• Auf der Europastrasse E75 unterwegs

    June 16 in Norway ⋅ 🌬 8 °C

    Nach zwei eher ruhigen Tagen ist unser heutiges Tagesziel Vardø. Der Himmel zeigt sich nicht in strahlendem Blau, sondern grau und bedeckt. Nebelschwaden ziehen über die Landschaft und verleihen der Szenerie etwas Mystisches. Irgendwie passt genau das zu diesem abgelegenen Teil Norwegens.

    Besonders freuen wir uns heute auf einen Abschnitt der Europastrasse E75. Kaum zu glauben: Diese Straße beginnt hier oben in Vardø und führt südwärts durch Finnland, Polen, Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Serbien und Nordmazedonien bis ganz nach Sitia auf Kreta in Griechenland – stolze 4’340 Kilometer lang. Für uns steht heute allerdings nur ein wunderschöner Abschnitt entlang des Varangerfjords auf dem Programm.

    Zunächst heißt es jedoch: zurück auf derselben Strecke von Bugøynes. Die Landschaft zeigt sich anfangs rau und fast unwirklich – schroffe Felsen, kaum Vegetation und eine karge Weite, die beinahe mondähnlich wirkt. Doch je weiter wir dem Fjord folgen, desto mehr verändert sich die Umgebung. Plötzlich tauchen wieder Häuser auf, kleine nordische Siedlungen bringen Leben in die Landschaft.

    Schon bald entdecken wir von Weitem die Kirche von Nesseby und entscheiden uns spontan für einen kleinen Abstecher. Hier finden wir auch eines der typischen Stockfischgestelle – diese traditionellen Holzkonstruktionen, auf denen vor allem Kabeljau an der frischen Luft getrocknet wird. Über Wochen hängen die Fische hier im kalten Wind und in der salzigen Meeresluft, bis daraus Stockfisch entsteht – eine jahrhundertealte Methode zur Konservierung.

    Erstaunlich ist, wie unterschiedlich die Landschaft hier wirkt. Obwohl wir nur etwa zehn Kilometer Luftlinie entfernt auf der anderen Seite des Fjords unterwegs sind, scheint es fast eine andere Welt zu sein. Hier gibt es Leben – in und ausserhalb der kleinen Dörfer. Rund um die Häuser grasen Schafe völlig frei. Sie wirken entspannt, neugierig und erstaunlich gelassen gegenüber Autos. Statt davonzulaufen, scheinen sie eher wissen zu wollen, wer da vorbeikommt.

    Je näher wir Vardø kommen, desto rauer wird die Stimmung. Die Straße führt entlang der wilden Barentssee, der Nebel wird dichter und dichter. Es fühlt sich tatsächlich ein wenig so an, als würden wir ans Ende der Welt fahren.

    Nicht nur uns scheint diese Region zu faszinieren – auch die Vogelwelt fühlt sich hier offenbar wohl. Immer wieder sehen wir Hobby-Ornithologen mit Ferngläsern und Kameras, die geduldig nach seltenen Sichtungen Ausschau halten. Vor Vardø liegt zudem die Insel Hornøya, die man per Boot erreichen kann. Besonders bekannt ist sie für ihre Papageitaucher – die berühmten Puffins.

    Die Fahrt nach Vardø ist definitiv eines der Highlights unserer Reise. Morgen werden wir die Sehenswürdigkeiten des kleinen Ortes genauer erkunden – doch für heute reicht es erst einmal.

    Zum Tagesabschluss genießen wir bei einem wärmenden Tee die Einfahrt eines Hurtigrutenschiffes in den Hafen. Und später wartet noch ein weiterer Programmpunkt auf uns: der Besuch der ältesten Kneipe Nordnorwegens – natürlich inklusive lokalem Bier.
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