• Tag 12 Es gibt viel flüssigen Sonnenschein

    June 23 in Norway ⋅ 🌧 9 °C

    Ich habe ja so supa geschlafen diese Nacht. Der Campingplatz in Åheim ist direkt am Wasser und zum Einschlafen haben sich die Wasservögel der ganzen Gegend hier zu einem Heidenlärm versammelt und eine Symphonie gezwitschert. Es war sensationell. Naja, es war halt ein ganz schöner Radau. Und dazu haben die Schafe im Hintergrund geblökt.
    Ich war hin und weg und gleich am Ratzen. Hoffentlich nicht zu laut am Schnarchen, denn ich habe noch eine Mitzelterin bekommen: Michelle aus Frankreich, die mit dem Fahrrad von Trondheim nach Hamburg will. Sie hat sich das vor ihrem Studium so eingebildet. Na sauba! Mit dem Zug von Frankreich hier hoch, mit Zelt, Gepäck und Fahrrad. Kein E-Bike! Ist ja schließlich noch ein junges Mädchen, sagt sie.

    Ich wache gegen 6:30 Uhr auf und ... keine Regentropfen. Sollte es laut Wetterbericht nicht regnen? Aber was ich höre, ist der Rasenmähroboter. Das Geräusch kommt immer näher. Wie beim Weißen Hai: dumm-dumm-dumm. Ich stürme halb nackt aus dem Zelt und kann den Roboter gerade noch stoppen. Später hat mir Michelle erzählt, dass er sie heute Früh im Zelt angedotzt hat. Also „angedotzt“ ist meine Übersetzung von dem, was sie mir auf Englisch mit französischem Akzent erklärt hat.

    Ich checke das Wetter und sehe überall Blau. Nein, nicht den Himmel, sondern den Regen auf dem Regenradar. Also schnell packen.

    Noch ein kurzer Stopp im Waschraum und auf dem Rückweg bleibe ich in der kleinen Küche bei Chris hängen. Er kommt aus Oslo, ist mit seiner Frau und Tochter auf einem Familienevent hier in der Gegend und verlangt, dass ich ihm bei einem Kaffee Gesellschaft leiste. Er hat drei Motorräder in der Garage und wir reden über Benzin und über dies und das. Er gibt mir seine Nummer und wenn ich auf dem Rückweg irgendwie an einem Wochenende in Oslo vorbeikomme, soll ich mich melden und vorbeikommen. Zumindest auf einen Kaffee.

    Mittlerweile hat es richtig zu duschen angefangen und ich war mit dem Packen noch nicht fertig. Uiuiui, alles sehr feucht einpacken. Ich werde richtig angeregnet. Ich ziehe meinen Strampelanzug an. Echt doof – über die nasse Kombi. Das wird dann so richtig schön eine Sauna. Okay, macht nix. Christian will es ja so.

    Tigger kommt ins Topcase, Hildegard wird abgedeckt und anschließend mit meinem Hintern wieder zugedeckt. Los geht's Richtung Circle K Tankstelle.

    Es duscht, aber es ist klasse zu fahren. Berg rauf, dann durch die Wolken und bergab auch wieder durch die Wolken bis zum Nordfjord auf Meereshöhe hinunter.

    Circle K ... Frühstücks-Hotdog 🌭, ich komme!

    Heute eine ausgewogene Ernährung, sicherlich mit den Vitaminen BAS und F.

    Es gibt zwei Kaffee Latte Macchiato, einen 🌭 mit extra Chili-Ketchup und danach einen Kakauli mit einem Rosinenboller.

    Mann, bin ich abgefüllt und denke mir, was so ein bayerischer Magen am Morgen alles Verschiedenes verträgt.

    Einkaufen muss ich auch noch: zweimal Fleisch, Salat, Champignons, Wokgemüse, Bier und etwas Flüssiges fürs Müsli. Dann geht es weiter durch den Regen.

    Es läuft so richtig schön durch die Kurven und ich merke langsam, wie es durch die angenässte Kombi im Strampelanzug feucht wird. Mmmmh, lecka.

    Es geht wieder über Nebenstraßen, die gerade so breit sind wie ein Bus. Mist, bei einem Fotostopp hat mich ein Linienbus überholt. Jetzt darf ich dem hinterherzuckeln.

    Bei Stryn sehe ich im Fjord meine Freunde ... ein Kreuzfahrtschiff und vielleicht fünf Kilometer weiter das nächste, noch dickere Schiff. Es spuckt ganz viele Leute aus, die wie wild mit dem Handy fotografieren und sich wahrscheinlich über das regnerische Wetter in Norwegen beschweren. Sagte ich nicht schon mal: Wer braun werden will, soll nach Mallorca fahren?

    Ich biege ab Richtung Briksdalsbreen. Der Briksdalsbreen in Norwegen ist ein westlicher Nebenarm des größten Festlandsgletschers Europas, des Jostedalsbreen. Er liegt im Gebiet der Gemeinde Stryn.

    Ich fahre das Tal bis ganz hinten und frage nach einer Hütte. Gut, ich wollte sie nicht gleich kaufen. Außerdem habe ich mich entschieden, nicht am Ende des Tals zu schlafen. Man kann die Gletscherzunge, wenn man das letzte Stück hinauffährt, schön sehen.

    Das Wasser hier ist richtig grün. Und Grün ist wie Balsam für meine Augen. Besonders für das operierte. Eigentlich sollte ich den Urlaub auf Krankenschein bekommen.

    Ich google mal nach einem Campingplatz. Nachdem ich alles pitschnass eingepackt hatte, inklusive Zelt, suche ich nun nach einer Hütte.

    Triefend nass stehe ich in der Rezeption von Kleivenes Camping, kurz hinter Stryn. Das Wasser läuft von Kombi und Helm auf den Boden und ich produziere eine kleine Pfütze.

    Die Besitzerin kann noch über die Überschwemmung lachen und gibt mir Hütte Nummer 7.

    Ich packe alles in die Hütte und verteile es zum Trocknen.

    Kurz mit Elke telefonieren und dann gibt es auch schon ein leckeres Essen.

    Das waren heute sehr, sehr feuchte 188 Kilometer. Bin gespannt, wann es sich ausgeregnet hat.

    Sonnenuntergang ist heute um 23:37 Uhr.

    Und mein Sohn hatte heute seinen 27. Geburtstag.
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