• Tag 8: Las Flores bis Azul

    September 29 in Argentina 🌧 18 °C

    Die Sache mit den Standstreifen

    Am Morgen lassen wir den Wecker ein kleines bisschen später klingeln. Zudem, dass wir die Räder mit hinein nehmen durften, bietet uns Abril auch an, etwas länger in der Unterkunft zu bleiben und erst später auszuchecken. Zu viel Zeit lassen wir uns allerdings nicht. Die Windverhältnisse stehen heute Morgen noch recht gut und das wollen wir ausnutzen.
    Wir machen uns durch das Dorf auf den Weg zurück auf die Ruta Nacional 3, die Hauptverbindung nach Ushuaia, dem südlichsten Ort der Welt und unserem ersten großen Ziel.
    Im Ortsinneren suchen wir dann den nächsten Supermarkt auf, da heute ja Montag und daher nach dem heiligen Sonntag die Läden eigentlich wieder ganz normal geöffnet haben. Doch nicht heute. Denn heute ist „Día del Empleado de Comercio“ (Tag der Einzelhandelsangestellten), an dem diese frei haben, so erfahren wir von einem Paar, das uns dies auf Spanisch erklärt. Na toll! Das läuft ja gut.
    Wir finden zu unserem Glück allerdings doch einen „Frutas y Verduras“ (Obst- und Gemüseladen), in dem wir sogar auch Reis und eine Soße bekommen. Ist ja gerade nochmal gut gegangen!
    120 km liegen vor uns. Es ist immer, wie schon die letzten Tage, flach. Und zudem geht es fast nur geradeaus, nur selten gibt es mal eine kleine Kurve. Zu allem Überfluss ist auf der Straße auch noch viel Verkehr. Besonders viele LKWs sind unterwegs. Bei leichtem Rücken- beziehungsweise Seitwind bekommen wir zwar bei uns überholenden LKWs einen kleinen Schub durch die Luftströme, das Gegenteil passiert aber bei uns entgegenkommenden LKWs. Dann fahren wir gefühlt rückwärts und bekommen noch eine Ladung Straßenbelag ab.
    Das wäre schon ausreichend, wäre da nicht noch zusätzlich die Sache mit den Standstreifen. Auf der heutigen Strecke gibt es diese nur selten. Teilweise sind sie sehr gut ausgebaut, oftmals aber so holprig, dass ich befürchte, dass gleich alle Schrauben das Rads gleichzeitig rausfallen werden. Alles scheppert und kracht.
    Und auf wieder anderen Abschnitten, einmal über 40 km am Stück, ist der Standstreifen verschwunden und wir müssen auf die Straße wechseln. Zum Glück sind die Argentinier größtenteils sehr freundlich gegenüber Fahrradfahrern und winken uns voller Begeisterung zu und hupen, beziehungsweise fahren mit großem Abstand und langsam an uns vorbei. Aber leider sind auch manche dabei, denen das Bremsen bei Fahrradfahrern scheinbar unbekannt ist und einfach hupen, bis die endlich in den Straßengraben fahren.
    So zählt diese Strecke nicht unbedingt zu unserem Favoriten.
    Als dann absehbar ist, dass wir den nächsten Ort Azul erreichen, buchen wir über Booking eine Unterkunft, die sogar eine Garage hat. Dort bringen wir die Räder unter, kaufen dann noch im Supermarkt ein (hier sind sie nämlich offen) und fallen dann müde ins Bett, nachdem wir zum abschalten mal noch die Heute Show geschaut haben.
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