• Pausentag unter der Linde?

    July 22 in Sweden ⋅ 🌧 16 °C

    Für den heutigen Tag ist Regen angesagt. Nach den vielen Eindrücken und Sehenswürdigkeiten der vergangenen Tage kommt dieser Regentag eigentlich genau richtig, um einmal eine kleine Pause einzulegen.

    Für einen kurzen Spaziergang reicht es dennoch. Unser Weg führt zu einem kleinen Bauernhof, auf dem mit viel Liebe Kerzen gezogen und gegossen werden. Ein kleiner Hofladen lädt zum Stöbern ein.

    Am Wegesrand entdecken wir jede Menge frische Waldhimbeeren. Einige wandern direkt in den Mund, der Rest ins Tupper. Eingefroren werden sie und in den nächsten Tagen finden sie ihren Platz in einem Drink oder einer Bowle.

    Was uns seit Mittelschweden immer wieder auffällt, sind die unzähligen Lindenbäume, die gerade in voller Blüte stehen. Ihr Duft ist einfach unglaublich – oft nimmt man ihn schon wahr, lange bevor man die Bäume überhaupt sieht.

    Die Linde ist in Schweden nicht nur ein wunderschöner Baum, sondern hat auch eine lange Geschichte. Besonders die Winterlinde wächst hier hervorragend, denn das kühle Klima und die geeigneten Böden bieten ideale Bedingungen. Bereits im 17. und 18. Jahrhundert wurden Linden gezielt gepflanzt – entlang von Strassen und Alleen, auf Gutshöfen und vor Herrenhäusern, auf Dorfplätzen sowie rund um Kirchen. Sie wachsen gleichmässig, können sehr alt werden und lassen sich gut beschneiden.

    Der Lindenbaum – auf Schwedisch "lind" – besitzt zudem eine besondere kulturelle Bedeutung. Früher war er Treffpunkt für Versammlungen und Feste und galt als Symbol für Gemeinschaft. Gleichzeitig steht die Linde, wie in vielen Teilen Europas, für Liebe, Frieden und Geborgenheit. Auch heute lebt ihre Bedeutung weiter, denn sie findet sich in zahlreichen schwedischen Orts- und Familiennamen wie Lind, Lindgren oder Lindberg wieder.

    Im Juli stehen die Linden in voller Blüte und liefern grosse Mengen Nektar. Unter ihren Kronen summt und brummt es ununterbrochen, denn Honigbienen und Hummeln lieben ihre Blüten. Kein Wunder also, dass Lindenhonig in Schweden besonders geschätzt wird.

    Am Nachmittag haben wir uns auf einem Stellplatz einquartiert. Nur eines fehlt: ein Lindenbaum. Nach den vielen duftenden Linden der vergangenen Tage wäre es schön gewesen, den Nachmittag unter ihrem schattigen Blätterdach zu verbringen und dem Summen der Bienen zu lauschen. Stattdessen geniessen wir die Gemütlichkeit unseres kleinen Zuhauses auf Rädern. So wird das Wohnmobil heute zu unserem ganz persönlichen Rückzugsort, während der Regen leise aufs Dach trommelt. Morgen wartet bestimmt wieder die nächste blühende Lindenallee auf uns.
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