• Mutianyu - The Great Wall

    29. apr.–7. maj, Kina ⋅ ☀️ 22 °C

    Die Große Mauer gehört zu den Topzielen eines jeden Chinareisenden.
    Natürlich müssen auch wir dahin.

    Landläufig wird ja immer von einer Gesamtlänge mit x Kilometern gesprochen. Genau betrachtet aber ist so eine Aussage falsch.
    Das war auch uns neu.
    Die Mauer war nämlich niemals ein durchgehendes Bauwerk, sondern immer schon ein komplexes System aus Mauern, Wällen und natürlichen Barrieren. In dieser Ausdehnung erstreckte sich die gesamte Anlage zusammen auf geschätzte mehr als 21.000 Kilometer.

    Begonnen hat der Bau der Chinesischen Mauer bereits im 7. Jh. v. Chr. Damals errichteten einzelne chinesische Staaten erste Grenzbefestigungen.

    Erst unter Qin (das war der erste Kaiser, dessen Mausoleum wir in Xi’an besichtigt haben) gab es den Versuch, diese Einzelstücke erstmals zu erweitern und zu verbinden.
    Man spricht von 300.000 Soldaten, die daran gearbeitet haben sollen. Klingt viel. Aber wenn man weiß, dass 700.000 Soldaten zur gleichen Zeit an dem Mausoleum gearbeitet haben, dann ist das ziemlich wenig.

    Es gibt heute nur noch wenige verbliebene Abschnitte, die erhalten, rekonstruiert und begehbar sind. Diese stammen aus der Zeit der Ming-Dynastie (14. bis 17. Jahrhundert).

    Bei der Auswahl des „richtigen“ Abschnitts standen also verschiedene Orte im Angebot. Badaling - das konnte ich überall lesen - sollte man meiden, weil es sehr touristisch sein soll.

    Bei der Planung war ich also auf der Suche nach einer Bleibe direkt an der Mauer. Aber direkt gibt es nicht. Am Fuße heißt im Dorf Mutianyu.
    Für 50€ die Nacht - so dachte ich - kann man nichts falsch machen.
    Allerdings gibt es keine direkte Zugverbindung bis dahin.
    Deshalb verlassen wir Datong und fahren erst einmal nach Pekingbei. Ab hier nehmen dann ein XL-Auto. Eine Stunde dauert die Anfahrt.

    Das Hotel erweist sich als eine grün überwucherte Anlage, die ein wenig Maintenance bräuchte, aber unser Zimmer ist nett und hat sogar eine kleine Terrasse. Die Mädels hier haben keine Vorstellung, dass man etwas Infos benötigen würde und so müssen wir den alles aus der Nase ziehen.
    Am Abend der Ankunft spazieren wir noch die steile Straße bis zur Gondel. Wir hoffen, hier mehr Infos zu bekommen. Aber die gibt es hier nicht. Da wir noch keine Tickets haben, beunruhigt mich ein wenig der Gedanke, morgen keine mehr zu bekommen. Aber wie sich am nächsten Tag herausgestellt, benötigen wir weder eine Reservierung noch vorher gekaufte Tickets.

    Was wir am nächsten Vormittag allerdings registrieren, sind die Busladungen, die vorbeiströmen. Also machen wir uns erst kurz nach Mittag auf den Weg.
    Am Kassenschalter kaufen wir Tickets für die Gondeln und los geht das Abendteuer: „Chinesische Mauer“.
    Die Fahrt mit der Doppelmeyer-Gondel allein ist schon eine Augenweide.
    Wie nicht anders zu erwarten, ist es direkt am Ankunftsort der Gondel noch ziemlich trubelig. Aber das löst sich schon bald auf. Denn die Reisegruppen ziehen ab und die Besucher des Nachmittagsschwungs sind noch nicht da.

    Wir haben Traumwetter. Die Sicht ist sehr gut. Sogar die Skyline von Beijing ist zu erkennen.
    Der Weg auf der Mauer ist nicht so schön eben wie in Pingyao oder in Datong. Denn die Mauer verläuft immer am Kamm entlang. Wir vergleichen das mit den kleinen Dorfstraßen im Osten Südafrikas, die auch genau immer auf dem Kamm verlaufen.
    Dies ist aber auch das, was den Anblick fotogener macht.

    Es läuft sich sehr gut. Die Platten sind fast eben. Wenn es nicht ab und zu ein paar Treppen gäbe, wäre es ein feiner Spaziergang.
    Die Anstrengung besteht aus den Steilstücken bzw. der kurzen Stücke mit extrem hohen Stufen. Aber überwiegend ist die Höhe der Stufen etwa handbreit.

    Auf dem Weg von Wachturm 14 bis 19 haben wir eigentlich genug gesehen. Ich hab schlichtweg auch keine Lust mehr. Schließlich muss das Stück wieder zurückgelaufen werden.
    Der Anstieg hinter Wachtturm 19 beginnt mit besonders hohen Stufen und einer fiesen Steigung. Während ich nur noch bis zur Hälfte, zu einem Gedenkstein laufe, entscheidet sich Rainer noch für (s)ein Workout, in dem er bis zum Endpunkt am Wachturm 23 läuft und bringt fantastische Bilder mit.

    Zurück am Ausgangspunkt, also am Wachturm 14, starten wir erst den weiteren Gang auf die andere Seite, entschließen uns aber bald dagegen. Abgesehen davon, dass er uns gar nicht so anspricht, ist hier auch wieder sehr viel los. Darauf haben wir keine Lust.

    Wir haben die Mauer gesehen und ein Stück auch selbst belaufen und gut ist’s.

    Auf dem Weg zur Unterkunft kehren wir wieder im gleichen Restaurant ein wie gestern. Wir essen auch das Gleiche. Das sieht farblich zwar aus, als wenn dem Koch Farbe in den Topf gefallen wäre, schmeckt aber lecker. Preislich spüren wir die absolute Nähe zu Beijing. Denn für 92¥ (12€) haben wir auf der Reise bis Datong mehr als das Doppelte auf den Tisch serviert bekommen.

    Das war unser Erlebnis Great Wall. Morgen geht’s in die Hauptstadt. Nach Beijing.
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