• Tag 15: Médanos bis Juan Cousté

    October 5 in Argentina ☀️ 22 °C

    Kurz hinter unserem Hotel, in dem es trotz recht großem Abstand zur Straße doch noch laut war, finden wir einen kleinen Laden mit erstaunlicher Auswahl.
    Danach radeln wir mal ausnahmsweise nicht auf der Hauptstraße, sondern auf der unasphaltierten ehemaligen Hauptstraße, die parallel zur neuen verläuft. Trotz des teils sandigen Untergrunds ist es sehr angenehm hier zu fahren. Auf den 18 km kommt uns hier nämlich gerade einmal ein Auto entgegen, ansonsten sind wir hier ganz für uns.
    Es ist wirklich mal eine schöne Abwechslung bei der sonst recht abwechslungsarmem Strecke.
    Immer wieder sehen wir unterwegs kleine rote Hütten, die mit Gegenständen gefüllt sind oder eine Ansammlung von Wasserflaschen. Diese haben einen ganz bestimmten Zweck. Sie sind Teil der südamerikanischen Volksreligosität und für die Argentinier von wichtiger Bedeutung.
    Gauchito Gil, ein legendärer Gaucho aus der Provinz Corrientes des 19. Jahrhunderts, stahl nach der Volkssage von den Reichen, um es den Armen zu geben, also ähnlich zu Robin Hood. Die rote Farbe der Häuschen oder Fahnen steht hierbei für die Farbe der Föderalisten, denen Gil angehörte.
    Heutzutage gelten diese Schreine also als Schutzpatron der Reisenden, die als Opfergeschenk Zigaretten, Wein, Wasser oder Münzen da lassen.
    Die Wasserflaschen, die teils zu mehreren beisammen stehen, lassen sich auf Deolinda Correa zurückführen. Sie lebte ebenfalls im 19. Jahrhundert und floh während der Bürgerkriege mit ihrem Neugeborenen und ihrem Mann durch die Wüste. Sie verdurstete dort, während ihr Baby wundersamerweise an ihrer Brust überlebte.
    Die Flaschen symbolisieren also die Hilfe in aussichtslosen Lagen und die Reisenden beten auf diese Weise ebenfalls für den Schutz auf langen Strecken.
    Obwohl wir insgesamt nur 37 km zurücklegen, ist es mit dem Gegenwind und dem höheren Verkehrsaufkommen zurück auf der Hauptstraße doch sehr anstrengend.
    Unser Ziel ist heute das Kaiserhotel neben der Straße. Als wir dieses erreichen, dehnen wir uns noch (das haben wir uns ab jetzt häufiger vorgenommen, mal schauen wie es so klappt :) ), schrauben noch an den Fahrrädern und kochen uns dann etwas, nachdem das angepriesene Grill-Restaurant noch nicht offen hat.
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