Oh wie schön ist Panama! (Abbruch)
19 maggio, Stati Uniti ⋅ ☀️ 17 °C
In Silver City hatte ich mich dazu entschieden, meine Wanderung abzubrechen. Leicht fiel mir diese Entscheidung nicht. Die ganze Nacht über evaluierte ich meine Optionen und ging immer wieder verschiedene Szenarien durch. Erst als ich am nächsten Morgen ein Uber zum nahegelegenen Flughafen bekam, nachdem ich es schon am Vorabend gebucht hatte, war die Sache für mich endgültig beschlossen.
Es geht über Phoenix zurück nach Deutschland.. zurück zu meinen Eltern. 🙂
Jetzt stellt sich natürlich die Frage, warum ich so schnell abbreche. Glaubt mir, die stelle ich mir vor allem selbst.
Von Beginn an bin ich mit einem unguten Gefühl in dieses Projekt gestartet. Vorfreude war definitiv da, aber eben auch jede Menge Zweifel. Die Wochen vor dem Trail waren einfach wunderschön. Ich habe viel mit Freunden unternommen, ein tolles Wochenende mit meiner Familie verbracht und vor allem eine abartig geile Zeit mit meiner (erweiterten) WG gehabt. Dazu kam das Frühlingserwachen in Freiburg. Ich liebe diese Stadt! 🤍❤️ Mein Panama!
In der BWL gibt es den Begriff der Pfadabhängigkeit. Vereinfacht bedeutet das: Je mehr Entscheidungen man bereits getroffen hat, desto schwerer wird es, noch einmal die Richtung zu ändern.
Genau so fühlte sich dieses Projekt für mich an. Nach der Flugbuchung hätte ich noch absagen können. Auch nachdem mein Sonderurlaub genehmigt wurde, wäre das noch möglich gewesen. Spätestens als mein Zimmer untervermietet war, gab es praktisch kein Zurück mehr. Nicht, weil es unmöglich gewesen wäre, sondern weil bereits so viel Zeit, Geld und Planung in dieses Vorhaben geflossen waren.
Ein Jahr lang war mein Leben auf den CDT ausgerichtet. Urlaub wurde gespart, Geld zurückgelegt, Abos gekündigt. Beispielsweise hatte ich 2025 gerade einmal vier Urlaubstage genommen. In den letzten Wochen vor der Abreise vermied ich Aktivitäten mit Verletzungsrisiko und löschte sogar meine Dating-Apps!! 😂
Das alles ist Teil der mentalen Vorbereitung auf ein solches Abenteuer. Problematisch wird es nur, wenn die Zweifel erst dann auftauchen, wenn bereits alles organisiert ist. Genau das war bei mir der Fall. Vier Wochen vor dem Start waren die ersten Zweifel da. Nicht stark genug, um die Reise abzusagen, aber stark genug, um mich täglich zu begleiten.
Und dann steht man irgendwann auf dem Trail, läuft bei 35 Grad am Highway entlang, verrichtet sein großes Geschäft hinter einem Baum und fragt sich plötzlich ganz ehrlich: Macht mir das hier eigentlich Spaß?
Bei mir war die Antwort irgendwann: Nein.
Mir fehlte das, was eine solche Wanderung für mich ausmacht. Das gemeinsame Erleben, Leiden und Teilen mit anderen Menschen. Auf allen Trails, auf denen ich bisher unterwegs war, spielte das Zwischenmenschliche eine zentrale Rolle. Man lacht zusammen, man leidet zusammen, man kotzt gemeinsam ab, man genießt die schönen Momente und freut sich miteinander. So etwas schweißt zusammen. So entstehen Freundschaften, die einen Trail überdauern.
Dass ich dabei vor allem an Jochen denke, dürfte den meisten klar sein. Aber auch andere Begegnungen haben mich geprägt. Beispielsweise Jolly Green Giant vom AT. Er hat mich letztes Jahr in Freiburg besucht. Als ich ihn nun aus Silver City kontaktierte und scherzhaft fragte, ob ich ihn vielleicht in Alaska besuchen sollte, bot er mir tatsächlich an, mir den Schlüssel für sein Motorrad zu schicken, um damit durch Alaska zu fahren, während er selbst bei seinen Eltern in Virginia ist. Das Angebot war unglaublich großzügig! Angenommen habe ich es aber nicht. Lieber besuche ich ihn in Fairbanks, wenn er selbst dort ist. 🙂
Letztendlich bereue ich nicht, dass ich es versucht habe. Ich wollte mir zumindest die Chance geben. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich es nach 2024 nicht noch einmal probiert hätte, die Triple Crown of Hiking zu bekommen.
Ich hätte es mir aber genauso vorgeworfen, weiterzumachen, obwohl ich keinen Spaß an der Sache hatte, nur um dann irgendwann an einer noch ungünstigeren Stelle abzubrechen.
Das klingt vielleicht ein wenig nach einer Ausrede. Das weiß ich selbst. Leicht gemacht habe ich es mir allerdings nicht. Tatsächlich war ich in Silver City sogar an einem Punkt, an dem Weiterlaufen für mich die einfachere Entscheidung gewesen wäre. Aber das wäre nicht ich. Ich muss nicht drei Monate meiner Freizeit für etwas opfern, das mir keinen Spaß macht.
"The PCT breaks your heart, the AT breaks your body and the CDT breaks your mind."
Dieser Aussage kann ich nach wie vor nur zustimmen.
Wie es nun zu Hause weitergeht, weiß ich noch nicht. Einfach wird das sicherlich nicht. Trotzdem bin ich mir sicher, dass ich zwei oder drei wunderbare Monate vor mir haben werde. Und von denen werde ich am Ende meiner Auszeit berichten.
Ich habe das Gefühl, dass ich den Sommer meines Lebens haben werde. 😊
Lesson learned: Happiness is only real when shared!
Zum Schluss möchte ich mich noch bei all meinen Lieben für den unglaublichen Support bedanken. Allen voran bei meinen Eltern, meinem Bruder, Jochen, Andi & Julia, Christina, Nina & Max sowie der IGM Großwiehre.
Auch meinen Kollegen bin ich sehr dankbar, die mir den Rücken freihalten und mir diese Auszeit überhaupt ermöglichen.Leggi altro













ViaggiatoreDann kannst ja auf jeden Fall früher wieder an den Bodensee kommen 😉
Bee and Bear on TourHamburg calling :)