• St. Hippolyte nach Le Doub

    May 22 in France ⋅ ☀️ 18 °C

    Boar, was für eine kondenswasserreiche Nacht! Wenn es im Triplex Zelt von der Decke tropft, dann ist es weit gekommen. Das hat es in den letzten 4 Jahren nicht oft! Im Tarptent Double Rainbow passiert das weit aus schneller, wenn man zu zweit darin pennt.
    Nunja, dafür kam die Sonne sehr früh um die Ecke und hat, nach unserer Wisch-Action, den Rest getrocknet.

    Beim Zähneputzen auf‘m Camingplatz lernt man die einen oder anderen kennen. Ein älterer Mann spricht uns an, da wir so aussehen als würden wir länger unterwegs sein. Der gute Mann (leider nicht nach dem Namen gefragt) ist „auf Französische Art“ 60+10 Jahre alt. Ihm gefällt die französische Zählweise besser. 😂

    Er und seine Frau fahren aktuell mit dem Fahrrad durch das Jura. Toll! Er hatte mal ein Schuhgeschäft, wo er unter anderem auch klassische Outdoor Schuhe verkauft hat. Heute träger er nur noch Schuhe mit 0mm Sprengung und gerne die von Altra. „Was ich den Leuten damals für einen Scheiss verkauft haben, nicht zu fassen! Aber wir wussten es damals auch nicht besser.“ erzählte er.

    Nun ja, wir philosophieren über das Weitwandern und erzählen von Trails tauschen uns aus. Vielen Dank das wir dich kennenlernen durften! Wir sind begeistert was ihr zwei erlebt und wie ihr Reisen interpretiert.
    Danke schön.

    Irgendwann ging es für uns dann auch mal los. Entlang des Le Doubs. Nach dem wir den Fluss über eine Brücke überquert haben, ging es die ganze Zeit bergauf. Zwar auf einfachen Pfaden allerdings hatte das Wetter mittlerweile auf Sommer geschaltet und somit war es warm. Es riecht nach gemähtem Gras, Traktoren fahren wild durch die Gegend. Gegen 11:45 erreichen wir den Ort Courtefontaine wo wir am alten Waschhaus des Dorfes eine Pause im Schatten machen und essen.

    Wir nehmen Wasser auf und weiter geht es. Schnell erreichen wir den höchsten Punkt des Tages mit knapp über 900 Meter. Sobald der steile Abstieg beginnt, haben wir Probleme dem Trail durch den Wald ins Tal des Le Doubs zu folgen. Nach mehreren Querläufern schaffen wir es diesen Abschnitt hinter uns zulassen. Aber der nächste steht direkt bevor 🙈 An der Straße angekommen nimmt das Verlaufen eine neue Dimension für diese Tour an.

    Die HexaTrek App weist uns den Weg nach rechts, Outdooractive nach links. Warum wir uns für links entschieden haben, liegt wohl einzig daran, das wir sonst immer mit Outdoor Active laufen und uns „eigentlich“ darauf verlassen können.

    Tja, was sollen wir sagen. Die dann folgende Stunde gleicht einer Durchschlagübung. Unser Trost hier im tiefen Wald ist, das wir immer wieder Fußspuren finden die darauf hinweisen, dass auch andere Hiker es auf dieser Route versucht haben. Naja, irgendwie sind wir dann runter an den Fluss gekommen. Die dann folgenden 4 Km auf der Straße entlang des Le Doubs bis zum Grenzort Goumois waren die unangenehmsten am heutigen Tage.

    Unsere Akkus sind leer! Jeder Tritt ist schwer, einfach so, aus dem Nichts. Auf der anderen Flusseite liegt die Schweiz. Der Fluss stellt in diesem Bereich die Grenz da. In Goumois nehmen wir direkt vor der Epicerie auf den langen Bänken und Tischen im Schatten Platz. Schuhe aus, Füße hoch! Das muss jetzt sein. Der Besitzer stürmt nach draußen um uns zu sagen das er gleich da ist, er hat grade Kunden. Alles gut, Monsieur, keine Panik!

