• Unterwegs in Podlachien

    April 14 in Poland ⋅ ☁️ 14 °C

    Nach zwei Reisepausentagen ohne Footprint und Videodreh sind wir wieder bereit, weiter Polen zu entdecken. In einem ausliegenden Ordner auf dem Campingplatz haben wir gelesen, dass es in dieser Region viel Sehenswertes gibt. Wir haben uns bewusst für zwei Ziele entschieden: einen Grabhügel mit einem orthodoxen Kloster und die bunt bemalten Häuser Podlachiens.

    Der Grabhügel mit dem Kloster ist nicht weit von unserem Campingplatz entfernt. Man nennt ihn auch den heiligen Berg Grabarka – er gilt als das wichtigste Heiligtum der polnisch-orthodoxen Kirche. Schon bei der Ankunft spürt man, dass dies kein gewöhnliches Reiseziel ist, sondern ein spiritueller Rückzugsort voller Geschichte und Glauben. Als wir ankommen, ertönt lautes Glockengeläut, und kurz darauf beginnt eine Predigt oder ein Gottesdienst bei geöffneten Türen.

    Der Weg hinauf zum Kloster führt durch einen Wald – ruhig, fast ehrfürchtig. Je näher man kommt, desto mehr Holzkreuze säumen den Pfad. Weit über 7.000 sollen es sein, jedes einzelne von Pilgern hierhergetragen, oft als Zeichen der Hoffnung, Dankbarkeit oder Bitte. Dieses Meer aus Kreuzen ist ein eindrucksvolles Bild, das wir nicht so schnell vergessen werden. Hinter jedem Kreuz steht ein Mensch und seine Geschichte.

    Oben angekommen befindet sich das Kloster Grabarka mit seiner Kirche. Die schlichte Architektur fügen sich harmonisch in die Natur ein. Alles wirkt ruhig, fast zeitlos. Wir haben sogar Glück: Die Messe ist gerade zu Ende, und die Kirche ist noch geöffnet, sodass wir einen kurzen Blick ins Innere werfen können. Kurz darauf wird sie wieder geschlossen. Sogar ein Pilger hat ein neues Kreuz dabei und lässt es von einem orthodoxen Priester segnen. Dabei darf weder fotografiert noch gefilmt werden – woran wir uns selbstverständlich halten.

    Besonders berührend ist die Atmosphäre: kein lauter Tourismus, kein Gedränge – nur leises Murmeln von Gebeten, das Rascheln der Bäume und das Gefühl, an einem ganz besonderen Ort zu sein.

    Nach so viel Spiritualität fahren wir tiefer in die Region Podlachien. Diese Gegend ist ruhig, ursprünglich und kulturell sehr vielfältig. Sie ist ein echter Schmelztiegel verschiedener Religionen (katholisch, orthodox, muslimisch) und Einflüsse aus Polen, Belarus und Litauen. Bunt bemalte Holzhäuser mit kunstvoll verzierten Fensterläden säumen die Straßen der traditionellen Dörfer. Auch eine nahezu unberührte Natur begegnet uns hier – in der Region liegt der berühmte Białowieża-Nationalpark, einer der letzten Urwälder Europas mit wilden Bisons. Alles wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen.

    Wir machen einen kurzen Stopp bei einer weiteren orthodoxen Kirche – leider verschlossen – und spazieren durch ein traditionelles Dorf mit den bunten Häusern. Diese zeichnen sich durch aufwendig geschnitzte Giebel, farbenfrohe Fensterrahmen und dekorative Läden aus. Typische Farben sind Grün, Blau und Rot, oft kombiniert mit floralen oder geometrischen Mustern. Die Gestaltung hatte nicht nur ästhetische, sondern auch symbolische Bedeutung – etwa als Schutz- oder Glückssymbole aus der orthodoxen Tradition.

    Nach einem wunderbaren Frühlingstag steuern wir unseren heutigen Übernachtungsplatz an einem Fluss an und gönnen uns bei milden Temperaturen erst einmal ein wohlverdientes Zielbier.
    Read more