Tag 6 Sansol - Navarrete 33,5 km
April 15, 2025 in Spain ⋅ 🌧 10 °C
Ich bin wohl vor allen eingeschlafen. War noch richtig Stimmung unten. Wenn ich schlafe, dann schlafe ich. Zwar wieder nur vier Stunden, aber ich fühl mich gut am morgen. Einhundert Prozent besser als gestern. Beim Aufstehen merke ich, daß ich die Farmacia um die Ecke wohl nicht mehr brauche. Ich fühle keinen Schmerz, keine Wunden. Hat der Camino geheilt. Ich hatte eh Bedenken ob der spanischen relaxten Mentalität. Nachher warte ich bis neun Uhr und sie ist trotzdem zu in diesem einhundert-Seelen-Dorf. Also, um sieben runter. Ich hole mir einen Kaffee und zwei Äpfel für unterwegs. Dann Backpack auf, dem Hospitalero noch einmal "Gracias" gesagt und ich gehe. Als ich auf der Straße stehe ist plötzlich jemand hinter mir. Es ist der Hospitalero, er nimmt mich in den Arm und er drückt mich und einen Kuß krieg ich auch noch auf die Backe. Ich geb ihm auch einen und dann bekomme ich mit allen guten Wünschen noch einen Apfel in die Hand gedrückt. Ich freue mich, meine erste Wegzehrung. Es geht heute über Torres del Rio, Viana und Logrono nach Navarrete. Ein Mitpilger macht ein Photo von mir. Im Hintergrund Torres del Rio. Ich geh wie immer langsam mit konstanten vier Kilometern in der Stunde. Anders würde ich auch nicht dreißig und mehr schaffen. Plötzlich überholt mich Sebastian. Ich frage ihn, ob er Jold noch Mal gesehen hat. Nein. Dann ist er seit zwei Tagen eben verschollen. Der Weg ist atemberaubend schön. Ich bleibe ab und zu mal stehen und lasse meinen Blick über die Landschaft gleiten. Immer wieder gibt es große Weinplantagen mit angrenzenden kleinen Olivenhainen. In Viana liegt eine Farmacia am Weg und ich hole nochmal eine Packung Compeed Blasenpflaster. Mein linker Fuß hat die Bandage und kann keine Blasen kriegen, dafür ist mein rechter Fuß etwas mehr geschunden worden. Auch Viana hat die typischen engen Gassen. An einer alten, zur Hälfte verfallenen Kirche vorbei geht es Richtung Logrono. Kurz vor Logrono zeigt ein Schild, daß ich jetzt die Region Navarra verlasse und die Region La Rioja betrete. Ob ab jetzt aus allen Brunnen Wein statt Wasser fließt? Über eine Brücke hinweg mache ich ein Photo von Logrono, das einen Teil der Stadt mit zwei Kirchtürmen zeigt. Logrono ist die Hauptstadt der Region La Rioja und da ich große Städte und deren Trubel so sehr liebe hatte ich bereits gestern beschlossen, zwölfeinhalb Kilometer weiter zu gehen nach Navarrete. Das sind nach einundzwanzig Kilometern jetzt noch einmal zwölfeinhalb. Ohne Übernachtungsmöglichkeit. Ich halte durch. Auch heute kommt auf den letzten Kilometern der Regenponcho zum Einsatz. Auf der letzten Anhöhe vor Navarrete noch Mal ein Blick zurück auf Logrono und dann gibt es von einer Brücke aus den ersten Blick auf mein Tagesziel. Ich übernachte für zehn Euro in einem Municipal. Zwei Minuten nach Ankunft gibt es ein richtiges Gewitter. Duschen, etwas essen und wie immer, einen Plan für morgen machen. Fazit am Ende von Tag sechs: "Is it right?", "Yes! It's the best thing what I ever had could do!". Der Camino hat mich in seinen Bann gezogen.Read more




















