Tag 16 Bis kurz vor Lillehammer
June 27 in Norway
☁️ 21 °C
Irgendwann bin ich durch und komme wieder auf Asphalt. Das war er, der Jotunheimvegen. Vom Schotter und der Fahrbahn hatte ich schon schlimmere Strecken hier in Norwegen. Also: „Easy peasy lemon squeezy“.
Was machen die Norweger gerne? Genau: Skilanglauf. Und was machen sie, wenn kein Schnee liegt im Sommer? Sie sind mit Skirollern auf der Straße unterwegs. Mir wäre das zu gefährlich, aber jedem das seine.
Navi sagt: links weg in den Dalsveg – und zack, wieder Gravelroad. Heute macht es uns vieren richtig Spaß. Auch das Navi macht wieder Spässle mit Headset und Handy und entkoppelt sich mehrmals zwischendurch. Vielleicht liegt es daran, dass ich bei den unbefestigten Strecken immer „Atemlos“ von Helene höre.
Ich kenne ein neues norwegisches Wort: „Gjelder gjennomkjøring“ – Anlieger frei.
Also darf man da eigentlich nicht reinfahren.
Zur rechten Zeit, irgendwann nach halb vier, kommt eine Circle K und erwartet mich mit einem gefüllten Kaffeeautomaten und einem Rosinenboller. Von hier aus ist es nicht mehr weit zum Campingplatz, etwa 20 km nördlich von Lillehammer.
Schnell werden mir 200 Kronen abgenommen, das sind 18 €. Und ich habe freie Platzwahl. Ich sehe Tisch und Bank und sage: 3-2-1 Mainz.
Bei 26 Grad reiße ich mir das Kombi vom Leib und suche die kurze Hose in meiner Gepäckrolle. Ich lerne auch manchmal dazu: Beim nächsten Mal kommt die kurze Hose direkt ins Topcase – da ist sie schneller griffbereit.
Einfallslos darf man nicht sein: Ich gebe meine warme Bierdose einem freundlichen norwegischen Wohnmobilfahrer, der einen Außenkühlschrank hat.
Er versteht mein Englisch nicht so, ich sein Norwegisch erst recht nicht. Aber irgendwie hat er verstanden, was ich wollte.
Ab zum Duschen, extra lange – ist im Preis inbegriffen. Ich hatte schon Campingplätze, die wollten umgerechnet bis zu 2 € für vier Minuten warm duschen.
Vom Gefühl her habe ich jetzt für 6 € geduscht.
Zurück zum Zelt muss ich mich erst mal für eine halbe Stunde verkriechen. Es gab ein Gewitter – so eins mit Blitz und Bumm Bumm.
Nach der halben Stunde kommt die Sonne zurück und ich habe mir ein feines Abendessen gezaubert: zwei Stück Entrecôte, eine Zwiebel, zwei große Knoblauchzehen, Fetakäse, getrocknete Tomaten und ein Kraut-Karotten-Salat.
Mei, lecker. Meine Art zu reisen find ich Supa.
Ich esse immer fein, und ich kann mit ausgeleierter kurzer Hose neben dem Zelt mein Entrecôte auch vom Boden essen. Ich brauche kein Buffet auf einem Kreuzfahrtschiff, wo man nur in feiner Abendgarderobe sich bekleckern darf. Außerdem wäre ich dann gezwungen, das ganze Buffet aufzuessen.
Zur Nachspeise gibt es Abspülen und danach einen Filterkaffee. Auf dem Rückweg vom Abwasch komme ich am Spielplatz vorbei – es gibt leider kein Kettcar.
Danach packe ich mein kleines Stühlchen aus und kümmere mich liebevoll um die Dose Bier. Ich schaue auf den See raus und habe fertig.
Ach noch was: Gegenüber hält ein Zug. Der sieht aus wie eine Schlange, schwarz mit roten Streifen. Ist die giftig?
Klasse 260 Kilometer heute, mit echt viel Offroad-Anteil. Am Schluss aber doch recht warm bei 26 Grad.Read more



























TravelerHallo Christian Ich lese jeden Tag deinen tollen Reisebericht. Also sozusagen bin ich immer dabei. Tolle Reise, schöne Bilder. Ich bin ja bissi neidig