• Asche und Salz

    September 17, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 23 °C

    Den Norden der Insel haben wir mittlerweile ziemlich gut erkundet. Heute ist der Süden dran. Wir fahren über das jüngste Lavafeld auf einer nagelneuen Straße bis zur südlichsten Stadt Los Canarios (früher und immer noch üblich: Fuencaliente). Wie es bei fortschreitender Urlaubszeit so ist, kann uns die Steilküste und die Blicke darauf, die wir unterwegs erhaschen, nicht mehr so recht begeistern.

    Fuencaliente ist ein hübsches kleines Dorf mit spürbar touristischem Einschlag. In der Nähe liegt die größte und modernste Hotelanlage La Palmas mit über 1.200 Betten. Die meisten Gäste scheinen aber das Hotel nicht zu verlassen, im Ort und bei den Sehenswürdigkeiten begegnen wir nur wenigen.

    Als erstes führen unsere Schritte uns zufällig in die empfohlene Bar Parada, wo hinter dem Verkaufsraum gerade frische Mandelkekse gebacken werden, ganz, wie im Reiseführer beschrieben. Ein köstlicher Duft liegt in der Luft, hmmm! Aber es ist ja erst Zeit für mein erstes, Max' zweites Frühstück, also gibt es Bocadillos. Auch sehr lecker, reichlich belegt und sättigend. Mandelkekse kaufe ich zum Mitnehmen, und kandierte Mandeln auch. 😋

    Nach einem kleinen Schlenker zur Kirche und zum Dorfplatz (zum alljährlichen Weinfest fließt dort tatsächlich ein Brunnen mit Wein! 😍) führt unser Weg an den Dorfrand zum Besucherzentrum beim Vulkan San Antonio (Ausbruch 1949). Das erklärt Generelles zum Vulkanismus und beinhaltet schöne Darstellungen der Ausbrüche 1949 und 1971 (Vulkan Teneguía, gleich ums Eck). Vom jüngsten Ausbruch 2021 gibt es einen Film und zahlreiche Bilder, sehr beeindruckend. Trotz der langen Eruption (85 Tage) und großen betrroffenen Fläche gab es nur ein Todesopfer zu beklagen, und auch nur, weil der Mensch sein Haus nicht verlassen wollte.

    Der Vulkankrater des San Antonio ist vom Besucherzentrum bequem fast ebenerdig zu erreichen, und von dort kann man auf den Teneguía schauen, der ebenfalls zu ersteigen ist - das sparen wir uns. Stattdessen fahren wir an die Südspitze zum Leuchtturm, und gleich nebenan, zur Saline. Das ist die einzige, die auf den kanarischen Inseln (noch) in Betrieb ist. Die erste Saline, die ich besichtige. Sehr interessant wird auf einem kleinen Rundgang um die Wasserbecken der Gewinnungsprozess beschrieben. Am Ende wartet ein vornehmes Restaurant (immerhin das einzige der Insel, das im Guide Michelin erwähnt wird 😉), dessen Angebot wir nicht in Anspruch nehmen. Dafür besuchen wir den Laden ... beste Qualität direkt vom Erzeuger, wer kann da schon widerstehen? 😇

    Ohne konkretes nächstes Ziel fahren wir die Küstenstraße entlang Richtung Heimat. Weit kommen wir aber nicht, schließlich ist es langsam Mittag geworden, was unseren Mägen nicht entgangen ist. Direkt an der Straße landen wir mit einem Kiosco einen Glückstreffer - für Max gibt es einen Hamburger, für mich die typischen Salzkartoffeln La Palmas, einen Thunfisch-Paprika-Salat und Rührei mit Pilzen. Und für uns beide leckere Zitronenmousse als Nachspeise.

    So gestärkt kann es weitergehen. Die Bodegón Tamanca, die wir besuchen, bietet weniger als gedacht. Zwar wurden Trauben frisch gepresst, das ist zu riechen (Gell, Matthias, wir kennen das! 😉), und auf dem Laster sind die ganzen Sträubel zu sehen, aber außer einem schüchternen Blick in den Verarbeitungs- und Lagerkeller bliebe uns nur ein Essen im Restaurant, und wir sind ja frisch gesättigt.

    In San Nicolas, weiter nördlich, wurden 2021 beim Vulkanausbruch der Dorfplatz und die Kirche verschont. Dankbar haben die Bewohner eine Marienstatue aufgestellt. Das lockt uns aber nicht in den Ort, sondern das Besucherzentrum zu den "Feuerröhren". Ebenfalls sehr interessant gestaltet. Im Eintritt ist eine Führung in eine dieser vulkanischen Höhlen enthalten. Unser Führer spricht Englisch, ein wenig Deutsch, und Spanisch wie ein Maschinengewehr. Und lustig macht er das ganze auch, gepaart mit viel geologischem Fachwissen. Man vermutet, dass ein sehr großes Höhlensystem durch den Ausbruch 2021 im gesamten betroffenen Gebiet entstanden ist. Die Röhren bilden sich, wenn die flüssige Lava an der Luft abkühlt, sich verfestigt, während die Lava im Innreren weiter abfließt. Übrig bleiben Hohlräume, die mit der Zeit Heimat einzigartiger Lebewesen werden.

    Gut, sehr viel schon wieder gesehen und gelernt heute, da haben wir eine Belohnung verdient. Im Hafenort von Tazacorte hatten wir schon gestern und vor ein paar Tagen eine Eisdiele besucht ... die haben gutes Eis, und aus dem machen sie ganz köstliche Milchshakes! Drachenfrucht für Max, Schoko für mich - mmmmh, so darf ein Ausflug enden! Daheim bin ich so voll und zufrieden, dass ich ein Nickerchen einlege. Und beim abendlichen Sonnenuntergang gönnen wir uns wieder ein Gläschen Wein. Unserem vorbeischauenden kleinen Gecko prosten wir fröhlich zu.
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