    Dann steht er vor unserem Tisch. 2 Kaffee, 2 Cola und 2 Sandwich oder so etwas? Der Besitzer druckst rum und erzählt er hat nur noch so ein halbes Baguette und etwas Toast. Klar! Machen wir so! Belegen sie mit was sie wollen oder was sie uns anbieten können. Und Zack stehen zwei relativ hilflos zusammengestellte Sandwiche vor uns.

    Für uns, wie immer wenn wir unterwegs sind, das Beste was es gibt. Fernwandern verändert und zwar ins Positive. Wir verdrücken noch je 2 Bananen und tauschen uns mit dem aufgeweckten Inhaber aus. Er sagt uns wo wir heute Nacht entlang des Weges schlafen können und das wir unser Wasser bei ihm holen sollen nicht am örtlichen Brunnen.

    Wir sollen die Inhaberin vom nächsten Foodstop auf unserem Weg in 13 Km schön von ihm grüßen und wenn wir möchten, können wir noch die Toilette beim benutzen. Vielen Dank! Bester Mann! Aber auch diese Pause ist nach mehr als 1 Stunde dann vorbei und es geht wieder los. Mittlerweile ist es kurz vor 17 Uhr.

    Kraftvoll und ausgeruht legen wir los. Mindestens doppelt so schnell wie auf dem Weg hier in. Die Power ist zurück und so genießen wir den Weg entlang des le Doubs, dessen Wasser man nicht trinken sollte. Sonst ☠️.

    Nach einer gewissen Zeit ist der kleine Pfad vor uns gesperrt, Forstarbeiten usw. Na, das hält uns nicht ab, besonders wenn die Schilder und das rote Flatternand schon am Boden liegen.
    Tja, und dann sehen wir das Ausmaß der Katastrophe. Der Harvister ist leider auch hier durch die schöne Landschsft gefräst und lässt eine pure Spur der Zerstörung auf einer Länge von ca 1,4 Km zurück. Krass! So ein Schei**. Am Ende liegt unser geplanter Schlafspot, der zwar noch existiert, allerdings jetzt innerhalb einer zerstörten und zerfahren Umgebung liegt, in Mitten des Harvister Parkplatzes.

    Wir entscheiden uns dazu weiterzulaufen, bis zur ehemaligen Kapelle in der Nähe eines Wasserwerks. Die Kapelle steht für Hiker zu Verfügung um dort zu nächtigen. Also nochmal 2,4 Km weiter. Das ist übrigens auch der Platz, der uns der Mann empfohlen hatte.

    Schnellen Schrittes erreichen wir um 2030 die Kapelle, die sich direkt am Fluss vor einer weiß strahlenden Steilwand befindet.

    Wir sind nicht die Ersten am heutigen Abend. Eine ältere Dame begrüßt uns schon am Wegesrand: „ Bonsoir!“ Französisch, Englisch deutsch ist schnell geklärt. Die Gute spricht etwas deutsch. Sie sage, sie sei alleine und es ist viel Platz in der Kapelle. Wir sollen eintreten. Sie wandert von Nyon nach Wissenbourg. Also in der direkten Gegenrichtung. Beim Essen tauschen wir Infos über Wasserquellen und Wegebeschaffenheit aus und neben bei skizziert sie eine Amsel und schreibt ihre Notizen des Tages in ein kleines Buch. Wir fragen sie ob sie am Ende des le doubs die Route auf der französischen Seite oder die alternative Route durch die Schweiz und das Jura gewählt hat. Sie ist auf der französischen Seite gelaufen, kennt aber die Route durch die Schweiz sehr gut. Es sei die schönere der beiden Möglichkeiten und wir sollten diese Route wählen! Okay! In 22 Km sind wir am Punkt auf unser Tour wo sich die beiden Wege zweigen. Dann wissen wir jetzt schon wo es für uns langgeht. Prima! Wir haben zwar keine Franken dabei, hoffen also das wir auch mit Euro zahlen können.

    ➡️ 38 Km ⬆️ 1.157 Hm ⬇️ 983 Hm
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