• Kaunas im winterlichen Sturm

    April 26 in Lithuania ⋅ 🌬 7 °C

    Die Nacht war – trotz des tobenden Sturms – überraschend ruhig. Eingekuschelt in unser Wohnmobil haben wir tief und fest geschlafen, während draußen ein eisiger Schneewind um die Ecken pfiff. Der Wetterbericht kündigt Schnee an, doch noch wollen wir das nicht so recht glauben.

    Unser Ziel für heute: die litauische Stadt Kaunas. Wie so oft stellt sich zuerst die Frage nach einem passenden Parkplatz. Mit park4night suchen wir uns ein paar Optionen heraus – und haben Glück: Beim zweiten Versuch werden wir fündig. Wir parken an einem Sportplatz, etwas abseits in einer ruhigen Ecke. Bezahlt wird ganz unkompliziert mit der App UniPark.

    Und dann: Die ersten Schneeflocken fallen. Also machen wir es uns erst einmal gemütlich und genießen unser Mittagessen im Warmen. Als sich das Wetter kurz beruhigt und sogar die Sonne durchblitzt, brechen wir auf in die Stadt.

    Kaunas, die zweitgrößte Stadt Litauens, empfängt uns mit einer faszinierenden Mischung aus Geschichte und modernem Leben. Am Zusammenfluss von Nemunas und Neris gelegen, war sie zwischen den Weltkriegen sogar provisorische Hauptstadt. Noch heute zeugen zahlreiche Gebäude aus dieser Zeit davon – viele gehören inzwischen zum UNESCO-Welterbe. Und als wäre das nicht genug, war Kaunas 2022 auch noch Kulturhauptstadt Europas.

    Unser Spaziergang führt uns entlang der Laisvės alėja – einer beeindruckenden, über drei Kilometer langen Fußgängerzone. Immer wieder bleiben wir stehen, bestaunen Fassaden, Details und das lebendige Treiben. Der Kontrast zwischen historischer Architektur und modernen Elementen macht den Reiz dieser Straße aus.

    Wir starten an der Kirche des Erzengels Michael und laufen bis zur Kathedrale St. Peter und Paul. In beiden Gotteshäusern findet gerade eine Messe statt – ein besonderer Moment, der unsere Besichtigung fast ein wenig ehrfürchtig macht.

    Natürlich darf auch ein Abstecher zur Burg Kaunas nicht fehlen. Die alte Festung wirkt im winterlichen Grau noch einmal besonders eindrucksvoll.

    Zurück auf dem Weg gönnen wir uns etwas Süßes – und später, wieder im Wohnmobil, gibt es heiße Schokolade dazu. Genau das Richtige bei diesem frostigen Wetter. Kaum haben wir es uns gemütlich gemacht, beginnt draußen ein heftiger Schneefall.

    Doch wir bleiben nicht. Stattdessen fahren wir weiter, etwa 50 Kilometer hinaus aus der Stadt. Die Landschaft wird immer stiller, einsamer – und der Himmel immer dunkler. Plötzlich stecken wir mitten in einem Schneesturm. Die Sicht ist schlecht, der Wind drückt gegen das Fahrzeug. Andreas hält das Wohnmobil konzentriert auf Kurs.

    Wir erreichen unseren Übernachtungsplatz an einem See, irgendwo außerhalb eines Dorfes.

    Und dann – fast wie ein kleines Wunder – ist alles vorbei. Und eine Aussicht, die uns für alles entschädigt.
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