• Tag 11 Westkap

    June 22 in Norway ⋅ ☁️ 13 °C

    Es geht wieder kleine Straßen entlang, an Bauernhöfen vorbei und an einer klitzekleinen Hafenanlage. Irgendwann sehe ich das erste Schild: Vestkapp.
    Na also. Das Nordkap und Südkap von Norwegen habe ich schon 2024 erfahren. Vom Ost- und Westkap habe ich damals nix gewusst. Sonst hätte ich das Ostkap mitgenommen, weil es ungefähr auf Höhe des Nordkaps liegt, mit Blick nach Russland. Man kann von dort aus nach Murmansk zur russischen U-Boot-Flotte rüberwinken.
    Aba, das wäre ja noch ein Ziel für die nächsten Jahre. Hoch über das Baltikum und Finnland.
    Heute bin ich erst mal auf dem Weg zum Westkap. Das Westkap von Norwegen (das sogenannte Vestkapp) liegt direkt am Europäischen Nordmeer, einem Randmeer des Atlantischen Ozeans, an der rauen Küste der Halbinsel Stadlandet.
    (Man bin ich schlau.)
    Ich falle den Berg hoch. Hey, was ist da? Liegen doch glatt die Spezl von Hildegard auf der Straße rum. Man muss ziemlich aufpassen. Nicht, weil Schafe unkontrolliert rumlaufen wie Rentiere, sondern weil sie einfach nur daliegen. Also chillen. Auf der Straße.
    Die Straße windet sich hoch. Gut, eigentlich zu hoch, da wir in die Wolken reinfahren. Supa … Nebel. Visibility 5 Meter.
    Es steht ein Schild. Gut, ich habe es erst hinterher übersetzt:
    „Anleggsområde – adgang forbudt.“
    Der Zugang zum Baugelände ist verboten.
    Ich mache einen auf dummer Touri und fahre da weiter. Zack, hält mich ein Bauarbeiter auf und macht mich auf Norwegisch ziemlich rund. Ich sage nur so zur Entschuldigung:
    „I am from Germany.“
    Und ich muss an Reinhard Fendrich denken. Der singt doch: „I am from Austria.“
    Auf Englisch geht es dann weiter. Ich hätte doch das Schild sehen sollen und jetzt umdrehen und raus hier. Außerhalb vom Zaun darf ich rumlaufen.
    Okay, dazu muss man wissen: Das Vestkapp wird momentan als Touristenattraktion ausgebaut. Sozusagen das Nordkap für Beginner, die nicht so weit hochfahren wollen. Es werden ein Hotel und ein Restaurant gebaut, deshalb die Baustelle. Das Gebäude, das bis letztes Jahr hier stand, gibt es nicht mehr.
    Ich stelle Elise ab und gehe die letzten Meter durch den Nebel. Man kann zur alten Radarstation und zum Westkap-Steinhaufen auf 62° 11' 18" N, 5° 7' 33" E gehen.
    Es geht ein richtiger Sturm. Selbst die Mülltonnen am Parkplatz werden hier angekettet. Mir langt es, einfach nur da gewesen zu sein – auch wegen des Wetters.
    Foto machen, Griffheizung auf 120 % und wieder runter auf Sea Level. Da hat es dann auch wieder 13 Grad und deutlich weniger Wind.
    Ich fahre etwa 40 Kilometer zurück zum letzten Campingplatz und bin dort der Einzige mit Zelt. Und überhaupt der einzige Camper. Es sind alle zwölf Gästezimmer vermietet, aber Camper verirren sich hier selten, sagt mir Marta, die Campingplatzbesitzerin.
    Sie zieht mir 300 NOK von der Karte ab, was ungefähr 27 € sind, für einen Platz auf der Wiese mit tollem Ausblick.
    Ich telefonierte mit Elke eine Stunde und sie amüsiert sich über die Möwen und Schafe die man im Hintergrund hört.
    Ich mache mir wieder ein sehr feines Abendessen. Ein Dank und Grüße an die Küche und den Koch.
    Ich bekomme noch einen koffeinfreien Kaffee, damit der alte Herr gut schlafen kann. Hildegard wird abgedeckt und ab und zu muss ich den Mähroboter beobachten, nicht dass er zu nahe an mein Zelt kommt.
    Heute Nacht soll es – was auch sonst – zu regnen anfangen.
    Ich sitze in meinem Vorzelt und gucke raus, höre den Geschichten der Möwen zu und bin glücklich.
    Es waren heute sehr schöne 273 Kilometer.
    Und hey, kein Strampelanzug – es hat nicht geregnet. Bis heute bin ich 2850 Kilometer gefahren.
    P.S. Echt lustig wie die Schafe blöken. Hoffentlich gehen die auch bald schlafen.
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