• Pura Vida: Strassen

    September 25, 2015 in Argentina ⋅ ⛅ 9 °C

    Wir sind sie gerne noch einmal gefahren, die Carretera Austral. Traumstrasse im patagonischen Süden, Vorzeigeprojekt der Chilenen. Mittlerweilen ist sie fast durchgehend geteert, ist schneller und befahrener geworden, hat ihren Charakter an vielen Orten eingebüsst. Doch dem Lago General Carrera entlang gibt es sie noch, die schmale ruppige Schotterpiste, die steilen Steigungen, die atemberaubenden Ausblicke. Wie lange noch?

    Im Parque Nacional Los Alerces folgen wir einer weiteren Erinnerung an die Carretera. Ein kurvenreicher Weg, an klaren Seen und gefrorenen Wasserfällen vorbei, durch dichte Lärchenwälder. Baumriesen, knorrig und alt. Der Wind schüttelt die frische Schneeladung von den Wipfeln. Es rauscht in den Ästen.

    Dem Rio Aluminé entlang steigt eine schmale Erdstrasse zum Pino Hachado Pass hoch, gesäumt von Araukarien, dem Lebensbaum der Mapuche. Stachelige Blätter, geschwungene Äste, raue schuppige Stämme. Die Abendsonne wirft ihre Schatten vor unsere Räder. Kein Auto weit und breit. Wir zelten in einer Kurve und als wir zum Zähne putzen in den sternenklaren Nachthimmel schauen, erinnern uns die schwarzen Baumsilhouetten an einen einsamen Palmenstrand.

    Ruta 40, wir hassen dich. Zu gut wissen wir, wie langweilig deine oft schnurgeraden Kilometer von Bolivien bis Feuerland führen. Doch dieses Mal täuschen wir uns in dir. Statt öde die Provinz Neuquen zu durchqueren, suchst du dir deinen Weg durch schwarze Lavafelder, um schneebedeckte Vulkane und über smaragdgrüne Flüsse. Eine Urwelt aus Basaltfelsen, Sand und Stein, rostrot, silbriggrau, schwefelgelb, gekrönt von den letzten Schneeresten. Ruta 40, so gefällst du uns.
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