• Tag 18 Murias de Rechiv.-El Acebo 33 km

    April 27, 2025 in Spain ⋅ ☀️ 18 °C

    Murias de Rechivaldo - Santa Catalina de Somoza - El Ganso - Rabanal del Camino - Foncebadon - Manjarin - El Acebo de San Miguel 33 km. Mein gestriges Tagesziel sollte eigentlich Santa Catalina de Somoza sein. In Murias de Rechivaldo wartete der Franzose auf mich. Sagt mir, daß es nur noch vier Kilometer sind. Das weiß ich, es ging wirklich nichts mehr und so bin ich gestern bei dem sehr engagierten und gastfreundlichen italienischen Hospitalero-Ehepaar gelandet. Heute morgen sitze ich mit einem Holländischen Ehepaar mit zwei großen Hunden am Frühstückstisch. Für sie ist es heute die erste Etappe. Auch gewagt, viele akzeptieren keine Hunde. Sie sagen mir, daß sie die Unterkünfte bis Santiago de Compostela bereits durchgebucht haben. Wir wünschen uns ein "Buen Camino" und viertel nach sieben bin ich wieder auf dem Weg. Insgeheim hoffe ich, daß ich am Ende des Tages den Franzosen wieder eingeholt haben werde. Es sind sehr kalte zwei Grad und strahlend blauer Himmel. Nach ca. sieben Kilometern, kurz vor El Ganso, gibt es ein kleines Highlight am Wegesrand. Dort sitzt ein Spanier mit sehr vielen filigran gearbeiteten Stempeln. Das Motiv kann man sich aussuchen. Er hat einfach alles, auch das Pilgerdenkmal vom Palo Alto. Ich nehme die Jakobsmuschel mit einem Pilger in der Mitte und dann macht er Wachs heiß und drückt sein Siegel in den heißen Wachs. Ein echtes Highlight in meinem Pilgerpass. Alles gegen Donativo. Der Camino kann eine wahre Goldgrube sein mit der richtigen Idee. Photos von seiner Arbeit hat er leider nicht erlaubt. Dann geht es weiter. Zu diesem Zeitpunkt hab ich noch keine Ahnung, wie herausfordernd dieser Tag werden wird. Ich sehe zwar die Berge immer näher kommen, aber daß ich da durch Felssteinrinnen ca. siebenhundert Meter hoch und vor meinem Tagesziel auch wieder - vorsichtig - runter muß, ... Hätte ich es geahnt, ich wäre wohl seit halb zwei in Foncebadon versauert. Der Aufstieg nach Foncebadon ist schon fordernd. Ca. sechshundert Meter Höhenunzerschied hab ich bis hier gemeistert. Hier will ich aber nicht bleiben. Das scheint auch ein nur für Pilger existierender Ort zu sein. Noch Mal einhundert Meter höher und ca. zwei Kilometer hinter Foncebadon kommt das Cruz de Ferro. Auf tausendfünfhundert Metern Höhe. Auch das ist ein kleines Highlight auf dem Camino. Traditionell bringt jeder Pilger einen Stein von zu Hause mit, den er hier ablegt. In all diesen Steinen stecken Ängste oder Sorgen oder Hoffnungen oder Wünsche. Auch ich hab natürlich einen Stein von zu Hause mitgebracht und lege ihn hier ab. Ich mache noch eine Weile Pause, meine müden Füße für die letzten zehn Kilometer ausruhen. Und die siebenhundert Meter, die es hoch ging, muß es auf der anderen Seite des Berges natürlich auch wieder abwärts gehen. Es soll sich am Ende als der härteste Tag seit der Pyrenäen-Überquerung erweisen. Um Viertel vor sechs stehe ich endlich in einer Albuerge und bekomme für zwölf Euro ein Bett. Der Abstieg war derart fordernd, daß ich so spät wie nie in einer Unterkunft stehe. Es ging kilometerlang nur über Felssteinrinnen bergab. Und Stürzen möchte ich ja so spät am Nachmittag auch nicht wenn keiner mehr hinter mir den Weg entlang kommt für heute. Um eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie steil es hier bergab ging: Dreihundert Meter vor dem Ort hab ich einen ersten Blick auf die Dächer bekommen. Und, wen sehe ich als erstes in El Acebo? Carl, den "windigen" Österreicher. Als zweites läuft mir der Franzose aus Montpellier über den Weg, was meine Stimmung wieder aufhellt. Der Österreicher ist zum Glück ein Stück weiter in einem Donativo. Die mag ich nicht mehr. Die Albergue hat einen schönen Gartenbereich. Hier stehen schon Rosen in voller Blüte.Read more