• Tag 5 Dänemoak

    16. juni, Danmark ⋅ ☁️ 16 °C

    Mit den Drogen von der Ärztin habe ich diese Nacht geschlafen wie ein Baby, das satt und mit frischer Windel ins Bett gelegt wurde.
    Nur Tigger hat sich heute Morgen beschwert, dass ich wegen meiner verstopften Nase doch ein wenig mehr und lauter geschnarcht habe.
    Ich bin froh und glücklich, dass nach der Augen-OP doch noch alles so gut geworden ist und mein Urlaubstrip nun klappt. Auch, dass Frau, Kind und Oma mitspielen und sich ein paar Wochen selbst versorgen.
    Packen ist angesagt. Das ist immer ein heilloses Chaos. Am besten geht es, wenn ich einen Tisch am Platz habe, wie hier beim Bauern Jensen. Nach einer Viertelstunde ist alles in den Säcken und auch gleich verstaut. Man kann sich nicht vorstellen, dass nach dem Chaos alles auf Elise Platz findet.
    Dies alles verlangt nun nach einem Kaffee mit Fischbrötchen zum Frühstück.
    Ich rolle vom Campingplatz die sieben Minuten rüber zu Renés Zweiradwerkstatt. Einen Reifen hatte ich schon vor zwei Wochen hierher schicken lassen. Am Weg noch schnell beim Bäcker vorbei. A Laugenstangerl.
    Hier textet mich ein älterer Herr zu, der gerade vom Bäcker rauskommt, welche BMW-Motorräder er schon hatte und was er jetzt fährt. Wie ich antworten wollte, wünschte er gute Fahrt, drehte sich um und ging. Da stand ich nun, und keiner wollte mir zuhören. Frechheit.
    Dann halt ab zu Renés Zweiradwerkstatt. Er erwartet mich schon. Elise muss auf die Bühne, ich bekomme einen Kaffee und setze mich mit meinem Laugenstangerl in die Ecke. René wollte auch nicht viel reden. Mmmmpft.
    Keine 20 Minuten später rolle ich vom Hof. Für 30 € ausgebaut, Reifen gewechselt, gewuchtet und wieder eingebaut. Klaus, es lohnt sich, hierher zu fahren!
    Es ist auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände. Ringsum Bunkeranlagen, und die ehemaligen Versorgungsgebäude sind jetzt Schrauberwerkstätten.
    Sodalla, Dänemark ruft. Seitlich an Flensburg vorbei umgehe ich den Berufsverkehr. Grenze. Die uniformierten Dänen winken mich durch. Habe ich ein Glück – Ausweis und Impfpass für Tigger habe ich nämlich keinen. Ich weiß auch gar nicht, welche Papiere Hildegard braucht.
    An der Grenze gleich das erste Schild für mich: Hotdog 🌭 27 Kr 😋. Und ein Däne lässt sich die Palette Bier am Grenzsupermarkt zum Auto rollen.
    Ich habe mal so getan, als ob ich ein Selfie mache, um das Geschehen für euch auf Zelluloid zu brennen.
    Es geht die Ostküste Jütlands hoch. Autofahren und Motorradfahren ist so hygge hier. Man könnte fast einschlafen beim Fahren. Ist 80 km/h erlaubt, fahren die Dänen lieber 70 km/h. Wird es grün, fahren sie nicht gleich bei Hellgelb los, sondern erst bei Dunkelgrün. Ich weiß nicht, ob das Rücksicht, Vorsicht oder vielleicht Unvermögen ist.
    Es gibt sehr viele Kleinwagen. Ich vermute, das Auto ist im Gegensatz zu Deutschland kein Statussymbol.
    Es wechselt hier zwischen: „Oh Mann, kann man hier weit gucken!“ und „Bissi hügelig.“
    Ich mache eine kleine Pause, strawanze durch einen Supermarkt und kaufe etwas fürs Abendessen ein. Und ein süßes Teil zum Sofortessen. Btw, ich glaube, ich habe einen Zuckerschock.
    Ich wechsle immer zwischen Autobahn und Landstraße. Beide gehen schnurgerade, nur die Autobahn ist halt langweilig zu fahren, weil es sonst nix zu sehen gibt, und die Landstraße hat alle Furzlang einen Kreisverkehr, dazu noch viele Ampeln. Aber wenn man hin und her fährt, ist es abwechslungsreich.
    In Aarhus ist heftiger Berufsverkehr. 15 Uhr, und alle Dänen wollen heim. Ich quäle mich 30 Minuten durch den Stau. Und die Dänen fahren auch im Stau sehr langsam an.
    Die Sonne kommt raus, und es macht Spaß auf den letzten Metern, denn es wird kurvig hinter Aarhus.
    Ich schlage auf bei MC Touring Camp, einem Campingplatz ausschließlich für Motorradfahrer. Mein Freund ChatGPT hat ihn mir empfohlen.
    Beim Check-in wurde sogar auf den geheizten Pool hingewiesen. Hier riecht es nur so nach Benzin. Ich suche mir einen Platz mit Tisch und Bank aus, baue alles auf und gehe duschen.
    Das Abendessen lasse ich mir in der Sonne sitzend schmecken. Ich hole mir noch einen komfortablen Sessel und telefoniere eine Stunde mit Elke. Sie erzählt mir von ihrem kleinen Unfall an der Treppe. Morgen wird geröntgt, ob ein Band gerissen ist. Ohje.
    Jetzt noch eine Runde über das Gelände. Ich sehe sogar eine alte Nimbus mit Reihenvierzylinder. Und nur zwei Zelte – die anderen Motorradfahrer haben sich Gartenhäusl zum Übernachten genommen.
    Zur Abendessenszeit kommen viele Motorradfahrer hier her, die nach ihrer Arbeit noch einen Ausflug machen.
    Es waren heute sehr gerade 297 dänische Kilometer.
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