgegen treten könnte, als dieser sich trotz des Getöses der Menschenmenge noch immer weigerte uns auch auf Kosten anderer Fahrgäste zu befördern. Der Busfahrer gab schließlich nach und die Situation beruhigte sich zu unseren Gunsten. :) Weiterhin erwähnenswert in Bezug auf Argentinien bzw. Buenos Aires sind natürlich die hervorragenden Steaks (ein Mekka für alle Fleischliebhaber!) sowie die zahlreichen Tango-Shows, die man regelmäßig beim Schlendern durch die Gassen beobachten kann. Besonders eindrucksvoll wirken diese, weil nicht nur Touristen an den innerstädtischen Plätzen stoppen und sich die Tanzeinlagen ansehen, sondern ein Großteil der bewundernden Beobachter aus dem eigenen Land kommt. Dies nimmt dem Spektakel den touristischen Anschein und verleiht den Einlagen deutlich mehr Authentizität. Warum nun aber "Charme der Gegensätze"? Für uns war es insbesondere dies, was das Stadtbild aber auch die Bewohner der Stadt auszeichnet. So sieht man neben alten Prunkbauten, die den starken spanischen Einfluss unverkennbar demonstrieren, auch immer wieder hochmoderne Gebäude. Dennoch wirkt diese architektonische Komposition sehr harmonisch und so erhält das Stadtbild einen außergewöhnlichen Reiz... Zudem ist die Innenstadt geprägt von den unterschiedlichsten Menschen. Man sieht adrett gekleidete Geschäftsleute in einem Atemzug mit Obdachlosen, Menschen indigener Abstammung in einem Atemzug mit Menschen, die europäische Wurzeln haben und Backpacker in einem Atemzug mit Pauschal-Touristen. Wenngleich der Schatten einer ziemlich großen sozialen Schere und damit auch noch immer hohen Kriminalitätsrate über der Stadt liegt, wirkt die Stadt auf uns dennoch insbesondere durch die beschriebene Kombination aus architektonischer und sozial-kultureller Diversität unglaublich charmant.Read more