Verlassene Häuser, Kunst und dunkle Vergangenheit
June 17 in Norway ⋅ 🌬 8 °C
Nach unserer Ankunft am Vortag machten wir zunächst einen Bummel durch den kleinen Ort Vardø. Die Stadt wirkt auf den ersten Blick rau und etwas melancholisch. Viele Häuser stehen leer oder sind verlassen, manche scheinen bereits seit Jahren niemanden mehr beherbergt zu haben. Die eigentlichen Bewohner vieler Gebäude sind inzwischen die Vögel, die sich auf Fensterbänken, Dachvorsprüngen und Dächern häuslich eingerichtet haben.
Trotz des sichtbaren Strukturwandels versucht die Stadt, dem Ort neues Leben einzuhauchen. An mehreren Gebäuden entdecken wir farbenfrohe Street-Art-Kunstwerke, die einen spannenden Kontrast zu den teilweise verwitterten Fassaden bilden.
Bei unserem Rundgang finden wir ausserdem ein besonderes Souvenir: einen handgestrickten Norwegerpullover aus regionaler Wolle. Die Pullover werden von Einheimischen in traditioneller Handarbeit gefertigt und spiegeln die lange Handwerkskunst der Region wider. Ein authentisches Erinnerungsstück, das nicht nur wärmt, sondern auch ein Stück nordnorwegische Kultur mit nach Hause bringt.
Nach einer recht rauen Nacht – der Wind ist hier definitiv nicht zu unterschätzen – besuchen wir am nächsten Morgen den Drakkar Leviathan. Dabei handelt es sich um eine moderne Interpretation eines Wikinger-Langschiffs, die als Kunst- und Kulturprojekt geschaffen wurde. Das beeindruckende Holzschiff erinnert an die große Bedeutung der Seefahrt und der nordischen Geschichte in dieser abgelegenen Region. Mit seiner markanten Silhouette fügt sich der Drakkar eindrucksvoll in die raue Küstenlandschaft ein und verbindet Vergangenheit und Gegenwart auf besondere Weise.
Die auf dem Weg liegende Festung lassen wir heute links liegen – unser Weg führt uns weiter.
Bevor wir Vardø verlassen, steht noch der Besuch des Hexenmahnmals auf dem Programm – einer der bewegendsten Orte der Stadt. Die Gedenkstätte erinnert an die Hexenprozesse des 17. Jahrhunderts, bei denen in der Region Finnmark zahlreiche Menschen, überwiegend Frauen, der Hexerei beschuldigt und hingerichtet wurden.
Das Mahnmal besteht aus zwei Teilen. Der lange, schmale Erinnerungsbau wurde vom Schweizer Architekten Peter Zumthor entworfen. Im Inneren erzählen Texte und Gedenktafeln die Schicksale der 91 Menschen, die während der Hexenverfolgungen in Finnmark ihr Leben verloren. Ergänzt wird die Anlage durch eine eindrucksvolle Kunstinstallation der französisch-amerikanischen Künstlerin Louise Bourgeois. Gemeinsam schaffen Architektur und Kunst einen Ort des Erinnerns und Nachdenkens.
Die Kombination aus der rauen Küstenlandschaft, der stillen Atmosphäre und den tragischen Geschichten der Opfer macht den Besuch zu einem besonders eindrücklichen Erlebnis, das noch lange nachwirkt. Mit vielen Eindrücken im Gepäck verlassen wir schließlich Vardø und setzen unsere Reise entlang der nordnorwegischen Küste fort.Read more



























Traveler
Egal was es sein soll, sieht toll aus