Erste Eindrücke aus Estland
May 10 in Estonia ⋅ ☁️ 14 °C
Nach einer ruhigen Nacht – ganz ohne Alarm – haben wir heute etwas länger geschlafen. Wir haben keine grosse Eile und auch keine weite Strecke vor uns. Lediglich die Grenze zwischen Lettland und Estland liegt auf unserem Weg. In der Nähe einer kleinen Stadt an einem See haben wir uns einen Parkplatz ausgesucht, wo wir den ersten Tag in Estland ganz entspannt verbringen möchten.
Kaum losgefahren, wird uns erneut bewusst, was es bedeutet, an der NATO-Aussengrenze zu sein – besonders in der aktuellen, angespannten Zeit. Auf einem Parkplatz entdecken wir ein Depot mit Panzersperren, sogenannten Tschechenigeln, damit im Ernstfall schnell darauf zugegriffen werden kann.
Der Grenzübertritt selbst verläuft völlig unspektakulär. Nur eine alte Zollstation weist darauf hin, dass wir ein neues Land betreten. Keine Flagge, keine Tafel – und doch spürt man sofort, dass man in Estland angekommen ist. Die Landschaft verändert sich langsam: Die Höfe werden grösser, gepflegter und hübscher. Vieles wirkt renoviert und stärker auf Tourismus ausgerichtet. Es scheint, als spiele hier vor allem der nordische Wintertourismus eine wichtige Rolle.
Schon bald erreichen wir unser Tagesziel – Võru. Direkt am Ortseingang befindet sich eine grosse Kaserne. Wie überall hier gilt auch dort striktes Foto- und Filmverbot, woran wir uns selbstverständlich halten. Die Soldaten scheinen gerade von ihrem Wochenende zurückzukehren.
Unser Wohnmobil braucht Diesel. Doch diesmal sind wir etwas verunsichert. Bisher haben wir in allen Ländern problemlos Diesel B7 getankt, also Diesel mit bis zu sieben Prozent Biodiesel-Anteil. Hier scheint jedoch fast ausschliesslich B0 angeboten zu werden. Erst an der dritten Tankstelle entscheiden wir uns schliesslich doch zu tanken. Auch ein Blick ins Benutzerhandbuch unseres IVECO bringt keine wirklich eindeutige Antwort, ob dieser Diesel problemlos verwendet werden kann.
Võru gilt als kulturelles Zentrum der Region Võrumaa und ist besonders für die Võro-Sprache bekannt, die hier bis heute gesprochen wird. Viele Einwohner betrachten sie nicht einfach als Dialekt, sondern als wichtigen Teil ihrer eigenen Identität. Dadurch wirkt die Region kulturell eigenständig und unterscheidet sich deutlich vom übrigen Estland.
Schon bei der Ankunft fällt die entspannte Atmosphäre auf. Statt dichter Strassen und moderner Hochhäuser prägen Holzhäuser, grüne Parks und der weite Tamula-See das Stadtbild. Besonders die Uferpromenade lädt dazu ein, einfach langsamer zu werden. Menschen sitzen auf Bänken mit Blick aufs Wasser, Familien spazieren gemütlich entlang des Sees, und wir können uns gut vorstellen, wie die tief stehende Abendsonne den See in warmes Licht taucht.
Bei unserem Spaziergang werfen wir einen Blick in die Kirche und lauschen für einige Minuten einem Konzert. Die auffälligen Rad-Installationen auf dem Hauptplatz wirken zunächst wie moderne Kunstobjekte. Tatsächlich gehören sie zu einem besonderen Stadtkonzept: Der Platz soll sich ständig verändern und je nach Jahreszeit oder Veranstaltung immer wieder ein anderes Gesicht zeigen.
Võru ist vielleicht kein klassisches „Must-see“, aber genau der richtige Ort, um in einem neuen Land anzukommen.Read more



























Traveler
Sieht genial aus
TravelerSehr schön die Eindrücke vom neuen Land. Die Holzhäuser sehen so schön aus mit den farbigen Unterschieden. Hoffe der Diesel macht Johneli keine Bauchschmerzen🙈
Traveler
Habt ihr geschaukelt?
Yvi on tourLeider nein, es war uns ein bisschen zu kalt.