• Tag 15 Landschaftsroute Rondane

    June 26 in Norway ☁️ 18 °C

    Gestern Abend hat die Sonne so schön gewärmt. Das heißt aber nichts Gutes für mich hier in Norwegen. Immer wenn ich einen klasse sonnigen Abend hatte, hat es am nächsten Tag geregnet.

    Ich wache auf und höre mal so um mich herum. Kein Regen. Na also. Es ist 6 Uhr. Ich checke das Regenradar und – als ob ich es in der Blase hätte – gerade ums Eck kommt die blaue Wand.

    Was machen? Hinlegen und vielleicht drei bis vier Stunden warten? Näää. In Windeseile packe ich alles in die Camperküche, die so ungefähr 30 Meter entfernt ist. Zelt und mein ganzes Gelumpe kommen da unter. Ich frühstücke erst mal mein Müsli, dann einen Kaffee. So kann man jetzt fast alles ertragen.

    Der Plan ist nun: Ich packe feinsäuberlich – wie wir Deutschen nun mal sind – alles ein. In mir kommt eine Frage auf: Ist man rassistisch oder rechts, wenn man feinsäuberlich deutsch ist?

    Okay, dann alles ein bisschen globaler und weltoffener. Ich stopfe die schnell zusammengesammelten Kleidungsstücke, Schlafsack und Luma in meine Packrolle. Ich wälze mich am Boden mit der Packrolle, damit die überschüssige Luft rausgeht und sie ein wenig kleiner wird. Von Weitem sieht es aus, als würde Lumpi einfach einen schönen Tag haben wollen.

    Es ist mittlerweile 10 Uhr. Ja, ich habe noch ein wenig in der Camperküche getrödelt und mache jetzt den Abflug zur nächsten Circle K-Tankstelle. Mit meinem Flatrate-Cup melke ich die Kaffeemaschine: Kaffee, Cappuccino und einen Kakauli – genau in der Reihenfolge. Dazu gibt es einen Chili-Cheese-Hotdog 🌭. Sehr ausgewogen, die Ernährung. Und nicht typisch deutsch. Ich will hier ja nicht auffallen.

    So, jetzt höre ich auf mit den Kommentaren. Sonst bekomme ich noch Ärger mit den Kreuzfahrern, Wohnmobilfahrern, Twizy-Fahrern sowie den BMW-12xx- und 1300-GS-Fahrern. Hier in Norwegen ist man schließlich nicht voreingenommen.

    Fußball, ja Fußball ... Habe nicht viel mitbekommen. Gestern Abend habe ich eine kurze Nachricht von meinen Lieben aus Haimhausen bekommen. Verloren, aber trotzdem Gruppensieger. Mit minimal wird man vielleicht auch Weltmeister. Mal sehen.

    Sodalla, der Kakauli heizt mir schon wieder ein. Das heißt: zurück auf die Straße. Es hat 11 Grad und mir ist richtig wohlig in meinem Strampelanzug.

    Ich mache mich auf den Weg zur Landschaftsroute Rondane. Es dauert nicht lange, da sagt das Navi: rechts ab. Elise freut sich schon wieder – eine unbefestigte Straße. Es ist die Sorte Sandstraße. Nur durch den Regen heute Früh fährt sie sich irgendwie komisch. Sehr weich, und man schwimmt so hin und her. Ein Schild sagt, man soll es bei 60 km/h belassen, und das mache ich dann auch.

    Außerdem muss man immer bremsbereit sein, denn hier laufen sehr viele Schafe frei herum. Ein paar Ziegen habe ich auch gesehen. Teilweise liegen die Schafe mitten auf der Straße, und es kümmert sie überhaupt nicht, wenn man an ihnen vorbeirollt.

    In Folldal halte ich bei einem Supermarkt und kaufe ein bisschen was ein. Wieder vor der Tür höre ich es poltern. Eine Harley kommt ums Eck. Ein Schwede, der nur offene Ofenrohre als Auspuff hatte. Jeder TÜV-Prüfer würde einen Herzinfarkt bekommen, und die Polizeigruppe „Poser“, die man aus dem Fernsehen kennt, hätte ihre wahre Freude daran, das Bike aus dem Verkehr zu ziehen.

    Er hält neben mir an, steigt ab und nimmt den Helm ab. Das ungebügelte Gesicht ist vielleicht 75 Jahre alt. Er nimmt die Ohrstöpsel raus und ich frage ihn, ob der Motor zu laut für ihn ist. Er meint, die braucht er wegen der Windgeräusche, und zwinkert mir mit einem Auge zu.

    Ab Folldal beginnt die Landschaftsroute Rondane. Sie verläuft südlich und steigt steil hinauf zum Venabygdsfjellet, das zwischen 850 und 1000 Höhenmetern liegt.

    Irgendwie ganz anders als die anderen Fjelle. Hier pfeift ein so starker Wind, dass ich wieder Walzer tanze – von einer Straßenseite zur anderen. Es wird zunehmend kälter und das Thermometer bleibt bei 7 Grad hängen.

    Schon frisch, denke ich mir. Auf jeden Fall gibt mir Hildegard von unten Deckung. Ein Zeichen für Obacht ist übrigens, wenn man Hinterlassenschaften von Schafen sieht. Dann lungern die meistens auch irgendwo am Straßenrand herum.

    Hinten runter Richtung Hundorp steigt das Thermometer auf einmal auf 22 Grad. Mit dem, was ich anhabe, fange ich das Pumpen an. Ich muss anhalten, die Reißverschlüsse öffnen und auf Durchzug stellen.

    Bevor ich zum Campingplatz fahre, falle ich noch mal bei Circle K ein. Ich ziehe mir einen Cappuccino und einen Kakauli und esse ein pappsüßes Teilchen dazu. Mir reißt es den Blutzuckerspiegel in die Höhe.

    Der ausgewählte Campingplatz will mich nicht. Er will nur Barzahlung, weil alles an der Steuer vorbeigeht. Ich checke kurz meine Camping-App und komme 14 Kilometer weiter bei Heggerud Gård Camping auf einer Obstwiese auf einem netten Plätzchen unter.

    Aufbauen, duschen und Essen machen. Übrigens gibt es hier Mücken ... sehr langsame aber. Patsch – zu langsam. Und viele Holländer sind auch auf dem Platz.

    Bissi Korrespondenz habe ich auch noch machen müssen, denn die Registrierung und Bezahlung für die Privatstraße gestern hat immer noch nicht geklappt. Habe aber nun die Information bekommen, dass ich dort gar nicht war. Die Kameras haben mich noch nicht aufgenommen. Auch recht. Wenn ich nicht zahlen muss, soll's mir recht sein.

    Ich baue mal mein kleines Stühlchen auf, sitze vor meinem Zelt und genieße den Ausblick bei einer Dose Bier und ein paar Kartoffelchips. Ich freue mich schon auf die Luftmatratze und meinen kuschelig warmen Daunenschlafsack.

    Morgen gibt es den Jotunheimvegen – eine 50 Kilometer lange Schotterstraße. Wir vier freuen uns schon drauf.

    Wieder supaschöne 226 Kilometer gewesen. Elise hat geschnurrt, Hildegard meinen Hintern warm gehalten und Tigger hat wie immer keinen einzigen Meter gemeckert, weil er sich mit der Bierdose im Topcase vergnügte.
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