• Bogoto von oben

    February 22 in Colombia ⋅ ☁️ 16 °C

    Nach unserem eher schmalen Hotelfrühstück machten wir uns auf den Weg Richtung Seilbahn. Unterwegs legten wir noch einen Stopp bei einer kleinen Bäckerei ein – eine sehr gute Entscheidung. Mit frischem Kaffee, Orangensaft und etwas richtig Leckerem zu essen fühlte sich der Morgen gleich viel besser an. Dabei fiel uns allerdings auf, dass wir ungewöhnlich oft angeschaut wurden. Wir dachten zuerst, wir fallen einfach als Nicht-Spanischsprechende auf – denn hier spricht wirklich jeder Spanisch. Englisch scheint kaum jemand zu können. Ich war in diesem Moment sehr froh, dass ich zumindest ein paar Monate vorher mit Duolingo angefangen hatte und wenigstens ein bisschen verstehen konnte, auch wenn mir das Sprechen noch schwerfällt.

    Dann stellte sich heraus, dass der Grund für die Blicke ein ganz anderer war: Hinter uns saßen eine Schweizerin und ihre kolumbianische Freundin – und sie hatten uns Deutsch sprechen hören. Sie kamen mit uns ins Gespräch und gaben uns direkt einen wichtigen Tipp. Die Seilbahn, die wir ursprünglich nehmen wollten, würden sie uns nicht empfehlen, da der Weg dorthin durch ein unsicheres Viertel führt. Ohne einheimische Begleitung sei das keine gute Idee. Conny und ich hatten ohnehin schon ein mulmiges Gefühl gehabt, aber spätestens nach dieser Warnung war klar: Wir ändern unseren Plan.

    Also machten wir uns stattdessen auf den Weg nach Monserrate.

    Der Weg dorthin war stellenweise überraschend leer – kaum vorstellbar in einer Stadt mit rund zehn Millionen Einwohnern. Doch plötzlich änderte sich das Bild komplett. Wir liefen an einer großen Veranstaltung vorbei, vielleicht ein Marathon oder ein Stadtlauf. Überall waren Menschen, Stände und Märkte, und einige von uns nutzten jede Gelegenheit, um Street food zu probieren.

    Schließlich kamen wir an der Seilbahn an, standen eine Weile an und fuhren dann nach oben. Die Aussicht war beeindruckend. Erst von dort oben wurde wirklich klar, wie riesig Bogotá ist. Die Stadt erstreckt sich scheinbar endlos in alle Richtungen.

    Nach einiger Zeit wurde mir allerdings etwas schwummrig. Schon vorher hatten wir beobachtet, dass immer wieder Helfer vom Roten Kreuz unterwegs waren und Menschen betreuten. Auf über 3.000 Metern Höhe ist die Luft eben spürbar dünner. Mir kribbelten die Beine, und ich musste mich kurz hinsetzen. Zum Glück hatten die anderen etwas zu trinken dabei, und nach einer Pause ging es mir wieder besser.

    Inzwischen zogen dunkle Wolken auf, und wir wollten möglichst schnell wieder nach unten. Doch die Schlange für die Seilbahn war inzwischen endlos und bewegte sich kaum. Als es dann plötzlich anfing zu hageln, suchten wir erst einmal Schutz. Danach beschlossen wir spontan, den Wanderweg nach unten zu nehmen. Ausgestattet mit Regenponchos machten wir uns an den Abstieg.

    Es wurde zu einem kleinen Abenteuer. Der Weg war gut ausgebaut, aber durch den Regen rutschig. Die anderen waren etwas schneller unterwegs, während ich vorsichtig Schritt für Schritt nach unten ging – immer mit der leisen Angst, auszurutschen. Nach etwa einer Stunde kamen wir unten an. Komplett durchnässt. Schuhe nass, Kleidung nass – alles nass.

    Wir bestellten uns ein Uber zurück zum Hotel. Der Rest des Abends bestand aus Essen, Aufwärmen und dem Versuch, unsere Schuhe irgendwie wieder trocken zu bekommen.
    Read more