• Wolken, Nebelwald und Meerwassser

    September 15, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 22 °C

    Nach dem Pinienwald gestern steht heute der Nebelwald im Norosten auf unserem Plan. Eine Wanderung durch urwaldhafte Lorbeerbäume, Riesenfarne und Baumheide (ja, unsere Erika!) im Naturschutzgebiet Los Tilos ist im Reiseführer beschrieben, die könnte uns gefallen. Bevor wir starten, findet Max bei der Zielsuche fürs Navi stattdessen leider den Hinweis, dass Los Tilos geschlossen ist, anscheinend ist die Straße kaputt. So ein Pech! Aber wartet, in der Nähe gibt es einen kleineren Krater, der zu einem kreisrunden Stausee mit Naherholungsgebiet "umfunktioniert" wurde. Da kann man bestimmt auch gut wandern.

    Auf geht's also zur Laguna de Barlovento im Nordosten. Alle Fahrten auf La Palma sind kurvenreich, und da wir hier von der Hauptstraße auf kleinere Nebenstraßen an die Laguna heranfahren, diese Fahrt noch etwas mehr. Die kleinen Straßen machen einfach mehr Spaß. 😎 Als wir ankommen, sehen wir rasch, dass sich irgendetwas geändert haben muss. In der Laguna ist kein Wasser! Und die Einrichtungen des Naherholungsgebietes sind geschlossen bzw. sehen auch schon etwas verwittert aus. Also kein Essen nach der Wanderung, zumindest nicht hier. Wandern können wir aber trotzdem, und so tun wir das auch!

    Ganz anders als im Inselwesten sind wir hier in kühler, feuchter Luft, eben im Nebelwald. Der Boden ist roter Lehm, bedekct mit einer dicken Laubschicht, teilweise schon kompostiert. Den Fuß gut setzen ist hier gefragt, sonst wird's eine Rutschpartie. Schwitzen kann ich auch prima ohne hohe Temperaturen und Sonne, hohe Luftfeuchtigkeit und steile Anstiege schaffen das locker... trotzdem ist es mal eine schöne Abwechslung zu den hellen, trockenen Pinienwäldern, durch grünen Dschungel zu laufen, in dem das Wasser vom Blätterdach heruntertropft.

    Im Wald versteckt finden wir eine Sammelstelle für Wasser, das mit einer neuen Plastikleitung ins Tal geleitet wird. Gleich daneben ist ein alter Bergwerksschacht, aus dem noch die Gleise herausführen, neben denen die Lore fast verwittert im Gebüsch liegt. Das Ziel unseres erwählten Wanderwegs erreichen wir nicht; es geht steil bergab, und wir wissen nicht einmal was wir am Mirador del Barandas vorfinden sollen. Schonung ist gefragt, morgen steht Max' Herzenswanderung auf dem Programm, mehr wird noch nicht verraten. Außer, dass es eine der ganz großen aus dem Reiseführer ist...

    Und so sind wir artig und vernünftig und drehen mittendrin um. Dadurch sind wir früh wieder am Auto, schon gegen Zwölf. Nun ja, dann nutzen wir den angebrochenen Tag doch, weiter Richtung Osten zu erkunden! Der zur Lagune gehörige Ort Barlovento hat nicht viel zu bieten, wir fahren direkt durch bis Las Sauces. Da herrscht buntes Treiben auf der Plaza, wir können nicht herausfinden, was der Anlass ist. Vielleicht nur Sonntagsvergnügen. Etwas weiter bleiben wir in einem unauffälligen Lokal hängen, das eine große Auswahl von Tapas auf der Karte hat. Wir bestellen frei nach Appetit und teilweise ins Blaue. Die Portionen sind riesig, von wegen Tapas! Max traut sich an "alte Kleider" (ropa vieja), eine kubanische Spezialität; für mich ist der galizische Tintenfisch eine neue Art der Zubereitung. Dazu haben wir noch gebratenen Ziegenkäse in sehr interessanter Knoblauch-Kräuter-Öl-Soße, und ich eine Portion Paella, das muss ja sein in Spanien.

    Gestärkt, um nicht zu sagen, vollgestopft, fahren wir weiter, denn der Nachmittag ist immer noch jung. Ein Leuchtturm an der Küste zieht mich an, auf gut Glück fahren wir in die kleinen, schmalen und steilen Küstenstraßen hinunter. Und wir kommen an, allen Skeptikern zum Trotz! 😜 Leider stellt sich dann heraus, dass man an den Leuchtturm gar nicht hin darf, weil ihn eine deutsche Firma gekauft hat, die darin Ferienwohnungen vermietet... ohne Worte.

    Immer noch ist Zeit, daher biegen wir bei der Weiterfahrt Richtung Südosten ab und landen in San Andrés, einem für seine Unberührtheit und Ursprünglichkeit gerühmtes Küstendorf. Es beeindruckt uns ehrlicherweise nicht so sehr. Nur der Küsten-Fußweg zwischen dem Dorf und einer Meerwasser-Badestelle ist sehr schön angelegt und gut zu laufen. Hinwärts schwanke ich noch, ob ich baden soll ... Badesachen sind eingepackt, aber die Umstände, das Umziehen, danach das Salzwasser, das Abtrocknen, und und und ... Rückwärts bin ich entschlossen und ab geht's ins erfrischende Nass! Und ich frage mich, warum ich gezögert habe. Wie schön, wie spaßig, wie großartig! Für danach gibt's Süßwasserduschen und Umkleidekabinen, wo ist das Problem?

    Nach dem Vergnügen leider wieder Arbeit für mich in Form des Autofahrens... Natürlich ist es jetzt schon ordentlich weit bis zu uns nach Hause, gute eineinhalb Stunden. Und hab' ich eigentlich schon erwähnt, dass bis auf gestern Nachmittag ständig ich fahre, wegen der Kosten für den Zweitfahrer? 😇 Die Abmachung ist, dass Max dann auf Teneriffa dran sein wird. Und das Nötige für den "Inselwechsel" buchen wir dann zuhause - Fähre, neuen Mietwagen, und neue Unterkunft.
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